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| 22:52 Uhr

Landtagswahl in Sachsen
Wahl-Check Bildung: Das Ende des Tunnels ist sichtbar

FOTO: LR / Janetzko, Katrin
Dresden. Die RUNDSCHAU macht den Wahlcheck: Was hat Sachsens Landesregierung zum Thema Bildung bisher unternommen? Und was versprechen die Parteien jetzt im Wahlkampf? Von Christine Keilholz

Sachsens Schulsystem gewinnt Preise. Neulich erst wieder beim Bildungsmonitor. In dem bundesweiten Ranking belegt der Freistaat seit Jahren verlässlich Platz eins. Sachsens 480 000 Schüler sind im Schnitt gut in Deutsch und Mathe, das sächsische Abitur hat einen guten Klang im Land. Alles paletti? Nicht ganz. Wie in den meisten Bundesländern fehlen Lehrer für die 1700 sächsischen Schulen. Gerade abseits der Metropolen. Der Lehrernachwuchs ist anspruchsvoll und begehrt, das macht die Personalplanung nicht leicht.

Was die Regierung bisher getan hat

Vielleicht hat deshalb das Kulturressort in den zurückliegenden Jahren so viele Minister verschlissen wie kein anderes. Roland Wöller (CDU) bekam die Stellen nicht, die er brauchte, und trat zurück. Von Brunhild Kurth (CDU) bleiben Schreckensmeldungen in Erinnerung wie „die fetten Jahre sind vorbei“ oder der Stellenplan, der „auf Kante genäht“ ist. Frank Haubitz (parteilos) forderte die Verbeamtung der Lehrer und warf nach wenigen Wochen hin. Christian Piwarz (CDU) zog die Verbeamtung durch. Er kann nun zum eben begonnenen Schuljahr 2019/2020 „Licht am Ende des Tunnels“ vermelden.

Die Zahlen sehen wieder besser aus. Immerhin fand die Bildungsagentur mehr Lehrer für offene Stellen als vor einem Jahr. Mehr als 1200 Lehramts-Absolventen bewarben sich auf die 1100 offenen Stellen. Gut 1000 Stellen konnten besetzt werden. Gut klingt auch, dass diesmal nur noch 200 Seiteneinsteiger benötigt wurden.

Sachsen scheint wieder attraktiver zu sein für den Lehrernachwuchs. Die Verbeamtung hat dabei viel bewirkt. Junge Lehrer bekommen in Sachsen nun automatisch den Beamtenstatus und werden besser bezahlt. Lehrer aus anderen Bundesländern können ihren Beamtenstatus behalten, wenn sie nach Sachsen ziehen. Darin drückt sich die Hoffnung im Kultusministerium aus, dass das öfter getan wird.

Die Maßnahmen der CDU-SPD-Regierung scheinen zu fruchten. Dabei waren beide Parteien gerade bei der Schulbildung am weitesten auseinander, als sie 2014 in Koalition gingen. Sie lagen schon bei der Frage über Kreuz, wie das Schulsystem überhaupt aussehen soll. Die CDU, die seit 29 Jahren keinen Koalitionspartner ins Kultusressort lässt, schwört auf das zweigliedrige sächsische Schulsystem. Pädagogische Trends von anderswo hält man sich lieber vom Leib. Die SPD hingegen versucht seit jeher, ihr Herzensprojekt der Gemeinschaftsschule nach Sachsen zu tragen. Allerdings ohne Erfolg. Die Gemeinschaftsschule ist in Sachsen bislang nicht mehrheitsfähig.

Im Koalitionsvertrag konnten sich CDU und SPD vor fünf Jahren nur dazu durchringen, das zweigliedrige System offener zu gestalten. Damit sollen auf Dauer auch die Oberschulen Anschluss an die Gymnasien gewinnen.

Trotzdem versammelt der Wunsch nach dem längeren gemeinsamen Lernen viele Sachsen regelmäßig auf Unterschriftenlisten oder Protestaktionen. Zuletzt sammelte das Bündnis „Gemeinschaftsschule in Sachsen – länger gemeinsam lernen“ mehr als 50 000 Unterschriften für einen Volksantrag. Mit dem wird sich dann der nächste Landtag beschäftigen.

Was die Parteien jetzt versprechen

CDU: Sachsen hat die besten Schülerinnen und Schüler Deutschlands. Damit das so bleibt, werden wir weiter in die Bildung investieren – von der Kita bis zur Hochschule. Wir machen die Erzieherausbildung schulgeldfrei und schaffen eine noch bessere Betreuungssituation in den Kitas. Mit der Verbeamtung sorgen wir dafür, dass vor jeder Klasse ein ausgebildeter Lehrer steht. Wir stärken die Oberschulen als Bildungsweg für die Menschen, die später in praktischen Berufen arbeiten wollen. Zudem werden wir weitere Forschungseinrichtungen in Sachsen ansiedeln.

SPD: Wir unterstützen den Volksantrag „Länger gemeinsam Lernen“. Dadurch werden Gemeinschaftsschulen ermöglicht, wo es alle wollen: Eltern, Lehrer, Schüler und Schulträger. Klassenverbände nach der vierten Klasse zu trennen, ist zu früh. Bildung findet aber nicht nur in der Schule statt. Wir wollen mit mehr Erziehern die Qualität in Kita und Hort verbessern und die Elternbeiträge schrittweise abschaffen. Für Arbeitnehmer wollen wir ein Recht auf Bildungsfreistellung einführen: sowohl für berufliche Weiterbildungen als auch für Lehrgänge wie etwa bei der Feuerwehr.

Linke: Die Bildung unserer Kinder darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen und kein Kind darf mittags vor einem leeren Teller sitzen. Deshalb führen wir eine kostenfreie Mittagsversorgung in Schulen und Kitas ein. Wir werden außerdem die frühe Trennung unserer Kinder nach der vierten Klasse beenden und die Gemeinschaftsschule zunächst als freiwillige Option einführen. So schaffen wir eine Möglichkeit für längeres gemeinsames Lernen bis mindestens zur 8. Klasse. Nach dem Beispiel Berlin wollen wir ein kostenfreies Schul-Ticket einführen.

Grüne: Mit uns wird es ausreichend Lehrer*innen und zusätzliche pädagogische Fachkräfte geben. Wir wollen allen Kindern und Jugendlichen die gleichen Chancen und die beste Bildung von Anfang an ermöglichen. Dazu schaffen wir faire Arbeitsbedingungen für Erzieher*innen und Lehrkräfte, eine Qualitätsoffensive von der Kita bis zur Volkshochschule sowie neue Wege für das Lernen von morgen. Wir ermöglichen längeres gemeinsames Lernen und investieren dazu in moderne Schulgebäude, die zu den Herausforderungen von Ganztagsschule, Digitalisierung und Inklusion passen.

AfD: Wir werden uns für den Erhalt der staatlichen Regelschulen im ländlichen Raum einsetzen und sprechen uns ggf. für Einzelfalllösungen zum Erhalt (Klassenteiler) dieser Schulen aus. Der Erhalt von Sonder- und Förderschulen ist für uns ein Eckpfeiler der zukünftigen sächsischen Bildungspolitik und steht nicht im Gegensatz zum Inklusionsgedanken, da jedes Kind mit Handicap eine individuelle Förderung nach seinen Fähigkeiten und Leistungen erhalten soll. Längeres gemeinsames Lernen und einen späteren Übergang in die Sekundarstufe 1 werden wir fokussieren.