Sportfreund Wahlich, herzlichen Glückwunsch zum fünften Rang in der ersten Verbandsligasaison. Wie fällt das Fazit aus„
Hoch zufrieden und ebenso enttäuscht.
Wie ist das zu verstehen“
Die Zufriedenheit bezieht sich auf die Mannschaft, hier hat sich fussballerisch und menschlich ein gutes Team gefunden. Die Enttäuschung rührt daher, dass ich einfach nur dachte, mehrere erfolgreiche Jahre lösen einen Boom in Richtung Zuschauerinteresse und öffentliche Unterstützungsbereitschaft aus. Das war halt so ein Traum.
Sprechen wir erst einmal über den sportlichen Bereich. Nach den fünf Niederlagen in Folge, in der Hinrunde, war die Zuversicht in Hinblick auf den Klassenerhalt sicherlich sehr gedämpft, oder„
Es war eine neue Erfahrung für uns alle, solche Serien kannten wir nicht in den letzten Jahren. In dieser Phase wurde sehr viel Lehrgeld bezahlt, wir haben uns zwar auch gerieben, aber es war nie ein Zerfleischen. Uns wurde aber ebenso klar, dass man auch in der Verbandsliga nur mit Wasser kocht und der Klassenerhalt durchaus realistisch war. Schließlich standen wir nie schlechter als auf dem zehnten Platz.
In der Winterpause gab es dann ein paar bedeutsame personelle Veränderungen, die nicht ohne Folgen blieben.
Daniel Müller und Nico Jarick wollten uns verlassen, dafür meldeten sich Thomas Meyer und David Brincker bei uns an. Wie die Rückrunde dann bewies, nicht unbedingt ein schlechter Tausch. Hinzu kam noch der A-Jugendspieler David Schwenk. Der Rest ist bekannt. Es wurde eine sensationelle Serie hingelegt, mit der wir uns mächtig Respekt in dieser Liga verschafften. Das hat dann auch wieder Spaß gemacht. Immerhin haben wir als Einzige den Aufsteiger Falkensee zweimal klar geschlagen.
Erst zum Ende der Saison wurde bekannt, dass die Mannschaft Platz vier als internes Saisonziel angepeilt hatte. Wie muss man das einordnen“
Zum Zeitpunkt der Zielsetzung im Juli 2004 war es sicher Unbedarftheit, zwischendurch gegen Ende der Hinrunde war es absurd und am Ende dann sogar doch möglich. Für Rang vier hätte sich die Mannschaft eine Reise nach Mallorca erspielt. Nach dieser Rückrunde wäre es verdient gewesen, aber dann muss man auch bis zum Ende Leistung bringen.
Im vergangenen Jahr fragten wir, ob der Verein und das Umfeld verbandsligatauglich seien. Damals gab es Einschränkungen. Wie sieht es heute aus„
Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie in dieser Liga bestehen kann. Also sportlich ein deutliches Ja. Wenn man sich andere Vereine aus der Verbandsliga Brandenburg oder Landesliga Sachsen ansieht, wird sicher schnell klar, dass man da einfach nicht mithalten kann. Wir sind und bleiben ein Spreewalddorf. Es gibt weder einen sportbegeisterten Amtsdirektor noch eine großartig fußballinteressierte Bevölkerung. Je mehr Erfolg da war, desto weniger Zuschauer kamen. Die Mannschaft wird Fünfter in der höchsten Landesspielklasse und gerade mal 110 Zuschauer finden am letzten Spieltag den Weg zum Sportplatz, was weiterhin eher nicht verbandsligawürdig ist.
Kann man da Resignation heraushören“
Sicher auch das, aber man hat sich daran gewöhnt und man muss auch einsehen und verstehen, das es wichtigere Dinge als Fußball gibt. Ohne öffentliches Interesse muss man aber auf keinen Fall lange in der Verbandsliga Fußball spielen.
Was bedeutet das für die Zukunft„
Diese Mannschaft wird es noch ein, zwei Jahre in dieser Liga geben. Das heißt, es gibt keine personellen Veränderungen, danach muss man sich entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Soll weiterhin Verbandsliga gespielt werden, braucht man Ehrenamtliche und großzügige Sponsoren, findet man diese nicht, wird es in Richtung Landesklasse oder tiefer gehen.
Warum so pessimistisch“
Das ist eher realistisch, machen wir uns doch nichts vor. Erfolgreicher höherklassiger Fußball kostet Geld. Fußball bis zur zweiten Liga bedeutet im Normalfall Geld versenken. Da liegt das Problem. Mit dieser Art Fußball kann man kein Geld verdienen. Wer möchte gerne auf lange Sicht möglichst viel Privatvermögen vernichten„ Kennen Sie jemanden“ Ja und dann schließt sich der Teufelskreis wieder: Ohne finanzielle Möglichkeiten gibt es keine gutklassigen Spieler, ohne diese Spieler kein Erfolg, ohne Erfolg kein Spaß.
Wie kommt man da wieder raus„
Gar nicht, den DFB interessiert es einen feuchten Kehricht, was in diesen Ligen passiert. Zig Millionen WM-Siegprämien werden ausgelobt für Höchstverdiener. Dieses Geld sollte den Vereinen zur Verfügung gestellt werden. Aber wen interessiert das schon “ Also machen wir weiter wie bisher: Nach guten Jahren kommen wieder schwächere und dann vielleicht wieder umgekehrt. Es ist viel zu unwichtig, um sich darüber Gedanken zu machen.
Ihr Ziel für die kommende Saison„
Wie immer, 35 Punkte. Wie soll man das letzte Jahr toppen“ Wir werden mit unseren 15 Seniorenfans weiter durch das Land Brandenburg tingeln und versuchen, den Spaßfaktor möglichst lange weit oben zu halten. Alles andere ist Unfug.
Ihr Saisonstart findet in Laubsdorf statt, passt das?
Das ist uns egal, schön für Laubsdorf, gleich am Anfang eine ordentliche Kulisse. Wer mit dem Abstieg nichts zu tun haben will, muss auch mal auswärts punkten.

Das Interview mit Michael Wahlich führte Roland Scheumeister