ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:58 Uhr

Aus dem Gerichtssaal
Afghanen treffen auf Angreifer

Cottbus. Mann aus Schmellwitz räumt vor dem Amtsgericht ausländerfeindliche Attacken ein.

Ein 36-jähriger Mann aus Schmellwitz muss sich vor dem Cottbuser Amtsgericht für den Tatvorwurf der gefährlichen Körperverletzung verantworten. Die Anklage wirft ihm vor, im Jahr 2018 zwei Männer im Cottbuser Stadtteil angegriffen und mit ausländerfeindlichen Parolen beschimpft zu haben. Darüber hinaus soll er in einem Imbiss einen Besucher nach Ausbruch eines Streits geschlagen haben.

Der Angeklagte Heiko L. gibt gleich zum Auftakt des Prozesses eine Erklärung ab. Es treffe zu, dass es zu den Auseinandersetzungen kam. Er habe den beiden afghanischen Männern zugerufen, „was sie denn hier in Deutschland wollen, dass sie zurückkehren sollen“. Nach Angaben des Staatsanwalts soll er einen der Passanten an der Zuschka von hinten getreten haben. Dem anderen Mann habe er am gleichen Abend am Ernst-Mucke-Platz gegen die Brust geschlagen.

Der Richter fragt nach. „Deutschland ist Ihr Land“, sagt er zum Angeklagten. „Aber es gehört Ihnen nicht. Hegen Sie Groll gegen Fremde?“

Der Beschuldigte antwortet: „Eigentlich nicht.“

Allerdings räumt sein Rechtsanwalt ein, dass eine „latente Fremdenfeindlichkeit neben Alkohol eine Rolle spielt“. Das gehe schließlich auch aus der persönlichen Erklärung seines Mandanten hervor.

Der Angeklagte schlägt vor, sich bei den beiden Männern aus Afghanistan zu entschuldigen, die als Zeugen im Flur des Amtsgerichts warten. Als sie den Saal betreten, unterbreitet ihnen der Richter dieses Angebot. Ein Dolmetscher übersetzt für sie. Einer der Afghanen antwortet: „Wir können seine Entschuldigung akzeptieren. Aber was passiert, wenn er das Gleiche noch mal macht, wenn wir ihn auf der Straße treffen?“

Der Richter erwidert mit Bedauern: „Davor kann ich Sie auch nicht schützen.“

Der Beschuldigte antwortet nicht auf die Frage. Er geht hinüber zu den beiden Männern. Er reicht ihnen kurz die Hand, murmelt etwas von einer Entschuldigung, um sich dann wieder zurück auf seinen Platz neben dem Rechtsanwalt zu begeben.

Der Richter sagt zu Heiko L.: „Das sind Gäste im Land, und wenn sie sich benehmen, müssen wir das auch.“ An die beiden Männer gewandt erklärt er: „Vielen Dank und eine gute Zeit in Deutschland. Ich hoffe, es passiert nicht wieder.“

Der Prozess geht in der nächsten Woche weiter. Dann will sich das Gericht noch einmal dem Angriff auf einen Imbissbesucher widmen. Der Beschuldigte sagt dazu: „Wir haben am Automaten gespielt und uns dann gestritten. Es ging um Geld.“ Er räumt ein, nach dem Konsum mehrerer Flaschen Bier mit seinen Fäusten zugeschlagen zu haben.