„In der Stadt Cottbus gibt es aktuell keine labordiagnostisch bestätigten Corona-Infektionen. Per 2. Mai konnten die vorerst letzten drei Personen als genesen eingestuft werden.“ Diese Nachricht des Cottbuser Stadtsprechers Jan Gloßmann kommt am Samstagmorgen nicht ganz überraschend, dennoch lässt sie aufhorchen. Ist die Stadt tatsächlich coronafrei?

Bereits seit 20 Tagen verharrt die Zahl der gemeldeten Corona-Fälle in Cottbus bei 39. Da nach spätestens 14 Tagen die Infizierten als geheilt gelten, war es nur eine Frage der Zeit, wann die letzten dieser 39 in den Status „genesen“ überführt werden konnten. Zuletzt waren noch drei Patienten als akut eingeschätzt worden. Auch für diese meldet die Stadt nun: „genesen“.

Cottbus coronafrei? Dunkelziffer könnte hoch sein

Dennoch ist es wahrscheinlich, dass weitere Personen in der Stadt mit dem Coronavirus infiziert waren oder auch noch sind. Denn die Statistik kann nur die Menschen erfassen, die tatsächlich getestet wurden. Viele, die nur leichte oder gar keine Symptome haben, gehen allerdings gar nicht erst zum Arzt. Experten gehen deshalb von einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle aus.

Die Göttinger Entwicklungsökonomen Christian Bommer und Sebastian Vollmer gingen bereits für Ende März von etwa 460 000 Infizierten in Deutschland aus, wie die Universität Göttingen vor kurzem mitteilte. Das hieße, dass gut 80 Prozent der tatsächlichen Infektionen in der Bundesrepublik gar nicht registriert wären.

Cottbus coronafrei? Beispiel Bundesliga mahnt zur Skepsis

Offiziell liegt die Zahl der Infizierten in ganz Deutschland laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei 161 703. Davon galten 129 000 laut Schätzung des RKI vom Samstag als geheilt.

Wie unerwartet Corona-Infektionen auftreten können, zeigt auch das Beispiel des Fußballvereins 1. FC Köln. Spieler und Betreuerteam waren am Donnerstag wie bei allen anderen Bundesligisten getestet worden. Am Freitag dann das überraschende Ergebnis: Die Rheinländer bestätigten drei positive Coronavirus-Tests. Die „Bild“-Zeitung berichtete von zwei betroffenen Spielern und einem Physiotherapeuten. Keiner habe zuvor Symptome gezeigt, teilt der Verein mit. Das Trio wurde in eine 14-tägige häusliche Quarantäne geschickt.

Cottbus coronafrei? Verwaltung mahnt zur Vorsicht

Auch die Cottbuser Stadtverwaltung bleibt angesichts der aktuellen Meldung vorsichtig. „Es gibt jedoch weiter keinen Grund, leichtsinnig oder fahrlässig zu werden. Das Virus ist weiter in der Welt und in der Nachbarschaft“, so Gloßmann.

In den Cottbuser Nachbarkreisen ist die Lage der Corona-Ausbreitung unterschiedlich. In Dahme-Spreewald steigen die Zahlen gerade wieder an. In OSL, SPN oder EEK hingegen gibt es seit Tagen kaum neue Fälle.

Auch in Ostsachsen, wo die Zahl der Infizierten – und auch Toten – wesentlich höher liegt, hat sich die Ausbreitung in den vergangenen Tagen verlangsamt.

Cottbus coronafrei? Gibt es jetzt Lockerungen?

Neidvoll blickt man aus anderen Teilen des Landes nach Cottbus, vor allem aus Potsdam. Woran liegt es, dass Cottbus so viel besser dasteht bei den Infektionen? „Der aktuelle Stand konnte nach Einschätzung des Stabes erreicht werden, weil sich die große Mehrheit der Cottbuserinnen und Cottbuser in den zurückliegenden Wochen besonnen, akribisch und verständnisvoll an die geltenden Regelungen zum gegenseitigen Schutz und zum Distanzhalten gehalten hat. Dafür dankt der Stab sehr herzlich, wohl wissend, welche Entbehrungen das mit sich brachte und bringt“, sagt Stadtsprecher Gloßmann. Er verweist zudem auf ein „umfangreiches Krisenmanagement im Carl-Thiem-Klinikum sowie in der Stadt“.

Können die Corona-Schutzmanßnahmen in Cottbus jetzt gelockert werden? „Der Stand lässt sich nur stabilisieren, wenn weiter behutsam vorgegangen wird. Weitere Lockerungen des öffentlichen Lebens sind angekündigt, so für die Öffnung von Spielplätzen, mehr Schulunterricht oder ein abgestimmtes Hochfahren der Leistungen des Carl-Thiem-Klinikums“, so Gloßmann.

Im CTK wird derzeit kein Patient wegen der Corona-Infektion stationär betreut. Verschobene Operationen sollen in den kommenden Tagen wieder aufgenommen werden.

Cottbus coronafrei? Machen jetzt die Schulen wieder auf?

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hat sich im Interview mit den Schülerreportern der LR gegen lokale Einzellösungen an den Schulen ausgesprochen. „Wir bemühen uns eher um die Einheitlichkeit im Land und das nicht nur im Schulbereich“, so die Ministerin.

Wie es konkret weitergeht, da scheint sich auch das Bildungsministerium noch nicht klar zu sein: „Da gibt es noch keinen fertigen Plan.“

Cottbus coronafrei? Ende der Woche weitere Entscheidungen

Bereits möglich ist der Betrieb der Parkeisenbahn und auch die Nutzung von Sportanlagen unter Einhaltung hygienischer Regeln. „Weiteres kann systematisch folgen, ohne dabei die Entwicklung von Verdachtsfällen oder neuen Infektionen aus dem Auge zu verlieren“, so Gloßmann.

Am Mittwoch will die Bundeskanzlerin erneut mit den Ministerpräsidenten über das weitere Vorgehen beraten. Weitere Lockerungen könnten dann beschlossen werden. Die Wirtschaft denkt darauf. Kanzlerin Merkel warnt allerdings davor, zu leichtsinnig zu werden.

Denn in Deutschland ist die Ausbreitung des Virus höchst unterschiedlich. Während es in Mecklenburg-Vorpommern ähnlich wie in Cottbus seit Wochen kaum neue Fälle gibt, erleben Bayern, Baden-Württemberg oder das Saarland jeden Tag mehr Infektionen und Todesfälle.

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