ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:19 Uhr

Gedenkfeier in Kolkwitz
Blumen für berühmten Kolkwitzer

 Kolkwitzer, Wenden und Freunde der wendischen Sprache ehrten Pfarrer Johann Friedrich Fritze an dessen 200. Todestag an seinem Grab auf dem Gelände der evangelischen Kirche in Kolkwitz.
Kolkwitzer, Wenden und Freunde der wendischen Sprache ehrten Pfarrer Johann Friedrich Fritze an dessen 200. Todestag an seinem Grab auf dem Gelände der evangelischen Kirche in Kolkwitz. FOTO: Marion Hirche
Kolkwitz. in Kolkwitz hat eine Kranzniederlegung zum 200. Todestag von Pfarrer Johann Friedrich Fritze stattgefunden. Er ist Übersetzer des Alten Testaments ins Wendische. Von Marion Hirche

In dieser Woche wurde einer der berühmtesten Kolkwitzer gewürdigt: Pfarrer Johann Friedrich Fritze. Am 15. Januar jährte sich sein Todestag zum 200. Mal. Der gebürtige Kolkwitzer hat das Alte Testament in die wendische Sprache übersetzt. 1796 ist diese Übersetzung erschienen.

„Unser Fryco hat damit die Idee von Martin Luther, dass jeder Mensch die Bibel in seiner Muttersprache lesen kann, für  sein Volk umgesetzt“, würdigte Pfarrerin Katharina  Köhler, sorbisch/wendische Seelsorgerin, bei der Andacht am Grabstein von Johann Friedrich Fritze auf dem Kirchengelände in Kolkwitz dessen Vermächtnis. Mitglieder der Kirchengemeinde legten Kränze nieder.  Einige von ihnen trugen die wendische Kirchgangstracht. Unter den Teilnehmern war auch der Kolkwitzer Bürgermeister Karsten Schreiber.

Johann Friedrich Fritze wurde am 20. September 1747 als Pfarrerssohn in Kolkwitz geboren. In Cottbus und Lübben besuchte er das Gymnasium,  studierte Evangelische Theologie in Halle/Saale. An der Saale wurde er Lehrer an der Schule des Waisenhauses der Franckeschen Stiftungen. Seit 1769 war der Kolkwitzer Subdiakon und Rektor der Stadtschule in Vetschau. 1773 wurde Fritze Pfarrer in Kahren. In seinen Geburtsort Kolkwitz kehrte er 1778 als Pfarrer zurück und war damit auch für Gulben zuständig. Neben seiner Bibelübersetzung leistete der Pfarrer generell eine außergewöhnliche Arbeit für den Erhalt seiner Muttersprache.

Anlässlich des Jubiläums wurde am Dienstag in der Kirche eine umfangreiche Ahnentafel von Johann Friedrich Fritze vorgestellt. Darin sind Verwandte des berühmten Kolkwitzers bis zurück ins 16. Jahrhundert verzeichnet. Ur-Ur-Großeltern bis zu den Urenkeln sind hier akribisch festgehalten. Claus-Gerhard Dammann hat in den zurückliegenden vier Jahren die Fakten dafür zusammengetragen. „Pfarrer Klaus Natho kam auf mich zu und hat gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die Ahnentafel zusammenzutragen. Da ich schon einmal Ahnenforschung für meine Frau betrieben hatte, habe ich zugesagt“, war von dem 73-Jährigen zu erfahren. Intensiv hat er in Archiven und Kirchenbüchern geforscht, hat die Fakten über die Großfamilie, die sehr wesentlich das Kirchenleben im Süden Brandenburgs mitgestaltete, zusammengetragen. Weit über 200 Namen reihen sich dicht an dicht aneinander. Darunter auch berühmte Persönlichkeiten wie die Familie Lipius, der die Apotheke am Cottbuser Altmarkt (heute Apothekenmuseum) gehörte, oder wie der Urgroßvater, einst Bürgermeister von Cottbus.

„Ich bin heute hierher gekommen, weil ich im weitesten Sinn mit Johann Friedrich Fritze verwandt bin. Ein Familienmitglied von mir hat der Kolkwitzer Kirche auch das Bild gegeben, das jetzt hier in der Kirche von Fritze zu sehen ist“, begründete Trachtenschneiderin Doris Heinze aus Sielow ihr Kommen.

Im Rahmen des Gemeindefestes der Kolkwitzer Kirche am Pfingstsonntag, 9. Juni, soll Johann Friedrich Fritze noch einmal gewürdigt werden. Dann wird eine Broschüre erscheinen, in der es um das Lebenswerk des Pfarrers geht und in der die Ahnentafel enthalten sein wird. Ein Student erarbeitet Wissenswertes zum Lebenswerk des berühmten Kolkwitzers.