Mit dem Blechen-Carré werden völlig neue Möglichkeiten für Cottbus geschaffen, schreiben Sie in Ihrer Einladung zum Richtfest„
Andreas Haas: Mit dem neuen Einkaufscenter, auch in der Verdichtung mit der Sprem und Galeria Kaufhof, entsteht eine völlig neue Aufenthaltsqualität. Dieser Platz erfährt eine völlige Aufwertung. Damit nimmt natürlich auch die Ausstrahlungskraft der Stadt Cottbus auf das Umland deutlich zu.
René Becker: Vor 20 Jahren waren hier noch die Synergien zwischen Wohnen, Einkaufen und Gastronomie zu erleben. Alles das war unmittelbar mit der Stadtpromenade verbunden. Danach kam die Tristesse, wir sehen sie noch heute zum Teil. Diese Synergien, die es früher gegeben hat, in einer relativ guten Qualität, die werden wieder hergestellt, die müssen wieder hergestellt werden. Es gibt wenige Städte in Deutschland, die im Innenstadtbereich in diesen 1-A-Lagen derartige Situationen vorfinden. Der Anspruch, den wir haben, ergibt sich schon aus den Mieten, über die wir für diesen Bereich reden. Da herrschen Berliner Verhältnisse.

Die Mietverträge werden langfristig abgeschlossen“
René Becker: Über zehn Jahre plus Option. Das ist üblich für derartige Innenstadtcenter.

Die IHK hat erst vor wenigen Tagen das Fehlen eines Ankermieters und den Branchenmix kritisiert!
René Becker: Die Aussage der IHK ist unverständlich, weil der beste Ankermieter, den wir uns vorstellen können, ja schon mit Galeria Kaufhof und 12 000 Quadratmetern Einkaufsfläche da ist. Das ist eine Situation, die sich viele andere Städte wünschen würden. Gerade erst hat Galeria den Mietvertrag bis Ende 2017 verlängert, dass heißt, das Unternehmen setzt auf diesen Standort. Wir schließen, in totaler Abstimmung mit Galeria Kaufhof, an den dort bereits existierenden Branchenmix an. Darüber hinaus haben wir Ankermieter auf Flächen, die für heutige Verhältnisse völlig ausreichend sind. Wir wollen keine Ankermieter auf Flächen von über 3000 Quadratmetern, das Risiko ist viel zu groß.
Andreas Haas: Die Äußerung von der IHK ist für uns nicht nachzuvollziehen. Ich finde es schade, dass die IHK nicht den direkten Kontakt mit uns sucht, den Telefonhörer in die Hand nimmt und uns einfach mal anruft. Wir sind jetzt diesen Weg gegangen, haben einen Termin gemacht.

24 Mieter, die bereits in Cottbus präsent sind, sollen ins Blechen-Carré umziehen. Es erfolge deshalb lediglich eine Verlagerung, so die IHK in einem weiteren Kritikpunkt!
René Becker: Die Zahl ist nicht richtig, wir wollen da auch gar nicht über Zahlen reden. Wir werden den ein oder anderen Mieter aus der Umgebung im Blechen-Carré haben. Das hat aber nicht den Grund, dass wir Mieter abgeworben haben, sondern es laufen Mietverträge aus, gewisse Personen sind an uns herangekommen und haben Interesse bekundet. Wir haben aber ganz bestimmte Kriterien, die die Mieter erfüllen müssen, und ein Großteil der Interessenten aus Cottbus hat diese Kriterien nicht erfüllt.

Was sind diese Kriterien?
René Becker: Zum Beispiel Bonität. Wir haben da ein Auswahlverfahren. Und es gibt auch ein paar Mieter aus Cottbus, die haben ordentliche Zahlen, und die gehören ganz einfach ins Blechen-Carré.
Andreas Haas: Wir sind auf die Mieter, die wir jetzt haben, nicht aktiv von uns aus zugegangen. Doch wir machen kein Hehl daraus: Wenn jemand die Chance dieses attraktiven Handelsplatzes erkennt und auch die Bedingungen erfüllt, dann werden wir ihn nicht abweisen.

Die Befürchtungen, dass zum Beispiel die Sprem an Bedeutung verliert, sind also unbegründet?
René Becker: Es ist eine einmalige Chance für die Spremberger Straße und für die Altstadt, einen weiteren Magneten in der Innenstadt zu haben. Ich kann überhaupt nicht erkennen, wo die Schwierigkeiten für die Sprem herkommen sollten. Das Blechen-Carré ist ein positiver Punkt, der die Stadt beleben wird.
Andreas Haas: Die Diskussion, Verdrängung von angestammten Einzelhändlern durch Shopping-Center, wird ja deutschlandweit geführt. Wenn man sich mit Bürgermeistern, Baustadträten aus anderen Städten verständigt, wird allerdings genau das Gegenteil beobachtet.

