Von René Wappler

Die Mädchen und Jungen der Cottbuser Erich-Kästner-Grundschule haben sich mit den Folgen von Plastikmüll im Alltag befasst. Das Kinderparlament stellte die Ergebnisse am Montag in der Aula des Hauses vor. Zu den Gästen zählten Fachleute aus Supermärkten und städtischen Unternehmen.

Lina und Naya, beide neun Jahre alt, berichteten von ihren Besuchen in Geschäften. Mitunter werden nach ihren Worten selbst Bioäpfel noch in Plastik eingepackt. Zwar können die Konsumenten auch Stoffbeutel kaufen und Getränke an Automaten in eigenen Glasflaschen abfüllen. Doch Plastik findet sich nach wie vor überall in den Regalen, weil viele Kunden es so wünschen.

Was das jedoch für die Umwelt bedeutet, zeigten zwei weitere Schüler des Kinderparlaments in einem kleinen Dialog.

Erde: „Die ganze Plastik, die in mir ist, die bringt mich um.“

Tüte: „Aber ich bin so schön bunt.“

Erde: „Ich brauche doch so lange, um euch zu verdauen.“

Nach Angaben des Bundesumweltamtes kann es tatsächlich um die 450 Jahre dauern, bis sich Plastik zersetzt. Doch selbst nach dieser langen Zeit besteht keine Garantie, dass sich der Stoff völlig aufgelöst hat. Mikroplastikpartikel können demnach „zwar kontinuierlich kleiner, aber nicht vollständig abgebaut werden“.

Die Kinder der Erich-Kästner-Grundschule stellten das Problem am Montag mit Hilfe von Tafeln dar, die sie in der Aula installiert hatten. „Meeresvögel fressen regelmäßig Plastik, weil sie den Abfall mit Nahrung verwechseln“, erläutert einer der Beiträge. „Scharfkantige Teile können den Magen-Darm-Trakt verletzen.“ Durchschnittlich drei Viertel des gefundenen Mülls in den Ozeanen besteht nach Auskunft des Bundesumweltamtes aus Kunststoffen. An mediterranen Küsten seien es sogar über 80 Prozent.

Auf einer anderen Schautafel in der Schule findet sich ein Appell, illustriert mit einem Trinkbecher samt Halm. „Der Einsatz von Plastik ist unter anderem in der Medizin, im Transport oder der Forschung unersetzbar, aber es sollte nicht eingesetzt werden, um aus beinahe allen Artikeln Wegwerfprodukte zu machen.“ Bei der Konferenz des Kinderparlaments meldeten sich weitere Schüler aus dem Publikum. Sie erzählten, dass ihre Familien inzwischen beim Einkaufen lieber Papierbeutel als Plastik verwenden.

Seit der vergangenen Woche besitzt die Schule einen stationären Wasserspender, übergeben von den Mitarbeitern der Lausitzer Wassergesellschaft (LWG). Auch die Pressesprecherin des Unternehmens besuchte die Konferenz des Kinderparlaments am Montagmorgen. „Es ist uns zum ersten Mal passiert, dass uns Schüler in Eigeninitative geschrieben und erklärt haben, warum sie sich einen solchen Wasserspender wünschen“, sagt Marina Röwer. „Das hat uns überzeugt.“

Wie Schulleiterin Martina Theunert berichtet, spart das Haus auf diese Weise ebenfalls Plastikmüll ein. „Denn unsere ebenfalls neuen, stabilen Trinkflaschen sind natürlich wiederverwendbar.“

Für eine andere Aktion der Schule interessieren sich die Mitarbeiter von Supermärkten aus Cottbus. 2500 Deckel aus Kunststoff haben die Kinder bereits seit Jahresbeginn gesammelt, um damit eine Gesundheits-Initiative zu unterstützen. Der Erlös aus dem Recycling der Deckel kommt dem Einsatz gegen Kinderlähmung zu Gute. Also fragten Mitglieder des Kinderparlaments bei den Supermärkten an, ob sie sich vorstellen könnten, diese Deckelaktionen zu begleiten.

Kerstin Schumacher leitet einen Rewe-Markt in Cottbus. „Wir fangen erst mal bei uns damit an“, erklärte sie bei der Konferenz am Montag. „Ich möchte darum bitten, dass vier oder fünf Mitglieder eures Parlaments zu mir in den Markt kommen, waorafhin wir meine Kunden ansprechen und ihnen erklären, warum wir die Deckel sammeln wollen.“ Bereits in den nächsten zwei Wochen könne die Aktion beginnen, sagte Kerstin Schumacher.

Auch die Chefin eines Cottbuser Edeka-Markts zeigt sich angetan von der Idee, die Kunststoffdeckel zu sammeln. „Mich fasziniert am meisten, wie aktiv ihr seid“, sagte Kathrin Scholz zu den Mitgliedern des Kinderparlaments. „Ich habe euch meine Unterstützung ja ebenfalls schon zugesagt.“

Somit legten die Teilnehmer der Konferenz gleich ihre Ziele fest. So wollen sie weiter Deckel sammeln und den Sinn der Aktion ihren neuen Mitschülern und den Eltern erläutern. Außerdem planen sie, einen Müllfriedhof auf dem Schulgelände anzulegen, um zu erfahren, wie lange es dauert, bis Abfall wirklich verrottet.