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| 10:59 Uhr

„Alle Schulabgänger sollen hier eine Chance bekommen“

Matthias Loehr (Linke) malt mit Sohn Konstantin (2) ein Bild von Brandenburg.
Matthias Loehr (Linke) malt mit Sohn Konstantin (2) ein Bild von Brandenburg. FOTO: Foto: Michael Helbig/mih1
Cottbus.. „Ich bin ein Organisator“, bekennt Matthias Loehr. Das kommt nicht nur seiner Partei zugute, für die er unter anderem als ehrenamtlicher Wahlkampfleiter tätig ist. Auch der Umzug mit Frau und Sohn nach Alt-Schmellwitz – mitten im Wahlkampf – war eine Herausforderung. Ulrike Elsner

Die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Hoyerswerda und Cottbus haben den damals 14-jährigen Cottbuser geprägt. "Am meisten haben mich die Leute schockiert, die am Straßenrand standen und klatschten", sagt Matthias Loehr. 1998, mit 21 Jahren, war für ihn klar: Wenn die PDS in Fraktionsstärke in den Bundestag kommt, trittst du ein. "Ich wollte nie Mitglied einer Splittergruppe, sondern immer in einer Partei mit gesellschaftlichen Einfluss sein", bekennt der heutige Vorsitzende des Kreisverbandes Lausitz. 2001 begann der IT-Systemkaufmann seinen Zivildienst bei den Lebenshilfe-Werkstätten für Behinderte. "Ich habe durch die Arbeit mit Schwerstbehinderten und psychisch kranken Menschen, denen ich den Umgang mit Computern beigebracht habe, viel gelernt, viele Erfahrungen gesammelt und bin fünf Jahre geblieben", erzählt Loehr.

Zeit ist ein knappes Gut


Zeit ist für den Landtagsabgeordneten und Wahlkampfleiter vor allem jetzt ein seltenes Gut. Für die RUNDSCHAU nimmt er sich eine Stunde, nachdem er am Telefon noch kurz Unaufschiebbares geregelt hat. Fünf, sechs freie Wochenenden seit Mitte 2013, mehr sei nicht drin gewesen. Woher er die Kraft nimmt? "Aus den politischen Erfolgen", kommt prompt die Antwort. Auch für Urlaub war in diesem Jahr wenig Zeit. "Sieben Tage mussten reichen", sagt der junge Vater, der seit 2008 verheiratet ist. Frau Katharina, eine gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin, studiert derzeit an der BTU Pflegewissenschaft. Sohn Konstantin ist zwei Jahre alt und hat den Lebensrhythmus des Paares völlig verändert. "Die Nächte werden oft dreimal unterbrochen und sind 5.50 Uhr zu Ende", erzählt der Vater des kleinen Energiebündels, das bald noch ein Brüderchen bekommen soll. "Wir sind froh, dass wir Zeit als Paar hatten", gesteht Loehr. Dreimal hat es die Zwei nach Ägypten zum Schnorcheln gezogen. Fernreisen sind für die junge Familie nun tabu. In diesem Frühjahr ging es für eine Woche nach Franken. "Wegen der großartigen Landschaft und der vielen Burgen". Mit ihrem Umzug mitten im Wahlkampf haben die beiden ein Kunststück fertiggebracht. "Wir brauchten eine größere Wohnung und haben ein Angebot bekommen, das wir nicht ablehnen konnten", berichtet der Familienvater. Seit wenigen Wochen bewohnen sie ein Haus in Alt- Schmellwitz zur Miete, in dem Platz für zwei Kinder- und ein Arbeitszimmer ist. Den Umzug haben sie auch dank der Unterstützung von Freunden gut bewältigt.

Freunde, aber nicht bei Facebook


Freunde, mit denen er seit der Schulzeit verbunden ist, sind dem Politiker sehr wichtig. Von Facebook hingegen hält er wenig. "Da würde ich schon in Konflikt geraten, wenn ich eine Freundschaftsanfrage ablehne", gesteht Loehr, der seiner Mutter recht gibt, wenn sie sagt: Du trägst Dein Herz auf der Zunge. Und der diese Angewohnheit doch schlecht ablegen kann. Seine Vision für Brandenburg will Matthias Loehr nicht malen, sondern formulieren. "Alle Schulabgänger sollen hier eine Chance bekommen sich zu verwirklichen." Die Politik müsse dafür die Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehöre auch die frühe Förderung aller Kinder.

Zur Person
Name: Loehr
Vorname: Matthias
Alter: 37
Wohnort: Cottbus
Familienstand: verheiratet, 1 Sohn (2)
Ausbildung/Beruf: IT-Systemkaufmann, seit August 2012 Landtagsabgeordneter
Ehrenämter/Hobbys: : Er ist ehrenamtlicher Wahlkampfleiter der
Linkspartei in Brandenburg und Kreisvorsitzender, Mitglied der
Jugendhilfe Cottbus und der Grünen Liga, hat die Patenschaft für
ein Kind in Zentralafrika, spielt Tischtennis und Skat, fährt gern
Rad und sagt: "Ich hätte gern mehr Zeit für meine Familie."