Die 107-Jährige zeigte sich fit, läuft noch jeden Tag auf den Gängen des Senioren-Wohnparks in der Peitzer Straße herum, isst mit den anderen Bewohnern.
Dem Jubiläumsrummel begegnete die Veteranin mit Selbstironie. "Was macht ihr für Aufwand um mich alte Krähe" , sagte sie nach den Reden der Gratulanten von Stadt, Heimleitung und anderen Offiziellen. Gerührt war sie dennoch, studierte die Texte der Grußschreiben von Oberbürgermeisterin Karin Rätzel und Ministerpräsident Matthias Platzeck. "Da steht doch nicht etwa dasselbe drin" , hatte sie skeptisch und interessiert gefragt, ehe sie die Grüße durch die Brille betrachtete.
Den Geburtstagsscheck quittierte die 107-Jährige selbst, ließ sich auch überreden, die rosenverzierte Torte selbst anzuschneiden. "110 will ich noch werden" , versprach sie dabei. Lieber als die Reden war der ältesten Cottbuserin, die seit 1982 im Heim lebt, der Gesang der Gruppe "Two Generations" . Sie trug zur Gitarre Geburtstags-, Weihnachts-, Winter- und Volkslieder vor. "Da freut sich die alte Krähe" , meinte Frau Cegilsky zu den Präsentkörben und dem Fläschchen Holunderlikör, von dem sie laufen werde wie ein Reh, wie der Nachbar augenzwinkernd wünschte.
Die Köchin aus Neustadt in Westpreußen war als Dienstmädchen "in Stellung" , bevor ihr der Zweite Weltkrieg Mann und Heimat nahm. 1945 kam sie auf der Flucht nach Cottbus, führte einer Arztfamilie den Haushalt, arbeitete als Stickerin und in anderen Berufen, ging mit 70 in Rente. Die Heimbewohner wurden ihr zur zweiten Familie, von der ersten blieb nur eine Großnichte.
Vor zwei Jahren konnte man Frau Cegilsky noch bei Spaziergängen begegnen. Ihr Zimmer hält sie noch heute sauber, kommt ohne Pflegestufe aus. Täglich die RUNDSCHAU lesen und alte Filme mit Theo Lingen und Hans Moser ansehen sind ihre Passion. (ru)