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| 14:39 Uhr

Spreeauenlandschaft bei Dissen
275 000 Karpfen auf einen Streich

 Der Modderteich ist einer von acht Teichen innerhalb der renaturierten  Spreeauenlandschaft bei Dissen. Derzeit wird der Teich wieder mit Wasser gefüllt, sodass er sich bald wieder so malerisch schön entlang des Karpfenweges präsentiert – und eigentlich gar nicht einen solchen Namen vermuten lässt.
Der Modderteich ist einer von acht Teichen innerhalb der renaturierten  Spreeauenlandschaft bei Dissen. Derzeit wird der Teich wieder mit Wasser gefüllt, sodass er sich bald wieder so malerisch schön entlang des Karpfenweges präsentiert – und eigentlich gar nicht einen solchen Namen vermuten lässt. FOTO: Frank Hilbert
Dissen. Die reizvolle Spreeauenlandschaft bei Dissen ist seit Mittwoch um Hunderttausende Lebewesen reicher. In drei der acht Teiche unweit von Cottbus hat Teichwirt Christoph Junghanns drei Tage alte Spiegelkarpfen eingesetzt. Von Frank Hilbert

Bereits drei der insgesamt zwischen 2006 und 2008 im Rahmen der Renaturierung angelegten acht Teiche sind bereits für die Karpfenzucht angestaut. Am Mittwoch kamen weitere drei hinzu. Die restlichen beiden Gewässer sollen laut Christoph Junghanns am 22. Mai folgen. Der Chef der Euloer Teichwirtschaft bewirtschaftet die rund 20 Hektar großen Teiche.

„Die Teiche werden erst drei Tage vor dem Einsetzen der Brut angestaut, denn sie braucht gewissermaßen jungfräuliches Wasser ohne große andere Lebewesen“, erklärt der Teichwirt, während er die Wassertemperatur des Modderteiches misst. Es sind zehn Grad, das Wasser in den Transportbeuteln ist etwa zwei Grad wärmer, sodass der erfahrene Fischer die empfindliche Fischbrut zunächst mitsamt dem Beutel ins Teichwasser hängt, um einen schonenden Temperaturausgleich für die darin befindlichen, nur wenige Millimeter großen 100 000 Karpfen zu gewährleisten. In drei Wochen werden sie auf eine Größe von etwa zwei Zentimeter gewachsen sein. Möglich macht dies unter anderem Heu, das in die Teiche gegeben wird, später folgt auch etwas Dung, damit sich Mikroorganismen entwickeln können, die Nahrung für die Fische. Als weiteres Futter folge dann klein gemahlenes Getreide, erklärt Christoph Junghanns, der seit 42 Jahren Fischer ist.

 100 000 Karpfen so mit zwei Händen zu halten, ist für Christoph Junghanns kein Problem. In ein paar Jahren wiegt dann jeder Fisch allerdings mehr als zwei Kilogramm – falls er Kormoran und Co. überlebt hat.
100 000 Karpfen so mit zwei Händen zu halten, ist für Christoph Junghanns kein Problem. In ein paar Jahren wiegt dann jeder Fisch allerdings mehr als zwei Kilogramm – falls er Kormoran und Co. überlebt hat. FOTO: Frank Hilbert

Im Herbst werden die einsömmrigen Karpfen mit einem Gewicht von etwa 50 Gramm und einer Größe von rund zehn Zentimetern abgefischt, um dann im Winterteich in Eulo weiter wachsen zu können. Jedoch erst 2021 und 2022 seien die Spiegelkarpfen mit einem Gewicht von 2,5 bis 3,5 Kilogramm reif für den Kochtopf.

 Hier platziert Teichwirt Christoph Junghanns einen Beutel mit 100 000 Jungfischen zum Temperaturausgleich im Modderteich.
Hier platziert Teichwirt Christoph Junghanns einen Beutel mit 100 000 Jungfischen zum Temperaturausgleich im Modderteich. FOTO: Frank Hilbert

Bis dahin haben die Fische allerdings jede Menge Gefahren zu bestehen. „Der größte Feind kommt aus der Luft“, sagt der 58-Jährige, denn die geschützten Fischreiher und Kormorane bedienen sich reichlich aus den Teichen. Auch die Fischotter seien in der Spreeauenlandschaft sehr aktiv.

Apropos aktiv: Das Wasser in den Teichen zieht auch die vielen Amphibien alljährlich magisch an. So mancher Erholungssuchende erfreut sich dann wieder am Konzert der Frösche und Rotbauchunken. Vom Sommer 2007 bis Frühjahr 2010 sind im Rahmen der Renaturierung laut Leag mehr als 146 000 Amphibien und -larven, davon 68 000 Rotbauchunken, in die Spreeauenteiche umgesiedelt worden.