Kroppen. 15 000 im April in Schleswig-Holstein geschlüpfte Junglachse eines schwedischen Mutterstammes sind in die besten Laichgründe der Pulsnitz bei Kroppen und Lindenau eingesetzt worden. Nunmehr im neunten Herbst. Sechs bis 13 Zentimeter groß sind die Flossentiere, die unter fachlicher Aufsicht des Fisch- und Gewässerökologen Steffen Zahn von Experten des Instituts für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow und heimischen Naturfreunden sanft ins Wasser befördert werden - in der Hoffnung, dass sie die Population weiter aufbauen werden.

"Mein Vater hatte einen Freund, dessen Eltern früher Pächter an der Schwarzen Elster waren. Er hat immer von den Lachsen geschwärmt", erzählt Joachim Ruick. Als sich der Fluss im Jahr 1994 wieder sauberer zeigte als in den vielen Jahren zuvor, "habe ich den ersten Lachsbesatz bestellt", berichtet der 70-Jährige. Noch ein Jahrzehnt musste er sich in Geduld üben, bis der Landesverband aus der Fischereiabgabe auch das Mutterbett Pulsnitz in das Brandenburger Lachsansiedlungsprogramm aufnahm.

Der Wunsch-Leitfisch des Flusses wird langsam wieder heimisch. Das bestätigt der Fischbiologe Steffen Zahn. Die bislang höchst geringe Zahl der nachgewiesenen Rückkehrer aus dem Atlantik hatte den Zweiflern schon fast Recht gegeben. Doch: "Sieben Prozent der Junglachse wandern definitiv ab", erklärt Steffen Zahn. Das belegt die Untersuchung mit einem gekennzeichneten Probefischbesatz in diesem Jahr. Bei Lindenau war den Smolten, das sind wanderfähige Junglachse, für die belastbare Zählung eine Rotationsreuse in den Wanderweg gestellt worden. "20 Prozent Abwanderer wären wirklich gut", schätzt der Experte ein. Dies ist die Größenordnung, die auf drei Prozent an Rückkehrern in die eigene Kinderstube und damit auf die naturgemäße Reproduktion der Lachse in dem Gewässer hoffen lässt. Davon ist die Pulsnitz derzeit zwar noch weit entfernt. Aber der Fisch schafft das, zeigen sich die Naturfreunde sehr sicher.

"Wir werden das Smoltmonitoring im nächsten Jahr wiederholen", kündigt Steffen Zahn an. Die Junglachse müssen mit der Strömung durch den Hauptwasserweg in die Schwarze Elster und weiter in die Elbe zum Atlantik finden, um letztlich auch wieder zum Laichgrund zurückkehren zu können. Ab Mitte November ist dies naturgemäß der Fall. "Bis auf zehn Quadratmeter genau finden Lachse ihre Kinderstube immer wieder", erläutert der Biologe. Die Schwarze Elster und die Pulsnitz sind für den Fischaufstieg inzwischen weitgehend flott gemacht worden. Bei Kotschka ist der neue Fischweg fertig. In Kroppen soll die noch fehlende Treppe für die Flossen- und anderen Wassertiere in Kürze gebaut werden. Frauenhorst und München sind noch nicht hindernisfrei. "Aber wir können auch in diesem Herbst einige Rückkehrer erwarten", so Steffen Zahn.

Mit Sorge schauen er und seine Mitstreiter dabei allerdings auf Bauleute, die ausgerechnet jetzt im Auftrag des Landes Brandenburg an der Pulsnitz bei Kroppen einige Böschungen zu sanieren beginnen. Das Geld für den Hochwasserschutz ist im Sommer unerwartet bereitgestellt worden.

Auch Joachim Ruick kann jetzt nur darauf hoffen, dass vom Pulsnitzbett bei den Arbeiten wenig Sand aufgewirbelt wird. Denn deckt solcher frischen Lachslaich ab, erstickt das Gelege und damit die Hoffnung auf Nachwuchs aus der Pulsnitz bei Kroppen.