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| 18:31 Uhr

Cottbus
Mit Fontane bis zum Horizont und weiter

 Die Mitglieder der Interessengemeinschaft „Bücher für Cottbus“, zum Teil in „Fontane-Mode“, konnten sich über eine ausverkaufte Eröffnungsveranstaltung freuen. Es gab Buchempfehlungen von Thomas Bruhn (l.) und Klaus Wilke. (2.v.l.)
Die Mitglieder der Interessengemeinschaft „Bücher für Cottbus“, zum Teil in „Fontane-Mode“, konnten sich über eine ausverkaufte Eröffnungsveranstaltung freuen. Es gab Buchempfehlungen von Thomas Bruhn (l.) und Klaus Wilke. (2.v.l.) FOTO: Marion Hirche
Cottbus. 27. Cottbuser Bücherfrühling ist eröffnet, mit insgesamt 37 Veranstaltungen für Groß und Klein bis in den Juni. Von Marion Hirche

Der Cottbuser Bücherfrühling ist längst eine lieb gewordene Tradition. In diesem Jahr findet er zum 27. Mal statt. Die Interessengemeinschaft „Bücher in Cottbus“ hat wieder ein vielseitiges Programm für Erwachsene, Kinder und Familien zusammengestellt.

„Bis zum Horizont und (wie) weiter…“ heißt das diesjährige Motto der Angebote, bei denen man interessante Menschen kennenlernen und fremde Welten und hiesige Kostbarkeiten entdecken kann. So umschrieb Annette Kornek, Leiterin vom Lernzentrum Cottbus,  die Inhalte der literarischen Angebote bei der Eröffnungsveranstaltung zum Bücherfrühling am Montag dieser Woche in der Stadt- und Regionalbibliothek.

Kein Platz ist bei diesem Auftakt frei geblieben. Versammelt hatten sich Bücher- und Lesefreunde sowie Lausitzer Autoren, um  vor allem einen zu würdigen, der in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden wäre: Theodor Fontane. Dazu  trugen einige der Organisatoren  die Kleidung  der Fontane-Zeit und setzten so auch optisch Akzente.

Welch besondere Bedeutung Briefwechsel zu Fontanes Zeiten hatten, wurde am Dialog von Sylvia Burza und Matthias Greupner deutlich. Die beiden Schauspieler aus Lübbenau lasen in den Rollen als Theodor Fontane und dessen Frau Emilie aus der Post, die sich die beiden Mitte des 19. Jahrhunderts zugeschickt hatten.

„Die beiden sollen sich rund 600 Briefe geschrieben haben, von Fontane existieren bis zu 10 000 solche postalischen Botschaften“,  informierte Thomas Bruhn die Zuhörer im Verlauf des Abends. Zusammen mit Klaus Wilke bestritt er einen wesentlichen Teil des Abends, denn viele der Zuhörer waren gekommen, um die Buchempfehlung der beiden Literaturkritiker zu hören.

Die  beiden Herren gehören bereits zum liebenswerten „Inventar“ des Bücherfrühlings. Die unterhaltsame Präsentation ihrer Favoriten machte auch dieses Mal wieder Appetit auf literarische Kost. Bruhn wählte dabei unter anderem auch den im Aufbau-Verlag veröffentlichten Briefwechsel von Eva und Erwin Strittmatter aus.

„Da Fontane heute im Mittelpunkt steht, haben wir uns dieses Mal entschieden, nur Werke deutschsprachiger Autoren zu präsentieren“, erklärte Klaus Wilke.  Im ersten Teil ihrer Präsentation hatten sie Werke ausgewählt, die sich auf den Jubilar bezogen. Dazu gehörten „Die wahre Geschichte der Effi B.“ von Dorothea Keuler, „Das Herz bleibt immer jung“, eine Emilie-Fontane Biographie von Gotthard Erler oder Fontane-Anekdoten, gesammelt von Gunter Schoß und von Werner Liersch. Beide Kritiker bewiesen Einigkeit: „Die größte Leistung Fontanes besteht wohl in seinen Werken über Frauen“. Im zweiten Teil ihrer Präsentation machten sie dem Publikum Bücher von Steffen Mensching, Günter de Bruyn, Judith Schalansky und Regina Scheer schmackhaft.

Zu dem 120-Minuten-Programm gehörte auch die Eröffnung der Fotoausstellung „Theodor Fontane“, bei der in der Stadt- und Regionalbibliothek 25 Fotografien mit dem Dichter in Burg und Lübbenau zu sehen sind. „Im Rahmen eines Workshops der Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur  haben wir im letzten August mit Fotografen die beiden Darsteller des Fontane-Ehepaares an Originalschauplätzen verfolgt. Dabei haben wir auch herausgefunden, wo sich das vom Dichter beschriebene Gebäude ,Kätner Post’ befindet. Es steht heute noch und die Bewohner waren sehr stolz, dass sie an solch historischer Stelle zuhause sind.  Wir hatten rund 1000 Aufnahmen und haben die besten für die Schau hier ausgewählt“, erklärte Kursleiter Rundschaufotograf Peter Becker.

Abgerundet wurde der Auftaktabend, der von der Cottbuser Dezernentin und Leiterin des Geschäftsbereiches Jugend, Kultur und Soziales Maren Diekmann eröffnet wurde, mit dem Gesang vom Frauengesangsquartett „Lokasina“.

Christel Lehmann-Enders und ihre drei Töchter präsentierten feinfühlig Lieder in sorbisch/wendischer Sprache, sorgten phasenweise für Gänsehaut pur. „Es war ein ganz tolles Erlebnis heute: die Musik, die Ausstellung, der Brückenschlag zu Fontane, die Kostüme“, schwärmten Karin und Reinhard Ziegler aus Cottbus. Helga Schäfer: „Ich habe wieder so viele Buchanregungen bekommen, ich habe gleich Informationen für meine Freunde mitgenommen“. Zu den Gästen des Abends gehörten auch Mitglieder der Selbsthilfegruppe „Multiple Sklerose“, die sich über eine Spende aus dem Erlös der Veranstaltung freuen konnten.

Der 27. Cottbuser Bücherfrühling geht bis zum 15. Juni.

Das Veranstaltungsprogramm ist online unter www.lernzentrum-cottbus.de zu finden.

 Die Mitglieder der Interessengemeinschaft „Bücher für Cottbus“, zum Teil in „Fontane-Mode“, konnten sich über eine ausverkaufte Eröffnungsveranstaltung freuen. Es gab Buchempfehlungen von Thomas Bruhn (l.) und Klaus Wilke (2.v.l.).
Die Mitglieder der Interessengemeinschaft „Bücher für Cottbus“, zum Teil in „Fontane-Mode“, konnten sich über eine ausverkaufte Eröffnungsveranstaltung freuen. Es gab Buchempfehlungen von Thomas Bruhn (l.) und Klaus Wilke (2.v.l.). FOTO: Marion Hirche