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| 17:34 Uhr

Braucht es eine Frauenquote?
Gegen die Männerquote in den Parlamenten

 Steffi Messenbrink, Mary-Ann Basto und Katharina Brockmann sahen manche Aspekte anders, als ihre älteren Mitstreiterinnen.
Steffi Messenbrink, Mary-Ann Basto und Katharina Brockmann sahen manche Aspekte anders, als ihre älteren Mitstreiterinnen. FOTO: LR / Liesa Hellmann
Cottbus. Frauen sind unter den Cottbuser Abgeordneten eine Minderheit. Wie sich das ändern kann, diskutierten Frauen aller Generationen beim Frauenstammtisch am Donnerstag. Von Liesa Hellmann

Zwar lautete das Motto des 30. Frauenstammtisches „Nach der Wahl ist vor der Wahl“, doch zuerst war die vergangene Kommunalwahl Thema. Gleichstellungsbeauftragte Sabine Hiekel hat einige Zahlen mitgebracht, mit denen wohl keine der 19 anwesenden Frauen wirklich zufrieden ist.

93 Frauen hatten für die Cottbuser Stadtverordnetenversammlung kandidiert, 16 von ihnen wurden schließlich gewählt.  Zwei Frauen haben ihr Mandat nicht angenommen, wodurch Männer nachgerückt sind. In der neuen Stadtverordnetenversammlung kommen auf 50 Sitze also nur 14 Frauen – das ist ein Anteil von gerade einmal 28 Prozent. Das ist immerhin ein besseres Ergebnis als bei der Kommunalwahl 2003.

Damals wurden nur 11 Frauen in die ebenfalls 50-köpfige Versammlung gewählt. Dennoch: Sowohl was die Anzahl der Kandidatinnen als auch die der weiblichen Stadtverordneten betrifft, sticht das Jahr 2019 in den vergangenen vier Wahlperioden nicht positiv hervor. 2014 waren 40 Prozent der Kandidierenden Frauen (2019: 30,9 Prozent), 2008 betrug der Frauenanteil in der Stadtverordnetenversammlung 32 Prozent.

Sabine Hiekel: „Wir müssen knallhart verhandeln“

Mehr Frauen als Kandidatinnen zu gewinnen ist das Eine. Noch wichtiger ist, wo sie auf dem Wahlzettel stehen. „Frauen müssen strategisch daran arbeiten, dass sie vordere Listenplätze erhalten“, sagt deshalb Sabine Hiekel. „Sie müssen selbstbewusst auftreten und mit den Männern knallhart um die Listenplätze verhandeln.“ Das falle manchen Frauen schwer.

Dass Frauen sich in einer männlich dominierten politischen Welt besonders durchsetzen müssen, sehen nicht alle Anwesenden so. Katharina Brockmann, vormals im Vorstand der Jungen Union aktiv, sagt: „Ich musste keinen anderen Ton anschlagen, um mich zu behaupten.“ Beim Stammtisch wird damit deutlich, dass verschiedene Frauengenerationen unterschiedliche Erfahrungen mit und Sichtweisen auf das Verhältnis zwischen den Geschlechtern im Politischem wie im Privaten haben.

Eine, die es auf Listenplatz Eins geschafft hat und ins Stadtparlament gewählt wurde, ist Birgit Mankour (Die Linke). Wie sie das gemacht hat, will eine Teilnehmerin des Stammtisches wissen. „Ich habe über Jahre so viel Arbeit geleistet, dass ich unentbehrlich wurde“, sagt Mankour mit einem Lächeln. „Und dann habe ich ganz klar gesagt: In meinem Kiez kandidiere ich ganz oben. Da kam keiner dran vorbei.“

Bringt eine Quote mehr Frauen in die Politik?

Harte Arbeit und Selbstbewusstsein, das wird in den Gesprächen deutlich, sind zwei Aspekte, die besonders wichtig für das politische Fortkommen von Frauen sind. Allerdings mangele es vielen Frauen an letzterem: „Ihr seid hier“, sagt Sabine Hiekel zu den anwesenden Frauen, „aber dann gibt es noch die Freundin, Kollegin, Nachbarin, Bekannte, die sich nicht trauen.“

Als eine Möglichkeit, den Frauenanteil auf den Wahllisten der Kommunalwahl zu erhöhen, bringt Annely Richter (Die Linke) eine Frauenquote ins Gespräch. „Die Frauenquote hat durch den Begriff Quotenfrau einen negativen Touch, das ist schade“, sagt sie, „aber für eine Gleichberechtigung müssen abwechselnd Frauen und Männer auf den Listen stehen.“

Frauen, die für eine solche Quote plädieren, wird oft, vor allem von Männern, das Argument scheinbar mangelnder Kompetenz entgegen gebracht. Allerdings: Wird diese Frage auch all den Männern gestellt, die kandidieren? Männer bezweifelten ihre Kompetenz viel seltener, sagt Sabine Hiekel und stellt fest: „Wir haben eine Männerquote und die ist überall sehr hoch.“

Kaum Frauen in den Führungsetagen

Ob in Wirtschaft oder Politik: Nicht nur in hohen Führungsebenen, sondern auch im mittleren Management haben zumeist Männer leitende Positionen inne. Dabei brauche es unbedingt mehr Frauen in der Politik, sagt Gudrun Hibsch (Die Linke): „Wir Frauen haben eine andere Sicht auf gesellschaftliche Probleme und Prozesse. Diese Sichtweise kann kein Mann ersetzen, deshalb sind wir in der Pflicht, für unsere Teilhabe zu kämpfen.“ Birgit Hendrischke, Gleichstellungsbeauftragte der BTU fügt hinzu: „In einer Zeit gewalttätiger Auseinandersetzungen ist es besonders wichtig, dass Frauen in die Politik gehen.“

Der Frauenanteil in der Politik war nicht das einzige Thema des Abends. Diskutiert wurde auch der Vorschlag, die Ausbildung von Medizinerinnen nach Cottbus zu bringen. Von der Idee sind noch nicht alle überzeugt, manch eine vermutet dahinter lediglich Wahlkampf für die bevorstehende Landtagswahl. „Die Cottbuser brauchen einen Lichtblick“, sagt Katharina Brockmann.

 Mehrere Frauengenerationen kamen zum 30. Frauenstammtisch zusammen. Mehr Frauen auf die Wahllisten und in die Parlamente war ein Thema des Abends.
Mehrere Frauengenerationen kamen zum 30. Frauenstammtisch zusammen. Mehr Frauen auf die Wahllisten und in die Parlamente war ein Thema des Abends. FOTO: LR / Liesa Hellmann