Dass ihm seine Schlafprobleme Lebensqualität rauben, wusste Wolfgang Schmidt* schon länger. Doch als bei einer Autofahrt die Scheinwerfer eines entgegenkommenden Fahrzeugs direkt auf ihn zukamen, wurde ihm bewusst: Er war am Steuer eingeschlafen. "Das hat mir Angst gemacht. Mir war schlagartig klar: Es geht um Leben und Tod", erinnert sich der heute 70-Jährige.

Wolfgang Schmidt wusste, dass er schnarcht. Und er spürte, dass ihn - obwohl er ausreichend schlief - tagsüber eine starke Müdigkeit quälte. Erst nachdem im Schlaflabor die Ursache seiner Probleme geklärt worden war, konnte ihm geholfen werden. "Das war im Jahr 1997. Damals habe ich meine erste Maske bekommen. Seither geht es mir wesentlich besser. Ich habe ganz viel Lebensqualität zurückbekommen", erzählt Wolfgang Schmidt.

Geholfen hat ihm Dr. Frank Käßner. Der Cottbuser ist Lungenarzt und Schlafmediziner. 1997 eröffnete er zusammen mit Dr. Heinrich in Groß Gaglow das erste zertifizierte ambulante Schlaflabor Deutschlands. Dr. Käßner erklärt: "Wie Wolfgang Schmidt leiden etwa fünf Prozent der erwachsenen Männer in Deutschland unter dem sogenannten Schlafapnoesyndrom. Frauen sind seltener betroffen. Das Schnarchen allein ist noch kein Problem. Von Schlafapnoe spricht man, wenn der Schlaf von mehr als zehn Atempausen in der Stunde unterbrochen wird. Wir haben Patienten, deren Atem bis zu 800-mal pro Nacht stillsteht, im Extremfall bis zu 100 Sekunden lang. Da der Körper mit Weckreizen auf den Sauerstoffmangel reagiert, wird der Schlaf nachhaltig gestört." Die Betroffenen können nicht mehr in den erholsamen Tiefschlaf fallen. In der Folge fühlen sie sich am Tage extrem müde und erschöpft. Das führt zu Problemen: Wer bei der Arbeit einschläft, kann seinen Job verlieren. Wer beim Autofahren einschläft, gefährdet sich und andere. Außerdem kann die Schlafapnoe schwere Herz-Kreislauf-Erkankungen nach sich ziehen. Das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, erhöht sich. Ursache für die Atemstillstände sei meist eine Fehlfunktion der Schlundmuskulatur, die bei den Patienten im Schlaf kollabiert und dadurch die Luftzufuhr drosselt. Abhilfe schafft eine spezielle Atemmaske, die die Betroffenen nachts mit Überdruck-Luft versorgt, die wiederum die Atemwege offenhält und somit die gefährlichen Atempausen und die Sauerstoffabfälle im Blut verhindert.

Wolfgang Schmidt kann sich ein Leben ohne seine Maske gar nicht mehr vorstellen. Regelmäßig kommt er ins Schlaflabor von Dr. Käßner zur Nachkontrolle. So auch an diesem Tag. Es ist kurz nach 20 Uhr. Wolfgang Schmidt trifft im Schlaflabor ein. Im Gepäck: Schlafanzug, Zahnbürste und Atemmaske. Er ist einer von vier Patienten, die in dieser Nacht im Schlaflabor übernachten. Damit sind alle Plätze belegt. "Insgesamt verfügen meine Kollegen und ich in unseren Laboren in Cottbus, Luckau, Forst und Elsterwerda über 19 Schlafplätze. Trotzdem gibt es Wartezeiten von bis zu fünf Monaten. Der Bedarf ist riesig", sagt Dr. Käßner. Obwohl jeder Patient ein Einzelzimmer bekommt, hat das Schlaflabor nicht viel mit einem Hotel gemeinsam. Die Einrichtung der Zimmer ist schlicht. Dafür gibt es jede Menge Technik. In einer Ecke ist eine Infrarotkamera montiert, die den Schlaf der Patienten aufzeichnet. Hinzu kommen Überwachungsgeräte, die zum Beispiel die Hirnströme, die Sauerstoffsättigung des Blutes, Herz-Kreislauf-Funktionen und die Schnarchgeräusche der Patienten messen. Letztere können bis zu 70 Dezibel laut werden. Das entspricht dem Geräusch eines Rasenmähers. "Insgesamt werden über 40 Parameter erfasst und ausgewertet", erklärt Dr. Käßner.

Wolfgang Schmidt kennt das Prozedere schon. Geduldig lässt er sich von Schwester Isabel "verkabeln", während Schwester Aileen am Empfang die Chipkarte einer eben eingetroffenen Patientin in den Computer einliest. "Es fällt mir nicht schwer, mit dem Brustgurt und der Atemmaske einzuschlafen. Ihr Rauschen wirkt auf mich wie eine Schlaftablette", versichert der ältere Herr. Kurz darauf geht das Licht in seinem Zimmer aus.

Die Lampen im Empfangszimmer werden bis zum Morgen brennen. Dort wird Schwester Aileen, die in dieser Nacht Dienst hat, die vier Computerbildschirme im Blick behalten, die die Messdaten der Schläfer anzeigen. Sechs Stunden müssen die Patienten in der Nacht mindestens schlafen, damit ausreichend aussagekräftige Daten zusammenkommen. Unterdessen wird Schwester Aileen die Zeit nicht lang. "Es gibt immer etwas zu tun. Deshalb fällt es mir nicht schwer, wach zu bleiben", sagt die junge Frau. Den versäumten Schlaf könne sie nachholen, wenn ihre Schicht morgens zur Frühstückszeit endet und auch die Patienten das Schlaflabor wieder verlassen haben. Damit das Praxisteam die Nachtschichten nicht ebenfalls mit Schlafstörungen bezahlt, wechseln sich die Schwestern ab. "Wenn der Schlafrhythmus über lange Zeit gestört wird, kann sich das negativ auf die Gesundheit auswirken", bestätigt Dr. Käßner.

Schlafstörungen werden nicht nur durch Atemstillstände wie bei Wolfgang Schmidt ausgelöst. "Es gibt ganz unterschiedliche Ursachen. Zu uns kommen auch Menschen mit Ein- und Durchschlafstörungen, Patienten mit unruhigen Beinen oder Schlafwandler", sagt Dr. Käßner. Das Hauptklientel stellten aber die Patienten mit Schlafapnoe. Ihnen könne, sobald die Diagnose steht, rasch geholfen werden. "In den meisten Fällen verhilft die Schlafmaske den Betroffenen wieder zu einem erholsamen Schlaf und einer besseren Gesundheit. Forschungsergebnisse zeigen, dass die Lebenserwartung der Patienten, deren Schlafapnoe erkannt und adäquat behandelt wird, im Durchschnitt um zehn Jahre steigt", sagt Käßner.

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