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| 02:33 Uhr

Aktenfund sichert Teichwirtschaft

Die jahrhundertealte Tradition der Fischzucht wird in Peitz weiter Bestand haben.
Die jahrhundertealte Tradition der Fischzucht wird in Peitz weiter Bestand haben. FOTO: hil
Peitz. Eigentlich ist es nur eine kleine Änderung im brandenburgischen Wassergesetz. 2011 wurden alle Gewässerentnehmer des Landes aufgefordert, ihre alten Wasserrechte anzumelden und zu belegen. Wer das nicht kann, muss die Rechte neu anmelden. Ein teures Verfahren. Andrea Hilscher

Dietrich Kunkel arbeitet im Controlling und Projektmanagement der Peitzer Edelfisch GmbH, ist gleichzeitig Leiter des Fördervereins des Hüttenwerks Peitz. Eine glückliche Fügung - er kennt sich sowohl mit Zahlen als auch mit historischen Dokumenten aus. Und weiß, wie das eine das andere beeinflussen kann.

Eine Novelle des brandenburgischen Wassergesetzes aus dem Jahr 2011 besagt, dass künftig alle Wasserentnehmer im Land ihre alten Wasserrechte belegen müssen. Können sie das nicht, müssen sie sich die Wasserentnahme - etwa für die Landwirtschaft - neu genehmigen lassen. Ein kompliziertes und teures Verfahren. Dietrich Kunkel: "An sich ist es ja sinnvoll, dass das Land einen Überblick gewinnt, wer Wasser aus den hiesigen Gewässern entnimmt." Für die Peitzer Teichwirtschaft allerdings hätte die Gesetzesnovelle im schlimmsten Fall existenzbedrohend sein können. Dietrich Kunkel: "Wir betreiben elf Teichwirtschaften in zwei Bundesländern und verschiedenen Landkreisen. Um hier alle Wasserrechte neu anzumelden, hätten wir extra Ingenieurbüros beschäftigen müssen." Als mittelständisches Unternehmen sei man mit einer solchen Aufgabe schlicht überfordert. Ohne eine geregelte Wasserentnahme aber ist der Betrieb einer Teichwirtschaft unmöglich. Allein für die Peitzer Teiche werden im Jahr mehr als zehn Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Hammergraben entnommen. Dietrich Kunkel: "In den vergangenen Jahrhunderten war die Teichwirtschaft nicht reglementiert und konnte so den reibungslosen Ablauf der Karpfenaufzucht gewährleisten."

Als findiger Mensch stieß Kunkel auf eine Klausel, die sich "unvordenkliche Verjährung" nennt. Sie besagt: Wer nachweisen kann, dass er in den vergangenen 80 Jahren Wasserrechte in Anspruch genommen hat, kann dieses Recht auch weiterhin für sich verbuchen. Kunkel: "Eine feine Sache. Aber 80 Jahre zurück - da befinden wir uns in einer Zeit, aus der wir so gut wie keine Dokumente haben."

Also machte sich der Hobby-Historiker auf und durchforstete diverse Archive. Im Geheimen Staatsarchiv in Dahlem kennt er sich ebenso aus wie in Potsdamer, Dresdner oder Magdeburger Aktenlagern. Kunkel musste unter verschiedensten Stichworten suchen, die Teichwirtschaft hieß zunächst "Domäne Cottbus", später "Domäne Peitz". Irgendwann wurde Kunkel dann fündig: Ein Zeitungsartikel von 1934 besagte, dass die "Domäne Peitz" beabsichtigt, ihre Wasserrechte ins Preußische Wasserbuch eintragen zu lassen. Dietrich Kunkel: "Der Hinweis war wichtig, half aber zunächst nicht viel." Die preußischen Wasserbücher waren im Krieg verbrannt.

Der Forscher ließ sich nicht entmutigen, suchte weiter und fand schließlich eine Abschrift, die das Wasserrecht für das Jahr 1936 verbrieft. Dort wird den Peitzern erlaubt, Wasser in jeder Menge und zu jedem beliebigen Zeitpunkt zu entnehmen.

Dietrich Kunkel: "Mit diesem Beleg können wir jetzt unser Wasserrecht beim Landkreis anmelden." Obwohl das Recht sehr großzügig und privilegiert sei, wolle man sehr kooperativ mit den Behörden zusammenarbeiten. "Immerhin kann es sein, dass unsere sehr weitreichenden Zugriffsrechte andere Wasserentnehmer einschränken."