Die emotional hitzigste Phase erlebte der Kreistag am Montag im Haus des Gastes in Falkenberg, als es um den aktuellen Stand beim Dauerbrenner "Brücke Würdenhain" ging. Linken-Fraktions-Chef Joachim Pfützner wollte anstatt von einer Posse besser von einem Trauerspiel sprechen, lobte ausdrücklich die CDU-Landtagsabgeordnete Anja Heinrich für ihren Einsatz und drei Anfragen zum Thema im Landtag und forderte: "Wir sollten uns solidarisieren." Nachdem Dezernent Dirk Gebhard noch einmal in allen Details auf die Geschichte des Brückenfalls eingegangen war, musste er nüchtern konstatieren: "Eine rechtliche Verpflichtung für einen Neubau lässt sich weder für das Land, noch für den Landkreis oder die Gemeinde Röderland herleiten." Für das Land sei dies nur der Fall, wenn die Brücke aus der Sicht des Hochwasserschutzes unumgänglich wäre. Auch für die Gemeinde Röderland und den Landkreis ergebe sich keine zwingende Notwendigkeit, man könne auch ohne diese Verbindung auskommen. Für den langjährigen Kritiker der schleppenden Lösungsfindung in Sachen Ersatzbau, Peter Schwarz (SPD), sind das keine akzeptablen Begründungen. 1,4 Kilometer des Schwarze-Elster-Radweges seien schließlich mit Steuergeldern gebaut worden und dann sollten sie nicht mehr notwendig sein? Er betrachte es als eine Verhöhnung der Radler, nach Abriss der Brücke eine Umleitung von vier Kilometern abseits der Schwarzen Elster fahren zu müssen.

Nun soll also die bereits im Jahr 2010 ins Gespräch gebrachte kommunale Beteiligung an der Lösung des Problems Realität werden. Das zuständige Landesamt hat am 20. August Klartext gesprochen: Wehr ja, aber keine Querung. Zwei Varianten stehen nunmehr zur Debatte. Eine Extra-Brücke für Radfahrer und Fußgänger mit einer Breite von 2,50 Meter, die im Hochwasserfall auch nicht für Fahrzeuge nutzbar wäre - Kosten: 283 000 Euro. Zweite, nun vom Landkreis favorisierte Variante: Verlängerung des Bediensteges des Wehres auf die zweite Flussseite mit einer Breite von 1,50 Meter - Kosten: 52 500 Euro. In einer Beratung mit der Gemeinde Röderland habe man in der vorigen Woche zwar eine eigenständige Brücke als wünschenswert erachtet, jedoch würden die Kosten dagegen sprechen, resümierte Dirk Gebhard.

Somit ist der Kurs klar: Der Landkreis übernimmt die Investition von 52 500 Euro für die Verlängerung des Bediensteges. Die Gemeinde sorgt anschließend für dessen Unterhaltung. Jetzt müsse die Querung aber auch spätestens bis zum Jahr 2015 zur Ausführung kommen, forderte Dezernent Gebhard. Bereits am gestrigen Tag ist ein Schreiben des Landkreises an den Gewässerverband Kleine Elster-Pulsnitz abgeschickt worden. Darin wird das geforderte Bekenntnis zur kommunalen Beteiligung mit der Unterschrift des Landrates bestätigt. Jetzt kann vom Land der Auftrag zur Ausführungsplanung erteilt werden. Und einem im ersten Schritt für 2009 angekündigten Neubau der Brücke könnte spätestens im Jahr 2015 das erfreuliche Finale folgen.