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| 22:42 Uhr

Landtagswahl in Brandenburg
Wahl-Check Bildung: Die Kitas stehen im Mittelpunkt

FOTO: LR / Janetzko, Katrin
Potsdam. Die RUNDSCHAU macht den Wahlcheck: Was hat Brandenburgs Landesregierung zum Thema Bildung bisher unternommen? Und was versprechen die Parteien jetzt im Wahlkampf? Von Benjamin Lassiwe

Es gibt ein Wort, das der SPD-Fraktionschef im Brandenburger Landtag, Mike Bischoff, in den vergangenen Jahren gefühlt öfter gebraucht hat als jedes andere Wort. Es ist die Kiez-Kita: die Kindertagesstätte in einem sozialen Brennpunkt, die vom Land aufgrund ihrer Lage eine besondere Förderung erhält. Denn kein bildungspolitisches Thema bewegte die Brandenburger SPD in den vergangenen Jahren so sehr wie die Frühförderung von Kindern in den Kindertagesstätten.

Was die Regierung bisher getan hat

Der Erzieherschlüssel – in Brandenburg liegt er bei den Unter-Dreijährigen nun bei 1:5, bei den älteren Kindern bei 1:11 – wurde ebenso verbessert, wie ein Investitionsprogramm für die Kindertagesstätten an den Start gebracht wurde. Und vor allem auf Druck der Linkspartei stellte die Landesregierung das letzte Kita-Jahr für alle Kinder beitragsfrei.

Der Opposition freilich ist das noch nicht genug: Die Bündnisgrünen etwa wollen den Betreuungsschlüssel bei Kleinkindern auf 1:3 herabsetzen, die Elternbeitragsfreiheit erweitern und mehr Kiez-Kitas schaffen. Die CDU dagegen setzt stärker als SPD und Linke Prioritäten: Statt der sofortigen vollständigen Beitragsfreiheit zielt man eher auf einen Ausbau des Personal­schlüssels. „Erst danach können wir Versprechungen wie zum Beispiel die Beitragsfreiheit machen“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Ingo Senftleben kürzlich bei der Vorstellung des 100-Tage-Programms seiner Partei.

Weniger gestritten als in den Vorjahren wurde in der Legislaturperiode dagegen um das Thema Schule. Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), die ihr Amt 2017 vom heutigen Präsidenten des Landesanglerverbandes Günter Baaske (SPD) übernahm, hat es geschafft, das Ministerium aus dem unruhigen Fahrwasser zu bekommen, in dem es sich früher oft befand. Lange öffentliche Diskussionen über Unterrichtsmethoden wie „Lesen durch Schreiben“, die Einführung der von den Linken durchgesetzten Schulzentren und die Mathematikprüfungen im Abitur fanden vorwiegend vor ihrer Zeit statt und sind heute meist vergessen.

Dabei läuft an Brandenburgs Schulen keineswegs alles rund: Die hohe Zahl der Quereinsteiger unter den neu eingestellten Lehrern beispielsweise macht vielen Experten Sorgen. Hier rächt sich, dass in der Vergangenheit nicht genügend Lehramtskandidaten ausgebildet wurden – weswegen CDU, FDP und Grüne auch über die Ausbildung von Lehrern an den Universitäten in Frankfurt (Oder) und Cottbus nachdenken. Nicht gelöst sind auch die Qualitätsprobleme: In manchen bildungspolitischen Studien hat sich Brandenburg zwar verbessert, in der erst vor Kurzem vorgestellten Studie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft allerdings belegt das Land statt des drittletzten nun den vorletzten Platz.

 Und auch die Caritas-Studie zur Zahl der Schüler ohne Abschluss sorgte kürzlich für Aufsehen – hier allerdings spielten auch die Schüler an Förderschulen, die in Brandenburg keinen anerkannten Schulabschluss erhalten, eine Rolle. Was auch dazu beitragen dürfte, dass CDU-Spitzenkandidat Ingo Senftleben sich dafür einsetzt, dass auch Förderschüler in Brandenburg künftig ein Abschlusszeugnis erhalten sollen.

