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| 18:23 Uhr

Interview mit Ulrike Menzel
Ich sehe mich vor allem als Brückenbauerin

 Superintendentin Ulrike Menzel am Eingang der Superintendentur in der Cottbuser Gertraudenstraße.
Superintendentin Ulrike Menzel am Eingang der Superintendentur in der Cottbuser Gertraudenstraße. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Superintendentin Ulrike Menzel kann auf zehn Jahre an der Spitze des Evangelischen Kirchenkreises Cottbus zurückblicken. Von Nils Ohl

Pfarrerin Ulrike Menzel ist seit dem 1. September 2009 Superintendentin im Evangelischen Kirchenkreis Cottbus. Demnächst, am 31. August, endet ihre zehnjährige Amtszeit. Im RUNDSCHAU-Interview gibt sie dazu einen Aus- und Rückblick.

Frau Menzel, was macht eine Superintendentin eigentlich?

Menzel Sie sorgt für den Zusammenhalt innerhalb des Kirchenkreises mit seinen 31 Kirchengemeinden, 1700 ehren- und hauptamtlich Aktiven sowie 24 000 Gemeindegliedern. Ich bin Dienstvorgesetzte der Pfarrerinnen und Pfarrer im Kirchenkreis. Dazu kommt die Gesamtverantwortung für Gemeindepädagoginnen, Jugendmitarbeiter, Kindertagesstätten, Freizeitheime und anderes. Es gilt, den Kirchenkreis nach außen zu vertreten und sich um die Verwaltung zu kümmern. Ich bin auch Pfarrerin und predige gern, um den Menschen Mut zu machen. Letztlich sehe ich mich vor allem als Brückenbauerin.

Das klingt nach einem sehr herausfordernden Job. Was war Ihre Motivation, diese Stelle anzutreten?

Menzel Mich hat damals Generalsuperintendentin Asmus angesprochen. Zunächst habe ich Nein gesagt, weil ich nach dem Ende der Elternzeit meines Mannes wieder mehr Zeit für unseren damals zweijährigen Sohn haben wollte. Aber mein Mann hat mir Mut gemacht, mich dem Gespräch zu stellen, und gesagt: Wenn du gewählt wirst, bleibe ich zu Hause. Ich dachte nicht, dass ich tatsächlich gewählt werde. Zunächst traute ich mir das Amt nicht zu. Doch ich wuchs hinein. Da hat sich mein Konfirmationsspruch wieder bewährt: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der Herr allein lenkt seinen Schritt.“ (Sprüche 16,9)

Was hatten Sie sich für Ihre Amtszeit vorgenommen?

Menzel Ich bin nicht mit einem fertigen Plan ins Amt gegangen, fand es aber wichtig, mehr für den Zusammenhalt zwischen den einzelnen Gemeinden des Kirchenkreises und in der Lausitz zu tun. Ein Höhepunkt hierbei war der Lausitz-Kirchentag 2015 in Cottbus. Ein anderer, dass es Kerkwitz als kleines Dorf 2017 in den „Europäischen Stationenweg“ zum 500. Jahrestag der Reformation geschafft hat - neben Städten wie Berlin oder Stockholm. Da war die ganze Region auf den Beinen. Auch organisatorisch sind wir vorangekommen. Ab 1. Januar 2020 wird die Region Spremberg zum Kirchenkreis Cottbus gehören. Das bringt mit sich, dass dann die Personalkosten nicht mehr in die Gemeinden durchgebucht, sondern im Kirchenkreis gebündelt werden. Diese Entscheidung nach kontroverser, konstruktiver Diskussion freute mich besonders. Damit sind Stellenbesetzungen in Zukunft flexibler möglich - was  die Gewinnung neuer Mitarbeitenden erleichtert, auch angesichts der demographischen Entwicklung.

Mit welchen Sorgen sind die Kirchenmitglieder  besonders oft zu Ihnen gekommen?

Menzel Wie werden wir in Zukunft unser Gemeindeleben und unsere Kirche erhalten können? Bekommen wir noch genug Pfarrerinnen und Pfarrer in unsere Gegend? Was  können wir für junge Familien, Jugendliche und Kinder tun?

Was hat die Menschen vor zehn Jahren bewegt und was hat sich seitdem verändert?

Menzel Vor zehn Jahren kam mir überall der Schmerz entgegen, dass die jungen Leute der Arbeit hinterherzogen. Das hat nachgelassen. Jetzt kommen sogar Menschen dauerhaft zurück und lassen nicht nur ihre Kinder zu Hause taufen.

Welche Dinge Ihrer Amtszeit waren denn besonders schön?

Menzel Es ist viel Leben  in der Kirche. Auch kleine Gemeinden feiern tolle Gottesdienste und sind aktiv. Ein Beispiel ist die Erlebniskirche. Bei solchen Gelegenheiten zeigen die Dörfer ihre Schätze - Feuerwehrfahrzeuge, Imkerei und am Ende wird manchmal sogar Annemarie-Polka in der Kirche getanzt. Die über 50 Kirchen im Kirchenkreis sind auch architektonische Schätze und ich finde es toll, wie Menschen sich um den Erhalt ihrer Kirchengebäude kümmern..

Was sehen Sie als die  besonderen Projekte Ihrer Amtszeit an?

Menzel Sehr froh bin ich, dass wir eine Lösung für die Schlosskirche gefunden haben. Diese Kirche hatte schon lange keine eigene Gemeinde. Dass sie seit 2015 die erste Synagoge in Brandenburg nach 1945 ist, sehe ich als Gewinn für Cottbus. Der ZDF-Fernsehgottesdienst zum Ewigkeitssonntag 2017 in der Oberkirche war ein Erlebnis - und mit seinen 800.000 Zuschauern eine gute Werbung für Cottbus. Auch freue ich mich, dass wir die Beziehungen zu den evangelischen Gemeinden der Diözese Breslau ausbauen konnten. Der christliche Glaube verbindet uns über Grenzen hinweg.

Warum haben Sie sich nicht um eine zweite Amtszeit beworben und wechseln dafür ab September als Theologischer Vorstand zu den Samariteranstalten Fürstenwalde?

Menzel Der Abschied fällt nicht leicht, doch es gibt zwei gute Kandidaten für die Nachfolge, über die ich mich freue. Ich hätte noch einmal kandidieren können. Doch ich halte es mit der biblischen Weisheit „Alles hat seine Zeit“, und familiär passt eine Veränderung jetzt auch gut. Unser Sohn kommt in die 7. Klasse und muss sowieso die Schule wechseln. Mein Mann fängt am 1. September als neuer Studentenpfarrer in Frankfurt (Oder) an.

Was bleibt für Sie von der Zeit in Cottbus?

Menzel Ich bin sehr dankbar für die Menschen, die ich hier kennenlernen konnte. Ich werde weiter mit großem Interesse den Strukturwandel und die Entwicklung der Lausitz verfolgen – und auch in Fürstenwalde Energie Cottbus die Daumen drücken.