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| 18:46 Uhr

Medizin
Nicht-EU-Ärzte sollen deutsche Abschlüsse vorweisen

Ausländische Ärzte sollen künftig einheitlich darauf geprüft werden, ob sie die nötigen Voraussetzungen zur Berufsausübung in Deutschland mitbringen. Die Gesundheitsminister der Länder werden zu diesem Zweck voraussichtlich in dieser Woche die Einrichtung einer zentralen Stelle beschließen, für die eine Arbeitsgruppe Standards erarbeiten soll.
Ausländische Ärzte sollen künftig einheitlich darauf geprüft werden, ob sie die nötigen Voraussetzungen zur Berufsausübung in Deutschland mitbringen. Die Gesundheitsminister der Länder werden zu diesem Zweck voraussichtlich in dieser Woche die Einrichtung einer zentralen Stelle beschließen, für die eine Arbeitsgruppe Standards erarbeiten soll. FOTO: Patrick Pleul / picture alliance / dpa
Cottbus. Cottbuser CTK-Geschäftsführer hält Vorstoß der Brandenburger Ärztekammer für überzogen und setzt auf bewährte Prüfungen. Von Christian Taubert

Ausländische Ärzte an Lausitzer Kliniken – das gehört beinahe zur Normalität. Sie schließen heute oft eine Lücke, die zumindest außerhalb der großen Metropolen schon lange nicht mehr durch deutsche Mediziner ausgefüllt werden kann. Den Fachkräftemangel auch in der Medizin mit Ärzten zu kompensieren, die aus Drittstaaten nach Deutschland kommen, sollte vor diesem Hintergrund als gute Nachricht gelten.

Doch Brandenburgs Landesärztekammer ist gerade mit einer Forderung in die Öffentlichkeit getreten, die in Politik und Medizinbereich aufhorchen lässt. In einer Mitteilung heißt es, dass ausländische Ärzte aus Nicht-EU-Staaten zukünftig das zweite und dritte deutsche Staatsexamen nachweisen sollten, um in Deutschland eine Approbation zu erhalten. „Es muss in erster Linie immer um das Wohl des Patienten gehen, der ein Recht auf die bestmögliche Behandlung und auf einheitliche Qualitätsstandards hat“, erklärt Kammer-Vizepräsident Dr. Hanjo Pohle.

Pressesprecherin Anja Zimmermann sagt gegenüber der RUNDSCHAU, dass der jetzt geforderte Nachweis sicherstellen soll, „dass alle Patienten auf demselben hohen medizinischen Niveau behandelt werden können“. Nach Auffassung der Ärztekammer „kann dies nur sichergestellt werden, wenn identische, nach deutschem Recht geltende Abschlüsse nachgewiesen werden“.

Aus Sicht des Ärztlichen Direktors des Carl-Thiem-Klinikums (CTK) Cottbus, Dr. Götz Brodermann, „ist diese Forderung überzogen. Sie würde den massiven Ärztemangel nur noch verstärken.“ Um die medizinische Versorgung nachhaltig zu sichern, so der Geschäftsführer des größten Krankenhauses Brandenburgs, müssten mehr Medizinstudienplätze in Deutschland geschaffen werden. Die neue Regelung würde es Ärzten aus Nicht-EU-Ländern praktisch unmöglich machen, in Deutschland Fuß zu fassen. Brodermann verweist darauf, dass sich beim zweiten Staatsexamen selbst einige Muttersprachler schwertun würden, die Fragen zu verstehen. „Da kommt es oft auf sprachliche Feinheiten an“, kennzeichnet er den zweiten schriftlichen Abschnitt der ärztlichen Prüfung.

Der CTK-Geschäftsführer hält den Kammer-Argumenten entgegen, dass die medizinische Ausbildung in Nicht-EU-Ländern – je nach Land – teilweise mit unserer Medizinerausbildung vergleichbar sei. „In der Türkei entspricht der medizinische Standard durchaus dem in Deutschland“, betont Brodermann und verweist darauf, dass bestehende Defizite im Rahmen der Kenntnisprüfungen vor Erteilung der Approbation ohnehin überprüft würden.

Daran hat die Landesärztekammer offenbar Zweifel. „Die Kenntnisprüfungen, wie sie derzeit praktiziert werden, sind nicht immer ausreichend“, sagt die Pressechefin. In der Vergangenheit sei immer wieder festgestellt worden, dass unterschiedliche Anforderungen in den Bundesländern gestellt wurden. „Hier muss eine Vereinheitlichung stattfinden“, erklärt Anja Zimmermann. Die Landesärztekammer habe die Pflicht, alles Mögliche dafür zu tun, dass höchste Qualitätsanforderungen gewährleistet werden.

Die Geschäftsführerin des Krankenhauses Spremberg, Kathrin Möbius, reagiert auf den Plan der Ärztevertreter eher gelassen: „Bei uns haben alle ausländischen Ärzte eine Approbation.“ Der Vorschlag betreffe sie ohnehin nicht, weil sie zum Teil bereits seit 20 oder 25 Jahren bei uns arbeiten und somit als einheimische Ärzte betrachtet werden.“

Im sächsischen Weißwasser werden von einer neuen gesetzlichen Regelung keine erkennbaren Auswirkungen erwartet. Dr. Jana-Cordelia Petzold von der Abteilung Geschäftsführung des Krankenhauses erklärt: „Wir haben in unserer Personalpolitik schon sehr zeitig sowohl auf deutsche approbierte Ärzte als auch internationale Experten in der Medizin zurückgegriffen.“

Für das Potsdamer Gesundheitsministerium müssen Wege gefunden werden, den Zugang ausländischer Ärzte zur Ausübung der ärztlichen Tätigkeit in Deutschland zu ermöglichen. Die Kammer-Forderung, die auf einen Beschluss des Deutschen Ärztetages von Mai 2017 zurückgehe, stelle allerdings eine Maximalposition dar. Laut Vize-Pressesprecher Gabriel Hesse sei sie „mit rechtlichen und tatsächlichen Unwägbarkeiten verbunden“. Die Landesärztekammer Brandenburg mahnt deshalb eine bundeseinheitliche Regelung an. Sie richtet sich mit einem Appell an die Politik, die Zulassungsbedingungen des zweiten und dritten  Staatsexamens deutschlandweit durchzusetzen.

Für Gegner der Maximalposition hat sich die derzeitige Praxis bewährt. Danach bekommen Ärzte aus Nicht-EU-Ländern oft erst eine Berufserlaubnis, mit der sie unter Aufsicht arbeiten dürften. Sie lernen dabei Arbeitsstrukturen besser kennen, erlangen Wissen, das ihnen später bei der Kenntnisprüfung helfen kann. Außerdem könnten sie die Fachsprache optimieren. All das würde wegfallen, wenn erst ein Staatsexamen abgelegt werden müsste.

Während Nicht-EU-Bürger einige Hindernisse überwinden müssen, bis sie in Deutschland als Arzt starten können, sieht das bei EU-Bürgern anders aus: Weil Arbeitnehmer innerhalb der EU ihren Arbeitsplatz frei wählen können, erfolgt bei ihnen die Anerkennung des Medizinstudiums quasi automatisch.