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Cottbus
Sanierung statt Neuanschlüsse

Cottbus. In der Stadt Cottbus müssen in den nächsten 15 Jahren 134 Kilometer Abwasserkanäle erneuert werden. Für dörfliche Stadtteile hat das Konsequenzen. Von Peggy Kompalla

Nach Jahren, in denen Neuanschlüsse an das Abwassernetz im Fokus standen, konzentriert sich die LWG Lausitzer Wasser GmbH nun auf die Sanierung. Das geht aus dem Abwasserkonzept für die Jahre 2018 bis 2022 hervor. Demnach werden geplante Anschlüsse in Gallinchen, Dissenchen, Schlichow, Döbbrick und Ströbitz zurückgestellt. 2021 soll erneut über die Projekte befunden werden. Die Konzentration auf die Erneuerung des Kanalnetzes sei eine direkte Konsequenz aus der Umstellung der Finanzierung nach dem Altanschließer-Streit. Diese hatte zur Folge, dass in den Jahren 2016 und 2017 sämtliche Investitionen auf Eis gelegt wurden. Die Arbeit ist also liegengeblieben. Der LWG zufolge müssen nun in den kommenden 15 Jahren insgesamt 134 Kanalkilometer dringend saniert werden. Um das gesamte Netz inklusive Kläranlage und Pumpwerken auf Vordermann zu bringen, seien 76,6 Millionen Euro nötig. Bis Ende 2022 sind es demnach 30,2 Millionen Euro.

Die Erneuerung sei insbesondere in der erweiterten Innenstadt und den Kernsiedlungen notwendig. Darauf weist Dr. Sonja Hülsen von der LWG den Umweltausschuss hin. „Einige Kanalleitungen stammen noch aus dem Jahr 1900“, sagt sie. „Wir haben einen dringenden Sanierungsbedarf.“ Demnach handelt es sich um die Innenstadt, die Spremberger Vorstadt, Sandow, Ströbitz, Madlow und Schmellwitz. „Neuanschlüsse wird es bis 2022 nicht geben“, betont Sonja Hülsen. Dieser Entscheidung seien Wirtschaftlichkeitsrechnungen zugrunde gelegt worden.

Als Grenze wurden Neuanschluss-Gesamtkosten in Höhe von 3800 Euro je Einwohner festgelegt. Sämtliche noch ausstehende Anschluss-Projekte in den Wohnquartieren liegen der LWG zufolge teils deutlich über diesem Grenzwert. Dazu zählen in Dissenchen die östliche Dissenchener Hauptstraße, die Waldstraße und die Haasower Straße. Dort würde ein Neuanschluss der LWG zufolge 4500 Euro je Einwohner kosten. Für die Erschließung von Schlichow rechnet der Versorger mit Kosten von 5486 Euro je Einwohner. In Döbbrick würden für die Erschließung der Straße Döbbrick Süd 3983 Euro je Einwohner anfallen. In Ströbitz für die Fichtestraße, den Sand- und den Quellgrund, die Zahsower Straße und den Zahsower Weg 4176 Euro je Einwohner. In Gallinchen sei für die Grenzstraße die Eigentumsfrage noch nicht geklärt. Deshalb werde dieses Projekt zurückgestellt. „Die Straße liegt im Trinkwasserschutzgebiet. Es ist wünschenswert, dass sie angeschlossen wir“, so Sonja Hülsen.

Umweltdezernent Thomas Bergner (CDU) betont in dem Zusammenhang, dass die Stadt Cottbus für die Besitzer abflussloser Sammelgruben durch die Umstellung der Finanzierung eine solidarische Lösung gefunden hat. „Dafür hat die Arbeitsgruppe Abwasser gekämpft. Damit ist auch etwas für Ströbitzer erreicht worden, die bislang noch nicht angeschlossen sind.“ Sammelgruben-Besitzer zahlen denselben Abwasserpreis pro Kubikmeter wie angeschlossene Haushalte. Früher war er mehr als doppelt so hoch.

Eine langfristige Prognose über die Entgeltentwicklung könne die LWG aufgrund zahlreicher Einflussfaktoren nicht abgeben. Allerdings rechnet der Versorger nach eigenen Schätzungen, dass sich durch die Investitionen in den nächsten fünf Jahren die Entgelte von derzeit 3,61 Euro auf 3,97 Euro je Kubikmeter entwickeln werden. „Dem ist ein stabiler Grundpreis zugrunde gelegt“, erläutert Sonja Hülsen. Sie warnt allerdings: „Wenn wir weniger für die Kanalsanierung machen, wird es letztendlich teurer.“

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