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| 13:34 Uhr

Cottbus
„Mich ärgert nur eins: Dass ich aufhören muss“

Brandamtmann Jürgen Arndt geht nach 39 Dienstjahren bei der Cottbuser Berufsfeuerwehr in den Ruhestand.
Brandamtmann Jürgen Arndt geht nach 39 Dienstjahren bei der Cottbuser Berufsfeuerwehr in den Ruhestand. FOTO: Feuerwehr Cottbus
Jürgen Arndt ist einer der dienstältesten Berufsfeuerwehrmänner in Cottbus. Nach 39 Berufsjahren geht er in den Ruhestand.

Brandamtmann Jürgen Arndt hat am 29. März seinen letzten Arbeitstag bei der Berufsfeuerwehr Cottbus. Er kommt auf 39 Dienstjahre. Zuletzt war er Teamleiter Freiwillige Feuerwehren und damit das Bindeglied zwischen den hauptamtlichen und ehrenamtlichen Feuerwehrleuten der Stadt. Freitag wird „die gute Seele der Truppe“, wie ihn Feuerwehrchef Jörg Specht bezeichnet, offiziell verabschiedet. Die RUNDSCHAU sprach mit ihm.

Seit wann sind Sie Feuerwehrmann?

Seit dem 15. Mai 1979. Damals habe ich beim Kommando Feuerwehr Cottbus angefangen.

Das war der Vorläufer der Berufsfeuerwehr?

Genau.

Aber Ihr Feuerwehrherz ist doch garantiert viel früher entflammt.

Ja, bei der Freiwilligen Feuerwehr Herzberg.

Wie alt waren Sie da?

13 Jahre.

Was war Ihr erster Einsatz bei der Berufsfeuerwehr?

Das war ein Dachstuhlbrand durch einen Blitzeinschlag in der Nähe des Flughafens.

Und Ihr erster mit der Freiwilligen Feuerwehr?

Das war im August 1969 bei einem Brand im Armaturenwerk Herzberg.

Und Ihr größter Einsatz?

Der Waldbrand bei Guben im Jahr 1994. Da sind wir aus Cottbus mit hinbeordert worden. Das Einsatz lief über mehrere Tage. Das waren im Grunde 24-Stunden-Dienste: Löschen, Ablösen, Schlafen, Löschen.

Und Ihr denkwürdigster Einsatz?

Das muss 1998/99 gewesen sein. Da bekamen wir einen Anruf aus Dissenchen von Wilfried Kneschk, der damals der Ortswehrführer war. Vor der Bäckerei Lenk saß eine Katze auf dem Strommast und kam nicht mehr runter. Da sollten wir von der Berufsfeuerwehr mit einer Drehleiter helfen. Wir sind auch hingefahren, aber wir haben die Katze nicht runterbekommen, weil sie so giftig war. Kein Kollege traute sich an die Katze ran. Letztendlich kam sie von allein runter. Wir hatten ihr unten Futter hingestellt. Wir waren einen halben Nachmittag mit dem Einsatz beschäftigt.

Gab es noch andere Einsätze mit Tieren, die Ihnen in Erinnerung sind?

2002/03 sind wir mehrmals nach Kiekebusch gefahren, weil dort Schafe und Ponys auf Wanderschaft gegangen sind. Die haben immer wieder einen Loch im Zaun gefunden und spazierten auf der Madlower Chaussee umher und hielten den Verkehr auf.

Und was war das Bewegendste in Ihrem Berufsleben?

Das war die Trauerfeier für Bernd Brodowski mit dem Umzug vom Feuerwehrgerätehaus zur Kirche und die Trauerrede.

Feuerwehrchef Bernd Brodowski starb im Jahr 2014. Er war eine wichtige Person für die Feuerwehr.

Auf jeden Fall. Er hat maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der Feuerwehr in Cottbus nach der Wende. Er hat sich immer für alle Kollegen und ihre Arbeitsplätze eingesetzt.

Was ist das Schwierigste am Feuerwehrjob?

In Konfliktsituationen einen Kompromiss zu finden. Jeder Einsatz ist anders und kann auch immer Unmut erzeugen. Das fängt bei einfachen Dingen an, wie einer Ölspur. Ein Klecks auf einem Parkplatz ist nicht das Problem. Aber wenn sich die Spur über eine längere Strecke zieht, hat die Beseitigung auch Auswirkungen auf den Verkehr. Das versteht nicht jeder.

Was wollen Sie als Feuerwehrmann nicht mehr erleben?

Wenn wir Menschen nicht retten können und sie sterben.

Das haben Sie erlebt?

Ja. Das sind die schlimmsten Einsätze.

Was werden Sie nicht vermissen an Ihrem Job als Berufsfeuerwehrmann?

Mich ärgert nur eins: dass ich aufhören muss.

Was werden Sie vermissen?

Die Kollegen. Ach, einfach alles. Meine Dienstjahre waren eine spannende Zeit. Es gab viele Umbrüche. Wie auch jetzt wieder mit dem Bau der neuen Stützpunktfeuerwehr Süd. Da hätte ich gern weitergemacht.

Sie werden zwar in den Ruhestand verabschiedet. Aber Sie hören doch nicht auf, Feuerwehrmann zu sein.

Ich bin Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Sandow. Außerdem gehöre ich zur Fachgruppe Logistik, bin Kraftfahrer für Spezialfahreuge.

Sie werden also weiter Einsätze fahren.

Natürlich.

Was ist mit Ihrem Trainerjob? Sie haben die traditionellen Feuerwehrwettkämpfe in Cottbus aufgebaut.

Ich bin weiter Trainer von zwei Mannschaften.

Haben Sie ein Ziel mit Ihren Sportlern?

Das Größte wäre natürlich die Qualifikation zu einer Feuerwehr-Olympiade. Wir waren schon zweimal knapp dran. Hoffentlich klappt es beim dritten Anlauf.

Wann ist die nächste Gelegenheit dazu?

Bei den Deutschen Feuerwehrmeisterschaften 2020.

Wofür haben Sie künftig mehr Zeit?

Meine Töchter haben alle Kinder. Ich habe einige Opa-Pflichten zu erfüllen.

Mit Jürgen Arndt
sprach Peggy Kompalla.

Jürgen Arndt im Jahr 1996 bei einem Wettkampf mit dem Feuerwehrnachwuchs in Herzberg. Sein Feuerwehrherz entflammte mit 13 Jahren, als er  bei der Freiwilligen Feuerwehr Herzberg anfing.
Jürgen Arndt im Jahr 1996 bei einem Wettkampf mit dem Feuerwehrnachwuchs in Herzberg. Sein Feuerwehrherz entflammte mit 13 Jahren, als er bei der Freiwilligen Feuerwehr Herzberg anfing. FOTO: Feuerwehr Cottbus