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| 16:41 Uhr

Konservatorium Cottbus
„Für mich ist es eine große Nummer“

 Janik Oelsch und seine Gesangslehrerin Nadja Merzyn vor dem Konservatorium Cottbus.
Janik Oelsch und seine Gesangslehrerin Nadja Merzyn vor dem Konservatorium Cottbus. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Absolvent des Cottbuser Konservatoriums gehört zur europäischen Spitze bei Jugend-Musicalsängern und beginnt als einer von acht Ausgewählten ein Musical-Studium in Wien. Von Nils Ohl

Ich bin überzeugte Opernsängerin und wollte Janik eigentlich immer überzeugen, zur Oper zu gehen“, meint Nadja Merzyn. Sie ist Gesangslehrerin am Cottbuser Konservatorium, und ihr Schüler Janik Oelsch hat etwas ganz Besonderes geschafft: Er wird Musicalsänger – oder genauer „Musikalisches Unterhaltungstheater Bachelor of Arts“ an der Musik- und Kunst-Privatuniversität der Stadt Wien studieren. Von 160 Bewerbern haben acht die entsprechende Aufnahmeprüfung geschafft.

Aber warum Musical und nicht doch klassische Oper?

„Das Musical ist meine große Leidenschaft. Dazu gehört Tanzen, Singen und Schauspielern. Das Paket hat mich mehr interessiert als reiner Gesang“, erklärt Janik Oelsch. Zudem seien die Songs anders gestrickt – auch mal mit Pop-Musik oder einer Big Band als Begleitung, während bei der Oper meist allein das Symphonieorchester spielt.

Langer Weg bis zum Erfolg

Doch bis zur erfolgreichen Aufnahmeprüfung in Wien hat Janik Oelsch einen langen Weg zurückgelegt. Noch im Vorschulalter fing er am Konservatorium mit Klavierunterricht an, mit zehn Jahren folgte der erste Gesangsunterricht.

„Eigentlich habe ich meine gesamte Freizeit hier am Konservatorium verbracht“, erinnert er sich. Als Kind habe er zwar auch geturnt, aber sich dann konsequent für die musikalische Richtung entschieden – und schon sehr früh seine Leidenschaft fürs Musical entdeckt. Mit acht Jahren, als er das Turnen aufgab, ging er auf Anraten seiner Mutter zum Kindermusical.

Erste große Rolle als „Kater Sigismund“

„Am Anfang waren es natürlich noch nicht so viele Auftritte, sondern Probezeiten mit Tanztraining und Chor“, sagt Janik Oelsch. Aber je älter er wurde, desto mehr Bühnenauftritte folgten. Ein kleiner Vorteil sei gewesen, dass er als Junge relativ gute Möglichkeiten hatte, eine Rolle zu erhalten, weil beim Kindermusical deutlich mehr Mädchen mitmachen.

Im Jahr 2014 bekam Janik Oelsch dann seine erste große Rolle als Kater Sigismund in dem Stück „Katzen tanzen nicht mit Wölfen“. Es folgte alle zwei Jahre ein neues Stück, bis er in der Saison 2018/19 im Musical „Paradoxa und die zerbrochene Zeit“ als Hauptdarsteller den Professor Timeless spielte.

Sieger beim Jugend Musical Festival

Mit diesem Stück trat das Cottbuser Kindermusical im vergangenen Herbst beim europäischen Jugend-Musical-Festival in Herxheim auf – und Janik Oelsch gewann für seine Rolle als Professor Timeless den Preis als bester Sänger. Man kann daher mit Fug und Recht sagen, dass er derzeit der beste europäische Sänger im Bereich Jugendmusical ist.

„Das Festival ging eine halbe Woche. Jeden Tag gab es Musicals. Dann zum Abschluss die Auszeichnung. Das war eine ganz krasse Atmosphäre“, denkt Janik Oelsch zurück.

Für ihn war nach seinem Abitur im vergangenen Jahr klar, dass in seinem Leben die Musik auch beruflich im Mittelpunkt stehen sollte. Wobei er über den besten Weg dazu noch schwankte und sich zunächst für ein Studium der Musik auf Lehramt entschied. Um sich da ganz sicher zu werden, legte er jedoch ein Freiwilliges Soziales Jahr am Cottbuser Pückler-Gymnasium ein. Dort engagierte er sich beispielsweise für einen Chor. „Ich bin sehr froh, dass ich das FSJ gemacht habe, denn ich habe dadurch gemerkt, dass das Lehramts-Studium doch nichts für mich wäre.“

Bewerbung in Wien

Deshalb hat sich Janik Oelsch in Wien beworben. „Wien ist eine Hochburg für das Musical. In Deutschland gibt es zudem wenig Standorte, wo man Musical studieren kann, ohne hohe Studiengebühren zu bezahlen. Also habe ich mich online beworben, ein Zugticket gekauft und bin hingefahren“, berichtet er.

Allerdings habe er die Bewerbung  zunächst für komplett utopisch gehalten und es einfach probieren wollen, um Erfahrungen zu sammeln.

„Ich war Nummer 102“, weiß Janik Oelsch noch ganz genau. Die Aufnahmejury verlangte den Bewerbern ein breites Repertoire ab. So mussten sie je drei Musical-Songs mit verschiedenem Charakter wie langsam oder schnell vorsingen, zwei verschiedene Monologe – klassisch und zeitgenössisch – aufführen sowie in zwei Minuten eine Selbstpräsentation improvisieren. „Das ging alles spontan. Es gab keine Möglichkeit, sich vorzubereiten“, so Janik Oelsch. Die Aufnahmeprüfung dauerte insgesamt vier Tage.

80 Prozent gehen auf die Bühne

Über konkrete Karriereschritte nach dem Studium denkt Janik Oelsch noch nicht nach: „Für mich ist es schon eine große Nummer, dass ich jetzt nach Wien gehe.“ Das Studium sei jedoch so angelegt, dass er damit direkt in der Branche anfangen könnte. Und von den Wiener Absolventen würden 80 Prozent auch tatsächlich auf die Bühne gehen – eine sehr hohe Quote.

Nadja Merzyn weist noch einmal auf den Unterschied zwischen Opern- und Musicalsängern hin: „Oper ist immer ohne Mikrofon, Musical ist mit Mikrofon.“ Wegen der unterschiedlichen Anforderungen suchten viele Theater gezielt Musicalsänger. Der Bedarf reiche von kleinen Bühnen bis hin zu den großen Musicalproduktionen wie „König der Löwen“.

Der Heimatstadt Cottbus verbunden

Auch wenn er jetzt nach Wien geht, seiner Heimatstadt Cottbus will Janik Oelsch verbunden bleiben: „Musicaldarsteller kann man nicht für immer sein. Vielleicht komme ich als Musiktherapeut zurück oder engagiere mich beim Kindermusical. Es ist meine Stadt. Ohne die Bedingungen hier in Cottbus mit dem Konservatorium, seinen Lehrern und dem Kindermusical hätte ich das alles nicht geschafft. Darüber bin ich glücklich.“