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Cottbus
Alarm in der Stadthalle

Beim Neujahrsempfang der Stadt Cottbus ist die Stadthalle am Mittwochabend fast voll besetzt.
Beim Neujahrsempfang der Stadt Cottbus ist die Stadthalle am Mittwochabend fast voll besetzt. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Beim Neujahrsempfang geht es um die große Politik und damit verbundene Erwartungen. Die Stadt übt sich aber vor allem in einem neuen Selbstbewusstsein – trotz Evakuierung. Von Peggy Kompalla

Der Ministerpräsident hat es wieder nicht pünktlich nach Cottbus geschafft. Doch dank eines Feueralarms in der Stadthalle – ausgelöst durch einen Dampfgarer des Bankettservice – muss sich Dietmar Woidke (SPD) am Mittwoch­abend nicht in den fast vollbesetzten Saal schleichen, sondern kann mit dem Menschenstrom Platz nehmen. So wird denn auch das Protokoll eingehalten. Der Landesvater richtet seinen Blick zunächst auf die Koalitionsverhandlungen in Berlin. Die Forderungen für die Lausitz im Strukturwandel decken sich mit denen des Oberbürgermeisters. Die Kreisreform erwähnt der Ministerpräsident indes mit keinem Wort, füttert aber das Cottbuser Selbstbewusstsein und knüpft daran hohe Erwartungen. Die hat Cottbus auch an sich selbst, wie Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) deutlich macht.

Das klingt ganz anders als noch vor einem Jahr, als der Ministerpräsident noch voll auf Reformkurs war. Woidke überschüttet Cottbus am Mittwoch mit Lobpreisungen. Vom „großen Herzen und kräftigen Motor der Lausitz“ ist die Rede, vom „Taktgeber“ und „widerstandsfähigen Oberzentrum“. „An Cottbus hing schon immer das Wohl des Brandenburger Südens“, betont der Ministerpräsident. Die Stadt müsse die Führungsrolle für eine moderne und lebenswerte Heimat von fast 500 000 Menschen einnehmen. „Das ist ein Privileg und eine große Verantwortung“, so der Landesvater. „Die Stadt hat das Zeug dazu.“

Neujahrsempfang 2018 in Cottbus FOTO: Von Michael Helbig

Das weiß Cottbus. Daran lässt der Oberbürgermeister keinen Zweifel. Musste das Stadtoberhaupt noch vor einem Jahr mit seiner Ruckrede mehr Selbstbewusstsein einfordern, so zeigen die Cottbuser heute ihr Selbstvertrauen – gestärkt durch den Erhalt der Kreisfreiheit. Was nur durch den Widerstand gegen die Reform gelingen konnte, der wesentlich von Cottbus getragen wurde. Kelch betont jedoch: „Das ist auch ein Erfolg der großen kommunalen Familie im Land, für den ich sehr dankbar bin.“ 

„Cottbus wächst.“ Dieses Motto gab der Oberbürgermeister vor einem Jahr aus. Die Stadt hält auch dabei Wort. Zurzeit zählt sie Holger Kelch zufolge fast 101 000 Einwohner. Er ergänzt den Slogan: „Cottbus wächst smart und digital“ und weist damit den Weg in die Zukunft. Auf dem Plan stehen demnach: schnelles Internet samt digitaler Angebote, der Ausbau der Breitbandversorgung, die Weiterentwicklung des Kommunalen Rechenzentrums. Ein Masterplan „Digitale Stadt“ werde erarbeitet. Die Stadt strebe eine Zusammenarbeit mit dem Technischen Finanzamt an. Gemeinsam mit der BTU solle die Ausbildung von Software-Entwicklern angeschoben werden. Cottbus könne nichts Geringeres als das „IT-Tüpfelchen Brandenburgs“ werden.

Cottbus sei nicht ohne Probleme – wie der schwere Weg der Integration von Flüchtlingen oder der Umgang mit dem Rechtspopulismus. Diese seien aber nicht ohne die Cottbuser zu lösen. Deshalb ruft Kelch dazu auf, dass sich die Cottbuser als große Familie verstehen, die zusammenhält, streitet, sich auch mal anschweigt, aber dann weiter miteinander redet. „Ich möchte diesen Geist befördern.“

Etwa eine halbe Stunde nach der Eröffnung des Neujahrsempfangs schickt ein Feueralarm die fast Tausend Gäste vorübergehend vor die Stadthalle.
Etwa eine halbe Stunde nach der Eröffnung des Neujahrsempfangs schickt ein Feueralarm die fast Tausend Gäste vorübergehend vor die Stadthalle. FOTO: Michael Helbig