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| 19:37 Uhr

Entwarnung!
Wildverzehr ist weiterhin unbedenklich

Vor wenigen Tagen fand bei Pinnow eine der größten Treibjagden in der Region statt. Das geschossene Wild wurde fachgerecht zerlegt und auch sorgfältig untersucht. Die Jäger und Förster konnten Entwarnung geben: alles okay.
Vor wenigen Tagen fand bei Pinnow eine der größten Treibjagden in der Region statt. Das geschossene Wild wurde fachgerecht zerlegt und auch sorgfältig untersucht. Die Jäger und Förster konnten Entwarnung geben: alles okay. FOTO: LR / Jenny theiler
Pinnow. Die Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest in Belgien macht auch den Brandenburgern Sorgen. Einen handfesten Grund, Wildfleisch in Zukunft zu meiden, gebe es jedoch nicht, wie auch Förster und Veterinärmediziner versichern. Von Jenny Theiler

Wildfleisch gehört zu den saubersten Lebensmitteln, die wir in der Region bekommen können. Es stammt von Tieren, die in natürlicher Umgebung aufgewachsen sind, die nie einer Mastfütterung unterzogen oder im Käfig gehalten wurden. Fleisch vom Rot- oder Schwarzwild hat einen hohen Eiweißanteil und ist reich an Eisen, Vitaminen und Mineralstoffen. Das betonen Brandenburgs Jäger und Förster in diesen Tagen immer wieder. Anfang des Monats wurde im Landkreis Spree-Neiße eine der größten Treibjagden der Saison abgehalten. Rehe, Wildschweine und ein Hirsch wurden fachgerecht erlegt, abgehängt und vor allem sorgfältig untersucht. So wie es bei jeder Jagd üblich ist.

Dennoch ist die Nachfrage bei Wild aus der Region momentan vergleichsweise gering – und das trotz hoher Fleischqualität und recht niedriger Preise. „Die Kilopreise variieren und bewegen sich zwischen 1,50 Euro für Wildschwein und knapp fünf Euro für Rehwild“, sagt Arne Barkhausen von der Landeswaldoberförsterei Peitz. Trotzdem könnte der Handel mit dem wilden Fleisch in der Lausitz besser laufen. Der Grund für das eingeschränkte Interesse an Wild sei zum einen der eigentümliche Geschmack, der nicht jedermanns Sache sei und zum anderen die Angst vor der afrikanischen Schweinepest, die sich in Belgien ausbreitet.

Fälle von afrikanischer Schweinepest hat es in Brandenburg noch nie gegeben und auch bundesweit gibt es die Seuche nicht. Dennoch sei die Situation angespannt, da es seit den vergangenen Jahren einen deutlichen Wildschweinüberschuss in Brandenburg gibt und sich mögliche Tierkrankheiten dadurch auch schneller ausbreiten können, gibt der Amtstierarzt des Landkreises SPN Helfried Kröber zu bedenken. Grund zur Panik gebe es trotzdem nicht. Außerdem werden Wildschweine derzeit stärker bejagt, um die Population einzugrenzen.

„Nach jeder Jagd werden Proben aus dem Wildbret entnommen und durch das Veterinäramt gründlich untersucht. Zudem sind die Jäger in der Region darauf geschult, Merkmale von kranken Tieren sofort zu erkennen“, sagt der Amtstierarzt. Sollte bei den regionalen Wildtieren dennoch ein auffälliges Verhalten beobachtet werden, würde man sofort ein Überwachungsgebiet im Revier schaffen, um die Ausbreitung einer potenziellen Gefahr zu verhindern.

Routinemäßig wird jedes Wildschwein nach der Jagd zusätzlich auf Trichinen-Befall getestet. Dabei handelt es sich um einen Parasiten, der hauptsächlich durch Ratten oder Schweine übertragen wird. Aktuelle Fälle von Trichinellose bei brandenburgischen Wildschweinen liegen dem Landkreis jedoch nicht vor. „Statistisch gesehen gibt es pro Jahr vielleicht zwei bis drei Fälle von infizierten Tieren in ganz Brandenburg“, sagt Helfried Kröber. „Bei knapp 60 000 bis 70 000 Wildschweinen, die es in Brandenburg gibt, ist das eine hervorragende Quote“, ergänzt Revierförster Stefan Rescher aus dem Revier Drebkau-Casel.

Für den Menschen ist das Virus, das die afrikanische Schweinepest auslöst, nicht gefährlich, ebensowenig, wie der Verzehr von infiziertem Fleisch. „Lediglich der Geschmack des Fleisches wird durch die Erkrankung beeinträchtigt. Aber das Virus geht an den Menschen nicht ran“, sagt der Amtstierarzt. Zudem werden die Tiere durch qualifizierte Jäger fachgerecht erlegt, wodurch auch die Bildung von anderen Bakterienkulturen durch die Verwesung unterbunden werde.

„Der bakterielle Verwesungsprozess setzt bei Wildtieren sehr schnell ein. Deswegen müssen die Tiere, unmittelbar nachdem sie geschossen wurden, aufgebrochen und ausgenommen werden“, sagt der Amtstierarzt. Damit werde die Fleischhygiene geschützt und das Einwandern von Darmbakterien in das Muskelgewebe verhindert. Alle Tiere, die bei der Treibjagd erlegt wurden, sind noch vor Ort aufgebrochen worden, bevor man sie an der Waldschule Pinnow abgelegt hat.

Bei der Treibjagd Anfang  Dezember waren rund 100 Jäger, 30 Hunde und 30 Treiber auf einer Waldfläche von rund 1500 Hektar im Bereich zwischen Pinnow und Staakow unterwegs, wie Henrik Schur, Sachgebietsleiter der unteren Jagdbehörde des Landkreises SPN bestätigt. Insgesamt sind 55 Tiere erlegt worden. Für die Trichinenuntersuchung werden Stücke des Muskelgewebes aus den Beinen der Wildschweine entfernt. Die Proben werden anschließend vom Veterinäramt untersucht. Dieser Test wird nur bei Allesfressern durchgeführt. Bei Rehen und Hirschen genügt das geschulte Auge der Jäger, die schon bei der Jagd sofort erkennen können, ob ein Tier krank ist oder nicht. „Außerdem kann ein qualifizierter Jäger das Tier erlegen, ohne dass es unnötig leidet. Das ist für viele Verbraucher auch ein gutes Argument dafür, mehr Wild zu essen. Bei Massentierhaltung ist das anders“, sagt Revierförster Stefan Rescher.

Die Jäger und Förster, die an der Treibjagd beteiligt waren, sind zufrieden. „Alle Tiere aus der Strecke sind gesund, das Fleisch ist sauber und konnte sofort an den Wildhändler weitergegeben werden. Diese Jagd war äußerst erfolgreich“, sagt Arne Barkhausen. Es habe nach der Jagd sogar einen ersten Ansturm auf die Strecke gegeben. Dennoch würden sich die Jäger freuen, wenn das Interesse an Wildfleisch das ganze Jahr über konstant bleibe. „Wild gibt sicherlich einen besonderen Weihnachtsbraten ab. Deswegen muss man den Rest des Jahres aber nicht darauf verzichten, denn es ist nicht nur ein regionales Produkt, sondern ein qualitativ hochwertiges Lebensmittel“, sagt Amtstierarzt Helfried Kröber. Dem stimmen die anwesenden Förster und Jäger zu.