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Abfischen in Peitz
„Der Chef braucht mich halt“

Mitarbeiter der Peitzer Edelfisch GmbH warten am Samstag an einem fast abgelassenen Karpfen-Hälterteich auf den Beginn des Fischzuges. Die Peitzer Edelfisch GmbH rechnet für die gesamte Fangsaison mit etwa 500 Tonnen Karpfen. Das Abfischen der 35 Teiche hat bereits im September begonnen und dauert bis in den November hinein. Foto: dpa
Mitarbeiter der Peitzer Edelfisch GmbH warten am Samstag an einem fast abgelassenen Karpfen-Hälterteich auf den Beginn des Fischzuges. Die Peitzer Edelfisch GmbH rechnet für die gesamte Fangsaison mit etwa 500 Tonnen Karpfen. Das Abfischen der 35 Teiche hat bereits im September begonnen und dauert bis in den November hinein. Foto: dpa FOTO: Patrick Pleul / dpa
Peitz. Peitzer Fischer holen rund 90 Tonnen Karpfen aus dem Hälterteich. Dabei verlassen sich die jungen Männer auf die Hilfe eines 66-Jährigen. Von Marion Hirche

Die Peitzer Fischer haben am Wochenende den Hälterteich abgefischt. Die Männer holten rund 90 Tonnen Karpfen bei fünf Fischzügen aus dem drittgrößten Gewässer des Peitzer Teichguts. Unter den mehrheitlich jungen Fischern war auch Fischerurgestein Günter Taube dabei.

Der Mann landete als Straßenbauer aus Berlin in Peitz. Hier blieb er kleben, wie er sagt. Denn am Rosenmontag im Jahr 1971 lernte er beim Karneval in der Fischerstadt seine spätere Frau kennen. Heute sind beiden seit 43 Jahre verheiratet. Sie haben Kinder und vier Enkelkinder. „Ja, ich wollte mit der Straßenbaufirma nicht mehr rumziehen und habe mir in Peitz Arbeit gesucht“, erzählt Günter Taube. „Beim VEB Binnenfischerei gab es viel zu tun. So bin ich nun schon seit 42 Jahren Mitarbeiter im Betrieb“, erzählt er. Auch mit 66 Jahren liebt er die Arbeit in der Natur. „Im Sommer ist das natürlich immer spitzenmäßig. Das wiegt den Knochenjob im Winter auf“, sagt er.

Unter den Kollegen genießt er viel Vertrauen, sie schätzen seine Erfahrung, seine Einsatzbereitschaft, aber auch seinen Humor. Eigentlich könnte Günter Taube jetzt schon zu Hause sitzen und den Rentenalltag genießen. „Ich habe immer zu tun, ich habe einen Garten und meine vier Enkel fordern auch ihre Zeit. Aber mein Chef braucht mich halt“, sagt der 66-jährige und schiebt dem Satz ein Lachen hinterher. So steht Günter Taube am Samstag und Sonntag beim Schaufischen im Wasser des Hälterteichs und packt wieder einmal mit an. Er genießt die Achtung seiner Kollegen und bleibt für Geschäftsführer Gerd Michaelis nach wie vor unentbehrlich.

Keiner bemerkte, dass er dann doch ein bisschen Mühe hat, um aus dem eisigen Wasser ans Ufer zu steigen. Kaum draußen ist er wieder flink. Er stürmt zu seinem Bagger und hievt mit Präzision die Fischfuhren hoch zu den im Rücken des Geräts wartenden Hälterfahrzeugen. Jede Fuhre bringt 150 Kilogramm auf die Waage und muss genau auf die Öffnungen der Hältersegmente gezirkelt werden. Der Chef sagt anerkennend: „Günter hat eben einen Geräteführerschein. Mit seinem Einsatz ist er Vorbild für unsere jungen Mitarbeiter.“

Die rund 3000 Besucher, die trotz des widrigen Wetters an den Hälterteich gekommen sind, erleben nicht nur die Arbeit der Fischer. Sie genießen die Musik und verfolgen das Bühnenprogramm im Zelt auf dem Hüttenwerksgelände. Dort schauen sie auch Tierpräparator Klaus-Dieter Jost aus Neuhausen bei der Arbeit an einem Waldkautz zu. Mancher Besucher staunt über die am Samstag eröffneten Sonderausstellung im Peitzer Hüttenmuseum über zoologische Präparationen. Die Mutigen klettern aufs Dach der Hochofenhalle. Andere staunen über die Kunst des Zinngießen von Bernd Eule.

Beim Abfischen kommt natürlich das Schlemmen zu kurz. Zum ersten Mal präsentiert Markus Schulze und sein Team Oberpfälzer Karpfen-Gerichte — wie Karpfensalat mit roten Beten. Fischliebhaber kamen im wahrsten Sinne des Wortes auf ihre Kosten mit Fischbrötchen, Fischsuppe oder Fischfilet. „Wir haben hier unseren Weihnachtskarpfen gekauft“, verrät Ingrid Richter aus Guben über einem Glas Glühwein. Fritz Schulze aus Cottbus erzählt: „Wir haben uns heute hier unseren Sonntagsbraten geholt. Bei uns gibt es morgen Karpfen.“ Edgar Wittek aus Cottbus lässt sich derweil ein Krabbenbrötchen schmecken und sagt: „Wir kommen jedes Jahr zum Abfischen. Das ist immer interessant.“

Günter Taube ist mit seinen 66 Jahren beim Schaufischen am Peitzer Hälterteich der erfahrenste Fischer.
Günter Taube ist mit seinen 66 Jahren beim Schaufischen am Peitzer Hälterteich der erfahrenste Fischer. FOTO: Marion Hirche / Hirche Marion