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| 16:20 Uhr

Prozess in Cottbus
Wiederholungstäter in Sachen Kinderpornografie

 Aus dem Gericht
Aus dem Gericht FOTO: dpa / Swen Pförtner
Cottbus. Selbst in der Haft konnte Martin N. nicht von verbotenen Bildern und Videos lassen. Deshalb steht er jetzt in Cottbus vor Gericht.

Martin N. (31) ist sicher nicht der schlauste Mann, der je in Lausitzer Gefängnissen gesessen hat. Diese Woche musste sich der gebürtige Lauchhammerander wegen des Besitzes und Vertreibens von kinderpornografischen Schriften vor dem Cottbuser Amtsgericht verantworten. Dabei sitzt er bereits seit 2014 in Duben, Dresden und Spremberg in Haft – wegen mehrere Betrügereien und wegen des Besitzes von Kinderpornografischen Darstellungen.

„Ich war blöd“, sagt Martin N. Denn kurz bevor er seine Haft vor fünf Jahren antreten musste, wollte er sein Handy verkaufen. Die Dateien darauf wollte er allerdings sichern und zog sie auf eine Speicherkarte – die er dann mit ins Gefängnis nahm. Er legte die Karte mit diversen kinderpornografischen Dateien in sein Portemonnaie, das für ihn bis zum Ende der Haftzeit aufbewahrt werden sollte.

In verschiedenen Chat-Gruppen unterwegs

Zwei Jahre saß dann unbehelligt  Martin N. ab, zuletzt im offenen Vollzug in Spremberg. Tagsüber arbeitete er in der Papierfabrik, nachts schaute er sich Videos und Bilder an, inzwischen auf einem neuen, illegal besorgten Handy. „Ich war in verschiedenen Chatgruppen unterwegs“, erzählt er vor Gericht. In einer Gruppe habe es ein Video zum Downloaden gegeben.

„Sexuelle Handlungen von Kindern unter 14 Jahren“, sagt der Staatsanwalt nüchtern. Martin N. wollt sich das Video herunterladen, drückte aber, so sagt er, auf einen falschen Knopf und leitete den Film in eine Chatgruppe mit knapp 1500 Mitgliedern weiter. „Ein Versehen“, sagt der Angeklagte. Dieses Versehen wurde ihm zum Verhängnis: Ein Mitglied der Gruppe meldet das Video bei der Polizei. Die Beamten kamen Martin N. auf die Spur und durchsuchten seine Habseligkeiten.

280 Bilder und 30 Videos

Dabei fanden die Beamten sowohl die alte Speicherkarte wie auch einschlägige Dateien auf dem neuen Handy, das er in seiner Zelle unter dem Papierkorb versteckt hatte.

„Insgesamt handelt es sich um 280 Bilder und 30 Videos“, so der Staatsanwalt. Immer seien Kinder zu sehen, immer gehe es um Sex, oft verbunden mit Fesselungen und Knebelungen.

Martin N., gelernter Verkäufer, hatte bereits 2012 erste Kontakte mit der Justiz. Damals wurde er wegen diverser Betrügereien zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. 2014 dann die zweite Verurteilung. „Ich war blöd“, sagt er erneut. „Ich habe die Polizisten selbst noch auf meine Festplatte aufmerksam gemacht, die mit den Dateien.“ Seine Betrügereien und die Kinderpornografie brachten ihm damals vier Jahre ein, die inzwischen abgesessen sind. Derzeit verbüßt er die Strafe seiner ersten Verurteilung ab, die Bewährung hatte er verwirkt.

Mehrere Therapieversuche

Im Gefängnis habe er mehrfach versucht, eine Therapie anzufangen, sagt er vor Gericht. Nach fünf Stunden habe der Psychologe abgebrochen: Martin N. meine es nicht wirklich ernst mit der Therapie. Die Anwältin des Angeklagten sieht darin ein Versagen des Staates. „Die Insassen in Duben brauchen mehr psychologische Hilfe.“ Die Richterin allerdings sagt: „Wenn sich Martin N. auch in der Haft immer wieder Kinderpornografie  beschafft, sehe ich keinen Therapiewillen.“

Sie wertet es als „dreiste Handlungsweise“, dass er seine Dateien mit in die Haft in Spremberg geschmuggelt habe. „Gerade weil Sie schon wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften einsitzen.“ Sie mahnt: „Das sind nicht bloß Bilder oder Filme, dahinter stecken wahre Geschichten, dort werden wirklich Kinder missbraucht.“

Sie folgt dem Antrag der Staatsanwaltschaft, verurteilt Martin N. zu einem Jahr und acht Monaten. Wegen Verfahrensverzögerungen gelten vier Monate bereits als abgesessen.

(hil)