| 02:33 Uhr

Abriss als großes Handicap

Stadtteilrundgang in Schmellwitz. Bürgervereinschef Michael Tietz (3.v.l.) mahnt eine bessere Pflege der Grünflächen an.
Stadtteilrundgang in Schmellwitz. Bürgervereinschef Michael Tietz (3.v.l.) mahnt eine bessere Pflege der Grünflächen an. FOTO: Hering
Cottbus. An manchen Ecken ist der Stadtteil nicht mehr wiederzuerkennen. An anderen scheint die Zeit stillzustehen. Schmellwitz war am Freitag das Ziel für den traditionellen Rundgang der Cottbuser Rathausspitze. Sven Hering

Ein wenig trostlos wirkt er schon. Mindestens zwei Nummern zu groß. Der Muckeplatz, einst als der Treffpunkt konzipiert, symbolisiert das Schmellwitzer Problem. Der Stadtteil, dem die Bürger in den vergangenen Jahren in Scharen den Rücken gekehrt haben, sucht seine neue Identität.

Zumindest der Einwohnerschwund ist dort erst einmal gestoppt. 14 000 Menschen leben im Norden der Stadt Cottbus. "Wir haben wieder einen positiven Trend", sagt Michael Tietz, Vorsitzender des Bürgervereins. 133 Einwohner beträgt das Plus nach der letzten Statistik. "Das macht uns ein bisschen Hoffnung." Verantwortlich dafür sind die Flüchtlinge. "Neu-Cottbuser", nennt sie Stadtteilmanagerin Karin Kühl. Michael Tietz lobt die neuen Nachbarn, aber auch die Asylpolitik der Stadt. Cottbus sei in dieser Frage vorbildlich. "Wer deswegen schimpft, das ist Meckern auf hohem Niveau."

Zurück zum Muckeplatz. Der müsste eigentlich umgestaltet werden. Irgendwie kleiner müsste alles sein, irgendwie schmucker. Doch dafür gibt es kein Geld. Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) will wenigstens dafür sorgen, dass das Areal gepflegter aussieht. Am Muckeplatz soll im kommenden Jahr der gemeinsame Frühjahrsputz konzentriert werden. Kelch selbst will dort mit Hand anlegen. "Dann gehe ich mal nicht in die Puschkinpromenade", sagt er. Das Versprechen ist notiert.

Hand anlegen. Das wünschen sich die Schmellwitzer auch anderswo im Stadtteil. Tietz führt die Runde zu einem kombinierten Geh- und Radweg. Das Unkraut sprießt am Rand. An einer anderen Stelle hat sich das Pflaster abgesenkt. "Wir müssen die wenigen Mittel, die wir haben, sinnvoll einsetzen", fordert er. "Es muss für den Bürger sichtbar sein, dass man sich um den Stadtteil kümmert."

Sichtbar ist an der Zuschka vor allem eines: der Leerstand. Wo einst Arztpraxen untergebracht waren, kleben jetzt nur noch Zettel an den Fensterscheiben. Die Mieten seien zu hoch gewesen, so der Bürgervereinschef. Ein Arzt nach dem anderen sei deshalb aus dem Stadtteil weggezogen.

Ein paar Läden haben Schmellwitz hingegen die Treue gehalten. Wie geht es weiter? "Die Leute haben Angst, dass jetzt auch die Läden weggehen", so Tietz. Und eigentlich bräuchte der Stadtteil ein paar neue Geschäfte. Michael Tietz: "Doch da fehlen mir auch die Ideen." Der Stadtteil werde für private Investoren erst dann wieder interessant, wenn es ein deutliches Wachstum gibt, sagt Oberbürgermeister Holger Kelch. Das könnte dann geschehen, wenn auf den vielen Brachflächen neue Häuser gebaut werden. Doch das sei auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Wo Wohnblöcke mit Fördergeld abgerissen wurden, dürfen über Jahre keine neuen Häuser errichtet werden.

Schmellwitz blute jetzt für die verfehlte Stadtumbaupolitik der vergangenen Jahre, so der CDU-Stadtverordnete Hagen Strese. Sachsendorf hätte zurückgebaut und als Industriestandort mit Autobahnanschluss entwickelt werden müssen. Das hätte Schmellwitz gestärkt. Doch an den Stolpe-Wahlkreis, so Strese, habe man sich damals nicht rangetraut.