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| 19:14 Uhr

Wie weiter nach dem Abitur?
Was Schüler wollen: Abwechslung, Spannung, Chancen

Projekttag Berufs- und Studienorientierung am Humboldt-Gymnasium in Cottbus.
Projekttag Berufs- und Studienorientierung am Humboldt-Gymnasium in Cottbus. FOTO: LR / LR Beate Möschl
Cottbus. Endspurt bei Lehrstellenvermittlung oder den Studienplatz schon in der Tasche — so geht es derzeit für viele Schulabgänger in Richtung Sommerferien. Wenn es dann ernst wird, entscheidet sich mancher wieder um. Die RUNDSCHAU fragte nach am Humboldt-Gymnasium in Cottbus, was Schüler bei der Berufswahl bewegt und wonach sie suchen. Von Beate Möschl

Lena Fister, Frank Atdula, Nicolas Wagner und Nico Fahrentz haben am Humboldt-Gymnasium, im Seminarkurs Berufs- und Studienorientierung bei Margitta Bischoff umfangreiche Hilfe erfahren.

Ein ganzes Bündel von Angeboten zur Berufs- und Studienorientierung bietet die weiterführende Schule an, systematisch geordnet, alle Klassenstufen ab Klasse 8 ansprechend und aufeinander aufbauend. Und, sie ist das einzige Gymnasium in Cottbus mit einem Leistungskurs Wirtschaftswissenschaften.

„Man lernt sich selber besser kennen und findet etwas über seine Stärken und Schwächen heraus, sodass man Berufe ausschließen kann“, schildert Nicolas Wagner die Vorzüge. Das sei schon echt wichtig, fügt er an und sagt: „Eigentlich muss man ja rechtzeitig wissen, was man will, und sich schon mal für die Ausbildung bewerben. Dann läuft es in der 12. Klasse nicht so stressig ab, und man geht entspannt in die Sommerferien.“ Er sieht seine Stärken im Organisatorischen, plant gern und hält das Team dadurch immer am Ball. Das Talent möchte er gern auch im Beruf einsetzen, Büro-Management könne er sich zum Beispiel vorstellen. Ein Studium steht nicht auf der Agenda des Gymnasiasten, aber eine Lehrausbildung. Bei der Lufthansa oder bei der Deutschen Bahn.

„Deutsche Bahn? Da habe ich mich auch beworben. Die Antwort, eine Zusage, kam spät, nach drei Monaten“, sagt Nico Fahrentz. Er hat inzwischen die Zusage von Cottbusverkehr in der Tasche. Sein Wunschtraum geht in Erfüllung. „Ich war mal Schülerlotse an der Christoph-Columbus-Grundschule und habe dadurch auch eine Straßenbahnfahrerin und den Teamleiter kennengelernt, das hat mir gefallen, Busse und Straßenbahnen haben mich von klein auf fasziniert“, sagt der 17-Jährige. Den Seminarkurs Berufs- und Studienorientierung habe er ehrlich gesagt vor allem deswegen belegt, „weil man da Noten verdienen kann“, aber auch wegen der Kontakte zum Arbeitsamt und den Möglichkeiten, kennenzulernen und zu üben, was in der Bewerbungsphase auf einen zukommt. Zum Beispiel , was die Einladung ins Assessment-Center bedeutet – einer gängigen Methode zur Einschätzung der Persönlichkeit durch Lösung von typischen, simulierten Arbeitsaufgaben allein oder im Team oder anderen Übungen und Leistungstest und deren Bewertung durch geschulte Beobachter ( Assessoren).

„Die Schule bietet schon sehr viel gute Sachen an und hilft bei der Orientierung“, so sieht es auch Frank Atdula. Er hat seine Berufsperspektive schon klar abgesteckt. „Ich werde auf jeden Fall in einen handwerklichen Beruf gehen. Das liegt mir, zu Hause habe ich auch schon viel handwerklich gemacht, da ich auf dem Dorf wohne“, sagt der Merzdorfer. Sein Betriebspraktikum hat er bei einem Tischler gemacht. „Das war gut, um nochmal zu sehen, ob es handwerklich die richtige Entscheidung ist.“ Eine Woche sei allerdings viel zu kurz, um wirklich in den Beruf reinzuriechen, gibt der Schüler zu bedenken, und steht damit nicht allein.

„Eine Woche bringt nichts, drei Wochen wären besser. Vielleicht könnte man das Praktikum in der 9. Klasse weglassen und dafür in der 11. Verlängern“, macht Nicolas Wagner gleich einen Vorschlag. „Drei Wochen eröffnen viel mehr Chancen, sich zu testen und mehr zu erfahren“, ist auch Lena Fister überzeugt. Sie hat sich noch nicht endgültig entschieden, welchen Weg, sie einmal gehen wird. Sie könnte sich sowohl eine Augenoptiker-Ausbildung vorstellen als auch eine Schauspiel-Karriere, weil sie viele Jahre am Piccolo-Theater war. „Mit dem Abitur in der Tasche stehen uns alle Möglichkeiten offen“, sagt die Gymnasiastin. Für das Abitur habe sie sich entschieden, um bessere Chancen in der Ausbildung zu haben, sagt sie auf Nachfrage und sieht sich damit im Kreis Gleichgesinnter. „Der Abschluss 10. Klasse scheint nicht sehr viel wert zu sein, die Chance auf höherwertige Berufe mit guten Karrierechancen ist mit Abitur einfach höher“, ist Nicolas Wagner überzeugt. „Das haben mir meine Eltern auch immer gesagt“, bestätigt Lena Fister.

Und was ist ausschlaggebend für die Berufswahl? Geld oder Perspektive? Abwechslungsreich und spannend soll es sein, sagt Nicolas Wagner, fordernd eben, und eine Perspektive bieten, eine verantwortungsvolle Führungsaufgabe zum Beispiel.. „Für mich muss die Arbeit vor allem Spaß machen. Ich will gerne zur Arbeit gehen und mich darauf freuen, dass ich heute an dem Schrank für einen Kunden arbeite“, sagt der Merzdorfer Frank Atdula, und dass er in der Region bleiben kann. „Ich fühle mich so wohl hier, bin in der Freiwilligen Feuerwehr, im Fußballverein. Es ist wunderschön hier, da will ich nicht weg.“ Auch Nico Fahrentz geht es so. Er kann es kaum erwarten, die Lehre zu beginnen, ist hoch motiviert und möchte nach der Lehre auch gern im Unternehmen bleiben. „Cottbusverkehr hat den Auftrag für den öffentlichen Nahverkehr in Cottbus bekommen für die nächsten 22 Jahre. Ich finde, das ist eine gute Perspektive.“