| 22:11 Uhr

AfD siegt in Cottbus

Marianne Spring-Räumschüssel (AfD) mit ihrem Wahkampfteam und Anhängern v.l.n.r: Peggy Hähnel, Klaus Groß, Marianne Spring-Räumschüssel, Gerd Lösky, Kai-Uwe Spring, Ralf Hannemann
Marianne Spring-Räumschüssel (AfD) mit ihrem Wahkampfteam und Anhängern v.l.n.r: Peggy Hähnel, Klaus Groß, Marianne Spring-Räumschüssel, Gerd Lösky, Kai-Uwe Spring, Ralf Hannemann FOTO: Michael Helbig (Michael Helbig)
Cottbus. Dass die AfD bei der Bundestagswahl so gut abgeschnitten hat, ist eine Überraschung. Dass sie in Cottbus stärkste Kraft wird, ist ein Schock. bob

Wer hätte das gedacht. Die AfD ist stärkste Kraft bei den Zweitstimmen in Cottbus. 24,26 Prozent holen die Rechtspopulisten laut vorläufigem Endergebnis in der Stadt. Die CDU kommt auf 22,94 Prozent, die SPD (15,35) landet noch hinter den Linken (18,54) auf Platz vier. Die FDP holt 8,05 Prozent, die Grünen 3,84 Prozent.

Beinahe hätte es Spiztzenkandidatin Marianne Spring-Räumschüssel sogar direkt in den Bundestag geschafft. Bei den Erststimmen musste sie sich am Ende aber im Wahlkreis 64 (Cottbus/Spree-Neiße) mit rund drei Prozentpunkten Unterscheid dem CDU-Bewerber Klaus-Peter Schulze geschlagen geben. SPD-Schwergewicht Ulrich Freese landete mit 17 Prozent weit abgeschlagen auf Platz drei.

Schulze bewertet den Aufwind für die AfD auch als Ergebnis der Unzufriedenheit mit der Kreisreform in Brandenburg. Darauf müssten Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Rot-Rot reagieren.

Dass der Erfolg der Partei im Osten Deutschlands derart laut ausfiel, ist eine Sensation: Gut ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall gerät in den neuen Ländern das politische Gefüge aus der Zeit der Wiedervereinigung ins Wanken.

Jetzt liegt Schwarz auf Weiß vor, was vor der Wahl immer wieder vermutet wurde: Die AfD ist ein Sammelbecken der Unzufriedenen, die es "denen da oben - also den Politikern in Berlin - einmal zeigen wollen", wie der Leipziger Politikwissenschaftler Hendrik Träger nach der Wahl am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur sagte. Hinter den Stimmen stehe weniger eine ideologische Überzeugung, als der Wunsch, den Regierenden "die blaue Karte" vor die Nase zu setzen, sagte er mit Blick auf die Farbgebung der AfD.

Wut, Unmut, Hass - an Unkenrufen zur Stimmungslage im Osten hat es nicht gefehlt. Es habe sich dort etwas zusammengestaut, sagte noch vor wenigen Tagen Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung in einem Interview.

Viele Menschen aus der DDR hätten den tiefen Bruch 1989/90 und in den Folgejahren bis heute nicht verkraftet. Und neue Risse seien entstanden, die Erfahrung von Gemeinschaft gehe verloren. Diese Gefühle würde dann auf die Schwächeren abgewälzt, sagte Krüger der
"Berliner Zeitung."

Offenbar fühlten sich die ostdeutschen Männern besonders von der AfD angesprochen. Laut Infratest dimap machten insgesamt 26 Prozent ihr Kreuzchen bei der AfD, bei den Frauen waren es 17 Prozent. Zum Vergleich: Im Westen votierten 13 Prozent der Männer und 8 Prozent der Frauen für die AfD.