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29-Jährige stirbt bei Unfall in Cottbus

Lkw-Fahrer übersieht eine Frau beim Rechtsabbiegen.
Lkw-Fahrer übersieht eine Frau beim Rechtsabbiegen. FOTO: zvg
Update | Cottbus. In Cottbus hat am Mittwochmorgen eine 29-jährige Radfahrerin ihr Leben verloren. Sie wurde nach Polizeiangaben an der Kreuzung Karl-Liebknecht-Straße/Ecke Waisenstraße von einem Lkw erfasst und starb noch am Unfallort an ihren Verletzungen. Frank Hilbert und Christian Taubert

Der Lastwagen mit Auflieger war gegen 7.30 Uhr aus Richtung Kolkwitz gekommen und ist bei grüner Ampel von der Karl-Liebknecht-Straße in die Waisenstraße nach rechts Richtung Bahnhof abgebogen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die junge Frau auf dem Fahrradweg, offenbar unmittelbar neben dem Lkw. Sie hatte ebenfalls Ampel-Grün zum Überqueren der Pappelallee.
Gegenwärtig geht die Polizei davon aus, dass der polnische Lkw-Fahrer die Radfahrerin nicht gesehen hat. Es wird vermutet, dass sich die junge Frau im sogenannten toten Winkel befunden habe. Spezialisten der Dekra, so ein Polizei-Sprecher gegenüber der RUNDSCHAU, würden jetzt den Unfall rekonstruieren, um genaue Aussagen zum Hergang des tragischen Unglücks machen zu können.

Der Kreuzungsbereich war zum Teil komplett gesperrt. Bis gegen 9.30 Uhr ist es zu Verkehrsbeeinträchtigungen gekommen.

Gefahr durch Toten Winkel

Immer wieder werden Radfahrer oder Fußgänger schwer oder gar tödlich verletzt, weil sie sich im toten Winkel eines Lkw befanden und vom Fahrer übersehen wurden. Besondere Gefahr droht an Kreuzungen. Nach eier Sondererhebung der Bundesanstalt für Straßenwesen im Jahre 2012 gab es in Deutschland 650 Unfälle mit Personenschaden, bei denen ein Trucker beim Abbiegen einen Radfahrer nicht bemerkte, der sich im toten Winkel seines Fahrzeugs befand. 30 dieser Unfälle endeten tödlich.

Was ist ein Toter Winkel?

Als "Toten Winkel" bezeichnet man den Bereich, der für den Fahrer trotz Spiegel nicht einsehbar ist. Dieser ist umso größer, je breiter das Fahrzeug ist und je höher die Unterkante der Front- und Seitenscheiben liegen. Daher ist die Gefahr des Toten Winkels bei Lkw besonders stark ausgeprägt.

Zusätzliche Spiegel sollen dies ausgleichen, dennoch bleibt ein toter Winkel, der vom Fahrer nicht oder nur eingeschränkt eingesehen werden kann. Abbiegen erfordert deshalb höchste Aufmerksamkeit der Lkw-Fahrer, damit sie Fußgänger oder geradeaus fahrende Radfahrer nicht übersehen und gefährden.

Wie ist die Rechtslage?

Die Rechtslage ist eindeutig: Wer nach rechts abbiegen will, muss geradeaus fahrende Radfahrer vorbei lassen, unabhängig davon, ob sie auf der Fahrbahn oder auf dem Radweg unterwegs sind. So verwundert es nicht, dass in neun von zehn Unfällen beim Abbiegen der Autofahrer die Hauptschuld trägt.

Wie können Unfälle verhindert werden?

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) appelliert an alle Auto- und Lkw-Fahrer, beim Rechtsabbiegen besonders aufmerksam zu sein und verstärkt auf Radfahrer und Fußgänger zu achten. Der Schulterblick beim Abbiegen darf nicht vergessen werden. An Radfahrer richtet der DVR den Hinweis, an Kreuzungen und Einmündungen besonders nach abbiegenden Fahrzeugen Ausschau zu halten, eventuell den Blickkontakt mit dem Fahrer zu suchen und im Zweifelsfall auf die Vorfahrt zu verzichten und den Abbiegenden vorbeizulassen.

Was kann technisch verbessert werden?

Ein hohes Potenzial zur Unfallvermeidung haben elektronische Abbiegeassistenten, die den Fahrer bei Gefahrensituationen warnen und gegebenenfalls selbstständig bremsen. Derzeit verfügbare Systeme sind nach Meinung des DVR allerdings noch nicht ausreichend zuverlässig. Der DVR fordert die Industrie auf, Abbiegeassistenten mit hoher Priorität weiterzuentwickeln und zur Marktreife zu bringen. Solche Systeme sollten sobald wie möglich vom Gesetzgeber vorgeschrieben werden.