Von Andrea Hilscher
und René Wappler

Sie setzen Sicherheit und Ordnung durch – und werden dafür attackiert. Ein erwachsener Mann greift einen Mitarbeiter des Cottbuser Ordnungsamtes an. Ein Schüler zieht ein Messer, als ihn ein Hausmeister in der Zimmerstraße zurechtweist. Einer der beiden Fälle ereignete sich am Freitag, der andere in der vergangenen Woche.

Bis in ein Heim für betreutes Wohnen hat sich der Angriff herumgesprochen. Auf einer Bank vor dem Gebäude saß die Rentnerin Ursula Grüner. Mit zwei Freundinnen sprach sie darüber, was gerade so in Cottbus passiert. Dabei erfuhr sie von einem Polizeieinsatz in der Zimmerstraße. Eine Gruppe von Schülern habe dort in einer Tiefgarage den Hausmeister angegriffen, erzählten ihr die Frauen. Ursula Grüner reagierte entsetzt. „Dort habe ich doch mal gewohnt“, sagte sie. „Und den Hausmeister kenne ich.“

Die Details zu diesem Fall kennt Torsten Wendt von der Pressestelle der Polizei. Demnach stellte der Hausmeister am 2. Mai im Parkhaus vier Schüler aus Cottbus im Alter von 12 bis 14 Jahren zur Rede, die zuvor bereits durch Sachbeschädigung aufgefallen waren und einen Feuerlöscher manipuliert hatten. Laut Polizeibericht erklärte der Hausmeister den Schülern, sie hätten im Gebäude nichts zu suchen. Daraufhin habe einer von ihnen ein Taschenmesser gezogen und ihm vor den Körper gehalten. Kurz danach seien die Polizeibeamten am Tatort eingetroffen. Die Schüler sehen sich nun mit einer Anzeige wegen Bedrohung und möglicher Körperverletzung konfrontiert, wie Pressesprecher Torsten Wendt berichtet. Auch die Eltern und die Schule seien informiert.

Warnung vor pauschalem Urteil

Der Hausmeister arbeitet für die Firma Grüne Gärten. Geschäftsführer Volkmar Kiene warnt davor, aus dieser Episode eine grundsätzliche Tendenz abzuleiten. „Die meisten Leute treten den Hausmeistern mit Respekt gegenüber“, sagt Volkmar Kiene. „Es gibt neben diesen aggressiven Schülern ja auch viele junge Leute, die sich für ein friedliches Zusammenleben  einsetzen.“

Als Beispiel dafür dient die Kinderkonferenz, zu der sich Jungen und Mädchen aus Cottbus am Donnerstag im Stadthaus trafen. Sie sprachen auch miteinander über den Hass, der ihnen mitunter im Alltag begegnet. So plädierten sie für Rücksicht und Mitgefühl gegenüber anderen Menschen.

Vielleicht könnte das der Erwachsene von ihnen lernen, der am Freitag um 9.45 Uhr in der Cottbuser Thiemstraße seiner Wut freien Lauf ließ. Nach Angaben der Polizei verwarnte ihn ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes, weil er sein Auto falsch geparkt hatte. Wie Polizeisprecher Torsten Wendt berichtet, reagierte der 58-Jährige „äußerst erregt“, beschimpfte den Mitarbeiter des Ordnungsamtes und drohte ihm Schläge an. Davon ließ sich der Fachmann aus dem Rathaus nicht beeindrucken. Die alarmierten Polizeibeamten hielten gegenüber dem aggressiven Autofahrer eine Gefährderansprache. Dieses Mittel nutzen sie dann, wenn sie einem Tatverdächtigen zeigen wollen, dass sie ihn und die möglichen Folgen seines Handelns im Blick haben. Tatsächlich parkte der Mann nach einiger Zeit sein Auto um, und im Gespräch mit den Beamten zeigte er sich einsichtig.

Angriff auf Mitarbeiterin

Nicht immer gehen solche Fälle glimpflich aus. Im Juli 2018 griff ein Mann in der Sandower Geschäftsstelle der Gebäudewirtschaft Cottbus (GWC) eine 61-jährige Mitarbeiterin an. So attackierte er sie mit Schlägen und Tritten am Bauch, Oberkörper und Kopf. GWC-Chef Professor Torsten Kunze sprach daraufhin von einem schrecklichen Zwischenfall, „wie ich ihn in den vergangenen Jahren so noch nicht erlebt habe“.

Der Chef der Rrei Hausmeister GmbH in Cottbus versucht mit einer eigenen Strategie, Konfrontationen vorzubeugen. „Ich lasse immer Teams von mindestens zwei Leuten laufen“, sagt Alexander Pieper. „Falls wirklich etwas passiert, haben wir gleich einen Zeugen.“