Bereits beim Auftrittsapplaus waren die sieben kuriosen Blech-Bläser von „Mnozil Brass“ enthusiastisch empfangen worden. Offenbar hatte das Ruhrtriennale-Publikum deren letzte Kreation der Saison 2005 „Das trojanische Boot“ in allerbester Erinnerung. Diesmal lautet der Untertitel des Werks verheißungsvoll „wahrscheinlich eine Oper in 2 Akten“.

Die eigenwillige Komposition war bereits vor drei Wochen bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt worden. An der Salzach hatte die Aufführung tatsächlich eine Diskussion ausgelöst, ob denn das seltsame Format überhaupt der Würde des traditionsreichen Festival entspräche.

„Hier hat der Reim Vorfahrt“, heißt es bekennend im Textbuch, das erneut Bernd Jeschek der schrägen Bläsertruppe auf den Leib geschrieben hat. Die krude Handlung ist von märchenhafter Fantastik: Es gibt einen Kaiser, einen unsichtbaren, dafür akustisch höchst plastischen Drachen, die sauertöpfische und giftige Prinzessin „Irmingard“, sieben Prinzen und Baronessen. Natürlich geht es um die Liebe - aber auch um Alterssicherung durch Nachwuchs.

Im Wesentlichen aber liefert Jeschek, der auch Regie führt, szenische Steilvorlagen für das munter-anarchische, überwiegend sinnfreie Treiben der sieben Bläser. Und die sind zuallererst exzellente und virtuose Musiker, die einen knapp zweistündigen Parforceritt kreuz und quer durch die Musikgeschichte hinlegen.

In raffinierten Arrangements springen die Musiker, die in allen möglichen und unmöglichen Positionen zu spielen imstande sind, von Renaissance-Fanfaren zu Wagner und Rimsky-Korsakow, von Weber zu Mozart, streifen gelegentlich Lloyd-Webber und würzen Jazz und Puszta-Klänge mit alpenländischer Folklore. Das verbindende Amalgam des musikalischen Stilchaos' liefert die Wiener Wirtshausmusik, die im Verein mit lakonischem Humor das Markenzeichen von „Mnozil Brass“ ist.

Es wird aber nicht nur geblasen auf der Bühne: „Mnozil Brass“ singen solo und im Chor, sie tanzen, sie formieren sich zu lebenden Bildern (Choreographie: Fernandeo Chefalo), sie turnen und blödeln, und alles möglichst gleichzeitig. Ein Garderobenständer in der Mitte reicht zur Ausstaffierung, und als Bühnenbild dient allein das rustikale Ambiente der Jahrhunderthalle. Der überaus schräge, skurrile Humor des Abends liegt aber vor allem in der Musik selbst.

Demnächst ist „Irmingard“ im Wiener Burgtheater zu sehen und auch Claus Peymann hat die Produktion für das Berliner Ensemble eingekauft.

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