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| 02:34 Uhr

Abriss als Cottbuser Erfolgsgeschichte

Cottbus. In der Stadt Cottbus standen zum Jahresende 2011 genau 1682 Wohnungen leer. Vor neun Jahren, also Ende 2002, gab es noch 7735 Wohnungen ohne Mieter. Die Leerstandsquote ist damit innerhalb von knapp zehn Jahren von 20 auf gut fünf Prozent zurückgegangen. Mit dieser Entwicklung ist die Stadt im Landesmaßstab beispielgebend. Sven Hering

Nach zehn Jahren gibt es eine positive Bilanz: Das im Jahr 2002 gestartete Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Ost" sei eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Das sagt Maren Kern, Vorstand des Verbandes Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen (BBU). Kaum ein anderes Städtebauförderungsprogramm habe seine Ziele so gut erreicht.

Die Stadt Cottbus gilt dafür als besonders gutes Beispiel. Seit dem Start des Stadtumbauprogramms konnte der Leerstand um 14,5 Prozent reduziert werden. Diesen Wert erreicht sonst keine andere kreisfreie Stadt und kaum ein Landkreis. Rund 8900 Wohnungen sind mithilfe des Stadtumbauprogramms in der Stadt vom Markt genommen worden. Zum Vergleich: Frankfurt/Oder hat in dieser Zeitspanne 8200 Wohnungen abgerissen, Brandenburg an der Havel 2700. Das boomende Potsdam taugt in dieser Frage nicht zum Vergleich. Dort lag vor knapp zehn Jahren die Leerstandsquote schon bei 5,5 Prozent, derzeit sind nur noch knapp zwei Prozent der Wohnungen nicht belegt.

Die Entlastung bei den Altschulden habe dieses Ergebnis erst möglich gemacht, sagt Arved Hartlich von der Genossenschaft eG Wohnen. Denn mit Altschulden belastete Wohnungen können ohne Altschuldenhilfe in der Regel nicht abgerissen werden: Diese Wohnungen sind bei den Banken als Sicherheiten für eben diese Altschulden eingetragen. Allerdings können laut BBU seit dem Jahr 2003 keine Anträge mehr gestellt werden. Seit 2010 seien die Mittel beinahe erschöpft. Der BBU sieht das Erfolgsmodell in Gefahr, weil sich der Bund einer Anschlussregelung verweigere.

Dabei werden sich auch die Cottbuser Großvermieter weiter von Wohnungen trennen müssen. Mit dem prognostizierten Rückgang der Einwohnerzahlen rechnet Arved Hartlich künftig wieder mit mehr Leerstand. "Darauf müssen wir reagieren", sagt der eG Wohnen-Chef. Parallel dazu müsse weiter am Bestand gearbeitet werden. Vor allem die Stadtmitte sei stark nachgefragt. "Die Leute schätzen das urbane Leben mit den kurzen Wegen", so Hartlich. Neu-Schmellwitz oder Sachsendorf hätten in diesem Konkurrenzkampf schlechtere Karten. Auch über Neubau müsse man sich Gedanken machen. "Es gibt einen Bedarf an qualitativ hochwertigem Wohnraum", so der Chef der Genossenschaft.

Die Gebäudewirtschaft Cottbus (GWC) hat laut Sprecher Tom Schönherr zwischen den Jahren 2000 und 2010 rund 4000 Wohnungen abgerissen. "Für nächstes Jahr ist der Rückbau der Schopenhauer Straße 7 vorgesehen. Das sind an diesem Standort nahe der Autobahn 44 Wohnungen." Damit falle das letzte der dort einstmals errichteten elfgeschossigen Hochhäuser.

Daneben berücksichtige der Großvermieter die zunehmenden Wünsche nach altersgerechten Wohnungen mit Aufzug, so der GWC-Sprecher. Aktuelle Beispiele seien der Einbau von Aufzügen in sechsgeschossigen Würfelhäusern in Sandow in der Fährgasse und in Sachsendorf in der Saarbrücker Straße.

Zwei- und Dreiraumwohnungen seien derzeit in der Stadt Cottbus besonders gefragt. Um diese Wohnungsgrößen weiterhin anbieten zu können, werden laut Schönherr einstmals im industriellen Wohnungsbau errichtete große Wohnungen, die am Markt "schlecht gehen", umgebaut. In Sachsendorf geschehe das derzeit beispielsweise in der Poznaner Straße, wo aus einem 120 Quadratmeter großen Fünfraumdomizil zwei Zweizimmer-Wohnungen werden.