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| 15:44 Uhr

50 Jahre Mondlandung
Wie der Mond den Schlaf stört

 Der Schlafmediziner Dr. Frank Käßner aus Cottbus sagt: „Es gibt keinen messbaren Zusammenhang zwischen Mond und Schlafqualität.“
Der Schlafmediziner Dr. Frank Käßner aus Cottbus sagt: „Es gibt keinen messbaren Zusammenhang zwischen Mond und Schlafqualität.“ FOTO: Dr. Käßner/pixabay.com
Zum Tag der Mondlandung: Ein Cottbuser Schlafforscher erklärt die Unterschiede zwischen Wissenschaft und eigener Befindlichkeit in Vollmond-Nächten. Von Andrea Hilscher

Groß und leuchtend steht er am nächtlichen Himmel. Eigentlich sieht er ganz unschuldig aus, man könnte ihn sogar hübsch finden, den vollen Mond. Wenn da nicht die Angst wäre: In dieser Nacht gibt es keinen ruhigen Schlaf.

Jüngste Umfragen zeigen: Rund ein Drittel aller Menschen in Deutschland leidet inzwischen unter chronischen Schlafstörungen. Die Zahlen nehmen weiter zu und betreffen zudem immer mehr junge Menschen. Viele von den Betroffenen sagen: Bei Vollmond ist es am schlimmsten.

Der Cottbuser Schlafmediziner und Lungenfacharzt Dr. Frank Käßner kennt sich mit den Schlechtschläfern aus, sie stehen Schlange, um einen Termin bei ihm zu bekommen. „Oft sind es Frauen, die unter Schlafstörungen leiden“, sagt der Mediziner. „Und Menschen, die ohnehin schlecht schlafen, klagen oft auch darüber, dass der Vollmond ihre Nächte noch unruhiger macht.“

Solange die Menschheit existiert, werde der Mond mythisch aufgeladen, weiß Käßner. Er ist das Himmelsgestirn, das uns am nächsten ist, bei Ebbe und Flut werden seine Auswirkungen auf die Erde mess- und sichtbar. „Da wundert es nicht, dass dem Mond auch die Fähigkeit zugesprochen wird, unseren Schlaf zu beeinflussen“, sagt der Cottbuser Mediziner.

Wissenschaftlich zu belegen ist dieser Einfluss derzeit nicht. Zwar gibt es immer wieder Studien, die Zusammenhänge zwischen Mondphasen und Schlafqualität nachweisen, doch meist sind sie zu klein, um wissenschaftlichen Wert zu haben. Die größte Studie, die sich mit dem Thema befasst hat, wurde 2015 veröffentlicht. „1265 Probanden wurden dafür über 2000 Nächte hinweg beobachtet“, sagt Frank Käßner. Das Ergebnis: Es gibt keinen messbaren Zusammenhang zwischen Mond und Schlafqualität.

„Aber es kann durchaus sein, dass mit besseren Methoden künftig andere Ergebnisse erzielt werden“, so Käßner.

Doch wie kommt es überhaupt zu der Angst vor unruhigen Vollmondnächten?

Dabei handele es sich um selektive Erinnerungen, vermutet der Mediziner. Wer nicht schläft, schaut aus dem Fenster und sieht den vollen Mond. Passiert das noch ein oder zwei Mal, verknüpft er beide Ereignisse miteinander – und vergisst all die schlaflosen Nächte, in denen er keinen Mond gesehen hat.

Eine zweite Ursache könne die selbsterfüllende Prophezeiung sein: Wer weiß, dass der Vollmond naht, schläft schon aus Angst schlechter.

„Es kann aber durchaus auch sein, dass das helle Licht des Mondes die Produktion des schlaffördernden Hormons Melatonin hemmt. „Dann kann es helfen, das Schlafzimmer komplett abzudunkeln“, rät der Mediziner.

Wer in den Vollmondnächten extrem Probleme hat, könne ruhig auch zu milden Einschlafhilfen greifen. „Baldrian, Hopfenblütentee oder Lavendel können heilsam sein und vorsorglich eingesetzt werden.“