Von René Wappler

Für einen Moment brechen die beiden CDU-Politiker aus dem Protokoll aus. Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch hat eben den Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger im Foyer des Rathauses begrüßt, wo sie gemeinsam die Aktionstage zur Inklusion eröffnen. Harald Altekrüger wendet sich an das Stadtoberhaupt: „Dann bin ich mal auf den Cottbuser Bahnhof gespannt“, sagt er. „Mal sehen, ob der Umbau gut geklappt hat.“

Holger Kelch erwidert: „Also, die Stadt hat das Nötigste getan, aber für die Bahn kann ich jetzt nicht sprechen.“

Der Landrat grinst. „Klar“, sagt er. „Es wird immer gern ein Schuldiger gesucht.“

Eine kleine Frotzelei vor ernstem Hintergrund. Beide Politiker betonten beim Empfang im Cottbuser Rathaus, wie sehr ihnen ein gleichberechtigtes Leben behinderter Menschen am Herzen liegt. Fast jeder fünfte Einwohner von Cottbus muss mit derartigen Beeinträchtigungen klarkommen. Auch deshalb richten die Unternehmen in der Stadt mehr und mehr ihren Service darauf ein.

Hindernisse im Alltag

Oberbürgermeister Holger Kelch stellt fest: „Menschen mit Behinderung sind auch heute noch von Hindernissen umgeben.“ Dazu zählen nach seinen Worten der Zugang zu öffentlichen Gebäuden, die Lesbarkeit von Formularen und die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

So ist momentan nur ein Drittel der Straßenbahnen in Cottbus barrierefrei ausgestattet, wie der Pressesprecher von Cottbusverkehr einräumt. „Doch das soll sich ändern“, sagt Robert Fischer. Denn das Unternehmen plant für die nächsten Jahre den Erwerb neuer Fahrzeuge.

Der Cottbuser Bahnhof, dem sich die beiden Politiker beim Auftakt zu den Aktionstagen widmeten, weist bereits stufenfreie Bahnsteige auf. Das bedeutet: Ein Zugang ist zu enebener Erde möglich, mit einem Aufzug oder mit einer Rampe. Nach Angaben der Deutschen Bahn wird damit dem Ziel entsprochen, „möglichst schnell ein großes Maß an Barrierefreiheit zu erreichen“.

Zwischenbilanz der Bahn

Als „gar nicht so schlecht“ bezeichnete Friedemann Keßler von der Deutschen Bahn AG den Modernisierungsstand der Bahnhöfe, als er im November 2018 vor dem brandenburgischen Ausschuss für Infrastruktur eine Zwischenbilanz zog. Von den rund 308 Bahnhöfen im Bundesland seien 270 stufenfrei.

Im Foyer des Cottbuser Rathauses zeigten junge Leute vom Macht-los-Verein und dem Spremberger Club Erebos am Montag einen gemeinsamen Film, in dem behinderte Menschen darüber sprachen, worauf es ihnen im Alltag ankommt Ein Mann aus Drebkau erklärte: „Mir ist es wichtig, allein mit dem Bus zu fahren, damit ich nicht immer von meiner Mama abhängig bin.“

Die Jugendlichen aus Cottbus und Spremberg werden ihr Gemeinschaftsprojekt auch am Montag, 13. Mai, ab 16 Uhr im Soziokulturellen Zentrum in der Zielona-Gora-Straße 16 vorstellen. Zur Veranstaltung unter dem Titel „Selbstbestimmt! Mitbestimmt?“ haben sie außerdem die Autorin Andrea Lauer eingeladen, die Romane und Kurzgeschichten in einfacher Sprache schreibt.

Forum in Forst geplant

Zu einem Inklusionsforum lädt wiederum die Landesregierung am Mittwoch, 15. Mai, von 9.30 Uhr bis 13 Uhr in die Kreisverwaltung in Forst ein. Es richtet sich ebenfalls an junge Menschen. Das Motto lautet: „Inklusives Aufwachsen“.

Die Aktionstage mit den Namen „Mission Inklusion – die Zukunft beginnt mit dir“ dauern noch bis zum 15. Mai, gemeinsam veranstaltet von der Stadt Cottbus und dem Spree-Neiße-Kreis.