Mit Empörung reagiert Winkler auf den Maßnahmenkatalog der Landesregierung zur Modernisierung der Verwaltung. „Es ist für uns nicht nachvollziehbar, wie man zu diesen Ergebnissen kommen konnte, ohne den Landesschulbeirat oder den Landesrat der Lehrkräfte zu beteiligen“, sagt der Finsterwalder Lehrer. Seit etwa anderthalb Jahren gäbe es eine Arbeitsgruppe zur Untersuchung der Arbeit der Schulämter. „Diese wurde nicht gefragt“, empört sich der Pädagoge. „Stattdessen hat das Ministerium eine interne Gruppe eingesetzt, die an allen Gremien vorbei entschieden hat.“ Für Winkler werde damit die Mitwirkung des Landeslehrerrates ausgehebelt.

Mit einem offenen Brief an das Ministerium hat der Landeslehrerrat auf das Vorhaben reagiert. „Nun hat es ein Antwortschreiben vom Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion Ralf Holzschuher gegeben“, berichtet Winkler. Aus dem gehe hervor, dass ein zentrales Landesschulamt geschaffen werde, dem regionale Ansprechstellen zugeordnet sind. Wie die neue Struktur genau aussehen soll und wo der Sitz der Landesschulbehörde sein wird, sei aber noch offen. Nur soviel: Betriebsbedingte Kündigungen gäbe es laut Aussagen der SPD-Landtagsfraktion auf keinen Fall. Eine Zentralisierung halte das zuständige Ministerium zwar für sinnvoll, doch ersatzlose Schließungen dezentraler Standorte der Schulämter seien nicht vorgesehen.

Ein weiteres Problem, was Torsten Winkler anspricht, ist das Thema der Inklusion. „Das Schulamt hat vor Beginn des Schuljahres 2011/2012 festgelegt, es gebe für förderbedürftige Schüler keine Einschulungen in die Förderschule in Finsterwalde mehr“, so das Mitglied des Landeslehrerrates. „Die Schüler müssten erst ein Jahr in die Grundschule und dürften dann wechseln.“ Damit verlieren sie ein Jahr. „Und das, obwohl die Diagnosen von Eltern besagen, dass eine sofortige Einschulung in die Förderschule am besten sei.

Winkler selbst ist seit sechs Jahren Lehrer an der Förderschule in Finsterwalde und unterrichtet in den sechsten bis zehnten Klassen Sport und Arbeitslehre. „Aber in erster Linie führe ich Praxislernen durch, gehe mit den Schülern in Betriebe und bereite sie ein wenig auf das spätere Leben vor.“ Winkler hat schon an verschiedenen Schulen gelehrt. So war der Pädagoge vor seiner Zeit in Finsterwalde an der Gesamtschule in Uebigau-Wahrenbrück und an der Realschule in Falkenberg (Elster) eingesetzt. „Ich bin für eine Eingliederung von förderbedürftigen Kindern, aber nicht in dieser Form“, sagt der Finsterwalder. „Eine frühzeitige und individuelle Förderung ist in Förderschulen einfach besser möglich als in Regelschulen. Dort geht man in der Masse unter.“

Im Landeslehrerrat ist der Pädagoge inzwischen in der zweiten Wahlperiode dabei. Der engagierte Lehrer trägt die Probleme aus der Sängerstadt bis ins Ministerium nach Potsdam. Und befürchtet: „Eine der Förderschulen in Finsterwalde wird wohl wegen fehlender Einschulungen mittelfristig geschlossen werden.“

Rüdiger Hofmann

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Zum ThemaDer Landeslehrerrat wird immer für zwei Jahre gewählt. Am 17. November dieses Jahres hat er sich neu konstituiert. Vorab hatte jede Schule die Möglichkeit, ein Mitglied für den Kreislehrerrat zu bestimmen. Aus dem Kreislehrerrat werden je acht Lehrer, Eltern und Schüler für den Kreisschulbeirat bestimmt, gleichzeitig gehen zwei Mitglieder jedes Kreises in den Landeslehrerrat über. Sie bilden einen runden Tisch. Dieses Gremium entsendet acht Mitglieder in den Landesschulbeirat. Der Landeslehrerrat dient zur Wahrnehmung der schulischen Interessen der Lehrer. Er beschäftigt sich mit aktuellen bildungspolitischen und schulbezogenen Themen.