Was die Parteien jetzt versprechen

SPD: Kinder sind unsere Zukunft und eine gute Bildung das Wichtigste, was wir ihnen mit auf den Weg ins Leben geben können. Deswegen: Seit 2015 wurde der Personal­schlüssel immer wieder verbessert. Die Gruppen werden noch kleiner: Perspektivisch soll eine Fachkraft drei beziehungsweise acht Kinder betreuen. Die Anzahl der Lehramtsstudienplätze wird von aktuell 650 auf 1000 erhöht und damit werden in fünf Jahren 400 mehr Lehrkräfte als heute an unseren Schulen unterrichten. Wir schaffen die Kita-Gebühren ab. Das Vorschuljahr ist beitragsfrei. Bald gilt das für alle ab drei Jahren.

Linke: Längeres gemeinsames Lernen steht im Mittelpunkt unserer Bildungspolitik. Deshalb wollen wir die Gemeinschaftsschulen ausbauen, die Lernen von der 1. bis zur 10. Klasse beziehungsweise zum Abitur an einer Schule ermöglichen. Wir wollen nicht, dass Bildungschancen vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Deshalb wollen wir die Kita- und Hort-Gebühren vollständig abschaffen und allen Kindern und Jugendlichen ein kostenloses, gesundes Mittagessen zur Verfügung stellen. Gleichzeitig wollen wir die Ausbildung von Erzieher*innen und Lehrer*innen vorantreiben.

CDU: Kinder sollen stolz darauf sein, in Brandenburg zur Schule zu gehen. Mit der CDU wird jedes Kind zur Einschulung ein Schulstarterpaket aus Ranzen, Federtasche und Fibel bekommen. Lesen, Schreiben und Rechnen sind uns besonders wichtig. Wir sind für Zensuren von Anfang an, damit Kinder lernen, dass Leistung zählt. Wir wollen alle Schulen erhalten, indem wir kleinere Klassengrößen erlauben. Den Unterrichtsausfall verhindern wir mit einer „Ausfall-Feuerwehr“, bis überall ausreichend Lehrer eingestellt sind. Dafür müssen wir mehr Lehrer ausbilden.

Grüne: Gute Bildung für jedes Kind ist eine Frage der Gerechtigkeit. Sie beginnt schon in der Kita; deshalb wollen wir die Betreuungsschlüssel weiter verbessern und die Beitragsfreiheit schrittweise ausweiten. Viele Probleme an den Schulen sind auf die schlechte Personalplanung der vergangenen Jahre zurückzuführen. Also müssen mehr Lehrer*innen ausgebildet werden. Seiteneinsteiger*innen brauchen eine Qualifizierung, bevor sie unterrichten. Die Digitalisierung muss endlich auch in den Schulen ankommen. Außerdem brauchen unsere Schulen mehr Schulsozialarbeiter*innen.

AfD: Die AfD setzt sich für ein wohnortnahes Schulangebot ein. Wir wollen die Leistungsbeurteilung mittels Zensuren und Kopfnoten ab der ersten Klasse, die MINT-Fächer massiv fördern sowie das System der Förderschulen erhalten und ausbauen. Die Meisterausbildung wollen wir kostenlos gestalten sowie die duale berufliche Bildung stärken und erhalten. Wir setzen auf die bewährten und weltweit anerkannten Abschlüsse Magister, Diplom, Staatsexamen und Diplom-Ingenieur. Hochschulen, Unternehmen und Investoren wollen wir besser vernetzen.

Freie Wähler: Ein zentraler Schlüssel zu mehr Bildungsgerechtigkeit ist eine erhöhte Durchlässigkeit der Bildungsgänge, insbesondere wenn es um Wechsel von der Oberschule nach der zehnten Klasse geht. Dieser muss wieder regelmäßig auch auf Gymnasien möglich sein. Des Weiteren braucht es mehr Modelle wie „Praxisklassen“ samt offenem Lernen und Schulkooperationen mit der Wirtschaft. Zugleich muss die Differenzierung in der Schülerbeförderung beendet werden. Die kostenlose Mitnahme im Schülerbus muss alters- und wohnortunabhängig gewährleistet sein.