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| 12:03 Uhr

GESUNDHEIT SPEZIAL
Ärztemangel bewegt die Lausitzer

Nur mit maßgeschneiderten Konzepten lassen sich laut Meinung der Umfrage-Teilnehmer Mediziner in die ländliche Region holen.
Nur mit maßgeschneiderten Konzepten lassen sich laut Meinung der Umfrage-Teilnehmer Mediziner in die ländliche Region holen. FOTO: fotolia / Marco2811
Cottbus. Die Bürger fühlen sich in der Region medizinisch gut versorgt. Am System üben sie auch Kritik. Von Kathleen Weser und Lydia Schauff

Das Thema Gesundheit bewegt die Lausitzer – sachlich und emotional. Das zeigt die jüngste RUNDSCHAU-Leserumfrage:

Demnach halten sich die Leute zwischen Spreewald und Elbe-Elster-Land grundsätzlich fit, auch um gesund zu bleiben. Mehr als die Hälfte der Online-Umfrage-Teilnehmer treibt Sport (61 Prozent). Ein- bis zweimal pro Woche halten die Lausitzer als körperliche Ertüchtigung für absolut ausreichend. Die meisten Lausitzer laufen (22 Prozent), treten auf dem Rad in die Pedale (21) und Schwimmen (10). Allerdings halten auch satte 29 Prozent der auskunftsfreudigen Leser konsequent viel Abstand zu regelmäßiger sportlicher Aktivität.

Fleisch steht auf dem Ernährungsplan der Lausitzer weit oben. Dreimal pro Woche. Mehr als die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer isst, was ihnen schmeckt – egal ob Rind oder Schwein, Steak oder Wurst. Aber 13 Prozent der Lausitzer schauen bewusst aufs Fleisch und treffen lieber die Wahl für Pute und Hühnchen.

Die Gesundheitsvorsorge ist den Lausitzern sehr wichtig. Vom Hautkrebs-Check bis zur Darmuntersuchung – 72 Prozent aller Befragten nehmen „alle angebotenen Vorsorgeuntersuchungen wahr“. Lediglich 19 Prozent haben „noch nicht wirklich darüber nachgedacht“. Neun Prozent halten Vorsorgeuntersuchungen für Unsinn. Denn in der Zwischenzeit könnten die Krankheiten trotzdem ausbrechen.

Einer Anfrage der CDU-Fraktion im Brandenburger Landtag zu Herzinfarkt-Todesfällen im Land zufolge neigen die Bürger zu einem ungesunden Lebensstil, sie rauchen und trinken demnach zu viel und essen auch ungesund. Dies erklären 28 Prozent der Befragten mit zu schlechten Lebensbedingungen wie einer mauen Job-Lage. Etwa die Hälfte der Lausitzer versteht das gar nicht. Brandenburg habe eine so schöne Natur, die sich zu Fuß und mit dem Rad geradezu für gesunde Bewegung anbiete. Die Aufklärung zu gesunder Lebensweise im Kindesalter sei unzureichend, merken Leser an. Dicke Bäuche und Kreislaufbeschwerden seien ein allgemeines Wohlstandsproblem. Sehr günstige Lebensmittelpreise, Stress bei der Arbeit und wenig Motivation für Sport werden als Ursachen benannt. In der Region sei auch zu wenig Kaufkraft da – Obst und Gemüse würden immer teurer. Und statt gesunder Ernährung stehe der Genuss im Vordergrund.

Der Aufreger sind Wartezeiten auf Facharzt-Termine: der nicht repräsentativen Umfrage zufolge zuerst in Cottbus und folgend im Raum Senftenberg. Jeweils 30 Prozent der Teilnehmer geben an, länger als vier bis sechs Wochen warten zu müssen. Weniger als 14 Tage werden immerhin auch von 15 Prozent der Lausitzer angegeben.

Die medizinische Versorgung in der Fläche der Lausitz wird als gut bewertet. Die Entfernung zur Praxis eines Facharztes geben 35 Prozent der Lausitzer mit fünf bis zehn Kilometern an. Im Umkreis von bis zu zwanzig Kilometern um den Wohnort werden mehr als die Hälfte der Bürger fündig.

Die meisten Bürger (95 Prozent) suchen den Arzt erst auf, „wenn wirklich gar nichts mehr geht“ oder nach zwei bis drei Tagen keine Besserung der Beschwerden eintritt.

Das Problem des Ärztemangels im ländlichen Raum würden die Lausitzer am besten dadurch gelöst wissen, dass junge Mediziner nach dem Studium auch zwangsverpflichtet würden. Der Staat finanziere die teure Ausbildung. Dann müssten die Fachkräfte, zumindest zeitweise, auch dahin gehen, wo sie zuerst gebraucht würden. Geld löse das Problem ganz leicht – setzen Lausitzer auf den Anreiz. Andere Leser halten es für aussichtslos, junge Ärzte für das Land zu gewinnen. Die allgemeinen Lebensumstände seien zu wenig attraktiv. Mehr Ärzte auszubilden, sie der einfachste Weg.

Die Online-Sprechstunde des Hausarztes halten 24 Prozent der Umfrage-Teilnehmer für eine gute Idee, 37 Prozent indes „für Schwachsinn“. Als Übergangslösung, bis Lösungen für unbesetzte Medizinerstellen gefunden sind, freunden sich mit dem Modell ein Drittel der Lausitzer an. Bundesweit soll es getestet werden. Der Idee stehe aber in vielen Regionen der Mangel an stabilen Netzverbindungen entgegen.