(noh) „Wir haben ein boomendes Berliner Umland und zugleich viele ländliche Räume mit Bevölkerungsrückgang“, beschreibt Ines Jesse, Staatssekretärin im Brandenburger Infrastrukturministerium, die Herausforderungen, vor denen Brandenburg steht, wenn es um die Mobilität der Zukunft geht. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) muss in Potsdam oder Cottbus völlig anders organisiert werden als in Elbe-Elster. Zugleich gilt es, die Entwicklung des autonomen Fahrens aufzugreifen und auf die Nachhaltigkeit von Mobilität zu achten. Wichtig ist die Verbindung der Großstädte mit dem ländlichen Umland. So pendeln täglich mehr als 200 000 Brandenburger nach Berlin zur Arbeit, umgekehrt kommen rund 70 000 Berliner nach Brandenburg. Das Land hat schon zehn Millionen Zugkilometer jährlich mehr beauftragt. „Wir haben allerdings zu wenig Infrastruktur, um noch mehr Zugkilometer zu bestellen“, erklärt Jesse. In Südbrandenburg betrifft das zum Beispiel die Strecke Cottbus-Berlin. Deshalb hat sich das Land entschieden, in Vorleistung zu gehen und die Kosten für die Planungen des zweigleisigen Ausbaus der Strecke Lübbenau-Cottbus zu übernehmen. Der ist aktuell nicht im Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Aber, so die Hoffnung, im Zusammenhang mit den Investitionen des Bundes in den Strukturwandel der Lausitz kann das Projekt umgesetzt werden, wenn fertige Planungen vorliegen. „Wir wollen auch den Bahnhof in Königs Wusterhausen ausbauen und die Züge enger takten“, erklärt Jesse.

Auch für den Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch hängen Strukturwandel und Mobilität zusammen. Er fordert – neben der direkten Anbindung an den Flughafen BER – eine bessere Vernetzung der Stadt mit dem Fernverkehr, vor allem in Richtung Polen. Zugleich kritisiert er, dass wegen der Weigerung süddeutscher Bundesländer, ihre Zugtaktungen zu verändern, die Brandenburger Anbindungen an die neue ICE-Strecke Berlin-München schlecht funktionieren.

Hervorgehoben wurde die Bedeutung des ÖPNV für die Stadtentwicklung. So sprach sich Kelch dafür aus, die Straßenbahn bis zum Cottbuser Ostsee zu führen, um dort künftige Wohngebiete attraktiv anzubinden.

Einig waren sich die Teilnehmer, dass der Individualverkehr mit dem Pkw an seine Grenzen stößt. „Aber der ganze ländliche Raum ist auf Individualverkehr angelegt“, stellt Alexander Lengstorff Wendelken, Geschäftsführer des Transportunternehmens TSS GmbH in Schwarze Pumpe, fest. Daher brauche es mutige Visionen und auch schnelle Entscheidungen der Behörden.

Um da voranzukommen, hat das Brandenburger Infrastrukturministerium für 2019 eine neue Richtlinie „Innovative Mobilitätskonzepte“ vorbereitet. Darüber sollen unter anderem Pilotprojekte für „On-Demand-Angebote“ auf dem flachen Land finanziert werden.