Wo sollen die Kunden herkommen?
René Becker: Wir haben ein Einzugsgebiet, so wurde durch ein Gutachten ausgewiesen, von etwa 580 000 Leuten, wobei wir mit einem Durchfluss pro Tag von rund 8000 Personen rechnen. Für Sonderöffnungstage wird sich der Durchfluss bei bis zu 12 000 Kunden einpendeln.

Die Schule wird voll in das Carré einbezogen?
René Becker: Das ist ein wirkliches Beispiel, wo wir weit über den Rahmen hinaus Investitionen getätigt haben, die eigentlich in keinem Verhältnis zum Nutzungsmix stehen. Doch wir haben versprochen, dass wir die Schule integrieren und sie ist voll integriert. Sie hat nach heutigem Ermessen einen ausgesprochen interessanten Mietermix.
Andreas Haas: Auf keinen Fall lassen sich die Investitionen, die wir hier getätigt haben, durch die Mieteinnahmen refinanzieren. Im Vergleich zu den Kosten für das übrige Center kommen wir hier gut und gerne auf den doppelten bis dreifachen Preis.
René Becker: Das ist ein Geschenk für die Stadt. ECE hatte seinerzeit mit seiner Erfahrung geurteilt, dass eine Einbindung nicht wirtschaftlich zu gestalten ist. Für uns war die Einbeziehung der Schule gewissermaßen unsere Eintrittskarte, wir haben uns auf die Schule festgelegt und finden auch, dass es richtig war.

Kritiker reden von einem Klotz in der City. Was können Sie dem entgegnen?
Andreas Haas: Schon allein mit der Schule nehmen wir Rücksicht auf die Befindlichkeiten vor Ort. Außerdem bleiben wir mit dem jetzigen Gegebenheiten deutlich unter den Möglichkeiten des Bebauungsplanes. Dass natürlich ein Einkaufscenter im Innenstadtbereich mit 5000 Quadratmetern nicht auskommt, sollte jedermann klar sein.
René Becker: Die kritische Masse, die von Gutachten belegt wird, liegt bei 25 000 Quadratmetern. Wir wussten, dass wir mit dieser Zahl in Cottbus nicht umgehen können. Trotzdem haben wir gemeinsam mit der Stadt nach einer Lösung gesucht.

Wie bewerten Sie generell die Zusammenarbeit mit der Stadt?
René Becker: Das normale Tagesgeschäft macht Spaß, wir merken, dass mit sehr viel Engagement an Problemlösungen gearbeitet wird, dass alle letztendlich an einem Strang ziehen. Es macht Spaß, ins Amt zu gehen, weil man weiß, hier ist man gut aufgehoben. Aber leider beschränkt sich aus unserer Sicht dieses Engagement nur auf die mittlere und untere Verwaltungsebene.

Was Kritik an den Entscheidungsträgern bedeutet?
Andreas Haas: Wir wollen niemanden kritisieren, aber das, was wir an Unterstützung bekommen, bekommen wir leider nicht von der Führungsebene.

Wann geht es mit dem zweiten Bauabschnitt weiter?
René Becker: Wir hoffen, dass wir Mitte Dezember den letzten Abstimmungsprozess über die Bühne bekommen. Der zweite Bauabschnitt ist ein sehr wichtiger Bauabschnitt. Wir dürfen keine Situation herbeiführen, die da lautet: Erster Bauabschnitt ist fertig, und wir schauen weiter auf die alten Gebäude. Das kann man sich nicht vorstellen und das wollen wir uns auch nicht vorstellen. Wir haben eine Reihe von Mietern, die nachträglich Erdgeschosslagen haben wollen. Das sind die attraktivsten Lagen, die waren im ersten Bauabschnitt sehr schnell vergeben. Dann gibt es sicher im Dienstleistungsbereich Dinge, die wir aufholen müssen. Die Innenstadt muss in so einem Einkaufsbereich auch mit Dienstleistungen aufgefüllt werden.

Zum Beispiel?
René Becker: Wir können das erst nach dem Abstimmungsgespräch mit der Stadt entscheiden. Darauf haben wir uns verständigt. Denn wir wollen mit der Stadt nicht nur über Architektur und Flächen reden, sondern sind sogar bereit, über Nutzungen zu reden.

Wann kann es hier weiter gehen?
Andreas Haas: Wenn wir Mitte Dezember die Rahmendaten festziehen, sollten wir im Frühjahr belastbare Pläne haben, die uns in die Lage versetzen könnten, Mietinteressenten nachhaltig zu akquirieren, Finanzierungsstrukturen aufzubauen, sodass wir mit einem möglichen Baubeginn in der zweiten Jahreshälfte 2008 rechnen. Ursprüngliche Intention war Beginn des Jahres 2008. Es wäre aber nicht gut, eine noch größere Pause zum ersten Bauabschnitt zu lassen.

Mit RENÈ BECKER und ANDREAS HAAS sprach Sven Hering.