Über zwei Etagen kann der Ausstellungsbesucher die filigrane Zeichenkunst „mit freundlicher Ausführlichkeit und böswilliger Hintergründigkeit“ entdecken, wie Peter Ensikat in seiner launigen Laudatio die charakteristischen Merkmale der Arbeiten seines Bruders Klaus beschrieb. Nicht satt sehen kann sich der Betrachter an den gezeichneten Geschichten vom Tante-Emma-Laden der Witwe Bauer in Finsterwalde über die „Faust“- und „Bibel“-Illustrationen und sich tummelnde Satyrn und Zirkuskünstler wie die detailgenaue Darstellung der Krieger der Varusschlacht mit Gesichtern voller Wut und Angst bis hin zur phantastischen Ausstattung von „Brehms Tierleben“. Er habe Kunst für große und kleine Menschenkinder gemacht, urteilte Bruder Peter Ensikat.

Dabei sei bloße oberflächliche Illustration nie die Sache Klaus Ensikats gewesen, sondern er habe mit seinen Buchillustrationen vor allem Parallelkunstwerke geschaffen, wertete Museumsleiter Dr. Rainer Ernst in seiner Begrüßung und freute sich, dass es gelungen ist, nach 1993 wieder eine Ensikat-Ausstellung in deren ehemalige Heimatstadt geholt zu haben. Zum Kriegsende nach Finsterwalde gekommen, besuchte Klaus Ensikat dort die Schule und erlernte bei der damaligen Handelsorganisation (HO) Finsterwalde den Beruf des Gebrauchswerbers „zum Wohle der Finsterwalder Schaufenster“, wie Rainer Ernst mit Blick auf die mitunter dürftigen Angebote schmunzeln ließ. Bald wurde man auf das künstlerische Talent Klaus Ensikats aufmerksam. Werbegrafiker Jürgen Sniegocki erinnerte sich lebhaft an die gemeinsame Zeit als Dekorateur bei der HO und „an die erste Ausstellung mit Arbeiten von Klaus Ende der 50er-Jahre“. Im angeregten Gespräch tauschten beide Erinnerungen an die Finsterwalder Zeit aus.

Viel Zeit blieb Klaus Ensikat dazu wegen der zahlreichen Wünsche zum Signieren der mitgebrachten Bücher mit seinen Illustrationen allerdings nicht. Auch der passionierte Büchersammler Karl-Ulrich Hennicke, der eines der ersten von Ensikat illustrierten Bücher von 1962 mitgebracht hatte, war scharf auf eine Signatur.

Nach der Schulzeit ging Klaus Ensikat zurück in seine Geburtsstadt Berlin, studierte Gebrauchsgrafik an der Fachschule für Angewandte Kunst in Schöneweide und arbeitete danach vor allem als freischaffender Buchillustrator und mehrere Jahre als Professor für Zeichenkunst an der Kunsthochschule Hamburg. Er entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten und künstlerisch profiliertesten Illustratoren in Deutschland. Sein Lebenswerk wurde mit dem Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur gewürdigt. Vertreter des Aufbau-Verlages und der Deutschen Staatsbibliothek brachten ihre Wertschätzung Ensikats am Samstag durch ihre Anwesenheit bei der Finsterwalder Vernissage zum Ausdruck. Nicht nur für Peter Ensikat, der sich als Theater-, Kabarett- und Buchautor einen Namen gemacht hat, besitzt Bruder Klaus Ensikat mit seinen am gegenständlichen Stil festgehaltenen Arbeiten die Fähigkeit, „Dinge auszudrücken, die man mit Worten nicht ausdrücken konnte“. Bei der heute oft künstlerischen Beliebigkeit sei er sich treu und prinzipienfest geblieben. „Und er konnte in der DDR zeichnen, was ich nicht ungestraft sagen durfte“, ist er noch heute ein wenig neidisch.

Die Ausstellung von Klaus Ensikat ist im Finsterwalder Kreismuseum, Lange Straße 6/8, bis zum 25. März zu sehen.