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100 Oldtimer in der Lausitz unterwegs

Joachim Schmelling aus Kolkwitz nimmt mit seinem BMW 327 Cabrio an der ADAC Landpartie Classic teil.
Joachim Schmelling aus Kolkwitz nimmt mit seinem BMW 327 Cabrio an der ADAC Landpartie Classic teil. FOTO: Hannelore Grogorick
Cottbus. 100 Teams brechen am 8./9. September zur ADAC Landpartie Classic auf, um von Cottbus aus die Lausitz und den Spreewald im Zeichen von Entspannung, Genuss und Entschleunigung zu erleben. Mit dabei auch Joachim Schmelling aus Kolkwitz mit seinem BMW 327 Cabrio. Hannelore Grogorick

Sie sind beide betagt, und sie strahlen beide an fast jedem Wochenende um die Wette. Joachim Schmelling aus Kolkwitz wurde im Jahr 1942 geboren. Sein strahlend schöner BMW 327 Cabrio stammt aus dem Jahr 1940. Bei der ADAC Landpartie Classic 2017 am kommenden Freitag und Samstag gehören sie mit zum Tross der 100 Oldtimer.

Technik und Joachim Schmelling, das gehört wohl zusammen. "Ich hatte schon als Kind technische Visionen", sagt Schmelling. In den 60er-Jahren fuhr er in Zschopau auf einer MZ RE Rennen - bis zu einem Unfall im Jahr 1973. Da war er bereits seit sieben Jahren mit seiner Karin verheiratet, und sie hielt es für angebracht, dass ihr Mann auf weitere Rennen verzichtet. Schließlich wollte sie ihn ja noch lange bei sich haben ...

Auf seine geliebte Technik musste Schmelling deswegen nicht verzichten. Er war ja im Jahr 1966 Kfz-Handwerksmeister geworden. In Cottbus hatte er sich zwar die Hacken abgelaufen, um sich selbstständig machen zu dürfen. Erst der damalige Bürgermeister Plössel aus Peitz gab ihm die Möglichkeit dazu. Schmelling gründete eine Vertragswerkstatt für Moskwitsch, im Jahr 1972 kam der Shiguli, der sich später Lada nannte, dazu. Seit der Wende, also ab 1989, prangen über seinem Firmensitz an der Straße zwischen Kolkwitz und Cottbus die Logos von VW, Audi und Skoda.

Mittlerweile haben die Töchter Antje und Kathrin das Autohaus übernommen. Da fand ihr Vater endlich Zeit, um seinen "Schrott" in Form zu bringen. "Ich war all die Jahre zuvor ein wahrer Jäger und Sammler gewesen", sagt Schmelling und lacht. Er nahm sich also seine Fragmente eines BMW 327 Cabrio vor, schraubte und fummelte und puzzelte. Suchte landesweit nach noch fehlenden Teilen. Bog sich manches Werkstück selber krumm oder gerade. Schleifte, drehte und polierte. Und hatte sein Schmuckstück in glänzendem Rot und Schwarz im Jahr 2010 fertig. Mit 120 km/h sind Joachim und Karin Schmelling seitdem regelmäßig auf Deutschlands Landstraßen und auch im Ausland unterwegs. 5000 Kilometer "schrubben" sie pro Jahr weg, sagt er.

Wenn es gemächlicher gehen soll, dann fährt das Ehepaar auch mal in seinem BMW Dixi Cabrio, Baujahr 1929, vor. Dieses glanzvolle altehrwürdige Exemplar macht 60 km/h und hat es erst am vergangenen Wochenende auf eigener Achse nach Großschönau zu einem Treffen von Fahrzeugen bis zum Baujahr 1939 geschafft. Zu diesen beiden Raritäten gesellt sich in Schmellings Garage noch ein ebenso gepflegter Wartburg Cabrio aus dem Jahr 1957. "Wenn du aus dem ganzen Blech, das du in den Jahrzehnten gesammelt hast, noch was machen willst, dann musst du hundert Jahre alt werden, sagt meine Frau." Joachim Schmelling schmunzelt dazu wohlwollend. Er hat wohl auch genau das vor ...

Seine betagten Fahrzeuge können all das, was die modernsten tun. "Seit 1930 sind die Autos perfekt. Seitdem werden sie nur weiter mechanisiert und verfeinert", behauptet Schmelling. Für ihn ist es kein Problem, mit Choke, knarrendem Blinker und langstieligem Schaltknüppel umzugehen. Und - natürlich - auch auf Reisen unter der Motorhaube nach dem Rechten zu sehen.

Aber auf Reisen sind die Schmellings zumeist inmitten von Gleichgesinnten. Im Oldtimerclub Spremberg seien fast 100 Leute aus nah und fern mit ihren Schmuckstücken vereint.

Etlichen davon werden die Schmellings wohl am Freitag und Samstag begegnen bei der ADAC Landpartie Classic. Denn das Teilnehmerfeld ist breit gefächert. Neben seltenen Vorkriegswagen bietet die diesjährige Veranstaltung mit Jaguar, Aston Martin, Rolls Royce und Bentley auch den großen englischen Marken eine Bühne. Herausragende italienische Hersteller wie Ferrari, Maserati, Lancia oder Intermeccanica finden sich ebenfalls wieder. Stark vertreten sind auch die amerikanischen Klassiker wie Buick, Cadillac, Chevrolet, Dodge und Hudson, die sich insbesondere unter den Oldtimer-Fans Brandenburgs großer Beliebtheit erfreuen. Deutsche Fahrzeuge von Glas und DKW sowie klassische DDR-Wagen dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Die Zuschauer an der Strecke und an den Wanderpunkten können sich somit also auf über 85 Jahre der Automobilkunst freuen, die von ihren einzigartigen Geschichten lebt.

Zeit- und Streckenplan der ADAC Landpartie Classic

Freitag, 8. September 2017

ab 08.00 Uhr: Cottbus, am Staatstheater - technische Abnahme der Klassiker

11.00 - 12.30 Uhr: Cottbus, vor dem Staatstheater - moderierter Start von 100 Oldtimern

12.00 - 14.30 Uhr: Altdöbern, Am Markt

13.00 - 16.00 Uhr: Welzow, excursio Besucherzentrum

15.00 - 17.30 Uhr: Hornow, Confiserie Felicitas

16.00 - 18.00 Uhr: Cottbus - Zieleinfahrt am Radisson Blu Hotel

Samstag, 9. September 2017

9.00 - 11.00 Uhr: Peitz, Hütten- und Fischereimuseum

10.30 - 13.30 Uhr: Neuzelle, Stift Neuzelle - Fahrzeugbewertung durch eine Fachjury beim Concours d'Elégance

13.00 - 14.30 Uhr: Lieberose, Schloss Lieberose

15.00 - 16.45 Uhr: Burg, Spreewaldbahnhof

16.00 - 17.30 Uhr: Cottbus Altmarkt - moderierte Zieleinfahrt mit Band

http://adac-landpartieclassic.de