Seit zwei Jahren beschäftigt sich der Potsdamer Pierre Wilhelm, der aus Plessa stammt, mit dem Kulturhaus, hat in zahlreichen Gesprächen in der Region und darüber hinaus Befindlichkeiten und Möglichkeiten für und gegen das Projekt sondiert, die in die Studie eingeflossen sind. Eng zusammengearbeitet hat er dabei unter anderem mit Hans-Joachim Böse, Leiter des Kultur- und Festspielhauses Wittenberge, an dem sich das Plessaer Kulturhaus aufgrund seiner Größe, der Lage und seiner baulichen Gegebenheiten orientiert.

Dass ein Ort wie Plessa mit der Größe des ehemaligen Kulturhauses der Bergarbeiter völlig überfordert ist, räumt Wilhelm sofort ein. Für ihn steht aber fest, dass es eine Chance in der Region hat. Ein vergleichbares Vollveranstaltungshaus gebe es nicht im Elbe-Elster-Kreis, zählt er ein großes Plus auf. Es müsse gelingen, Menschen aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus bis aus dem Seenland anzuziehen. Hier sieht er einen wichtigen Ansatzpunkt, der gerade in puncto Tourismus unerlässlich ist: Nicht im Kleinen, sondern nur als große Region werde eine Vermarktung funktionieren. Nicht umsonst hat Wilhelm seine Studie mit "Unser Lausitzer Haus hat Zukunft?" überschrieben.

Plessa sieht Wilhelm für den Rad- und Kulturtourismus als Nahtstelle zwischen dem im Elbe-Elster-Kreis dominierenden Heideland und dem Lausitzer Seenland. Damit knüpft er an eine bereits vom ehemaligen IBA-Chef Rolf Kuhn formulierte Forderung an. Ebenso wie im Miteinander für Vermarktung und Image der Region untermauert er anhand vieler Fakten in der Studie eine zweite wesentliche Voraussetzung für die Revitalisierung des Kulturhauses: Menschen und damit Kaufkraft müssen in der Region gehalten werden. Ohne sie mangele es an Kulturkonsumenten. Andererseits sei Kultur und kulturelle Bildung ein wichtiger Standortfaktor.

Dass das Plessaer Kulturhaus allein von den baulichen und technischen Voraussetzungen großes Potenzial bietet, bescheinigt neben dem Wittenberger Festspielhausleiter auch Achim Sell, Geschäftsführer einer international renommierten Planungsgesellschaft für Theater und Veranstaltungstechnik. Allein im vergangenen Jahr haben fast 15 000 Besucher etwa 70 Veranstaltungen ganz unterschiedlicher Art besucht. Sehr breit aufstellen will sich das Kulturhaus auch in Zukunft. Von 170 Veranstaltungen jährlich ist die Rede. Die Palette soll von hochwertiger Kultur bis zum "Dorfgemeinschaftsangebot" reichen, soll Vereine wie Jugendliche ansprechen, soll Kreative über die Kreisgrenzen hinaus nach Plessa locken. Wilhelm denkt dabei an weitere Projekte wie die Albumaufnahmen von Ruben Wittchow und Band.

Das Veranstaltungsangebot steht und fällt mit dem Zustand des Kulturhauses. Vor allem Dach und Fenster stehen auf der Liste der notwendigen Bauarbeiten ganz oben. Notwendig ist auch der behindertengerechte Umbau. Für eine Maximal-Sanierungs-Variante weist die Studie einen Investitionsaufwand von etwa 5,2 Millionen netto inklusive Bühnentechnik auf. "Hier gibt es noch Sparpotenzial", weist Pierre Wilhelm hin. Eile ist geboten, sollen ILE/Leader-Fördermittel fließen. Ab 2014 sollen diese Zuwendungen drastisch sinken. Als spätester Termin der Antragstellung steht der Januar 2013. Der zu leistende Eigenanteil wird bei der Maximalvariante mit 1,3 Millionen Euro beziffert. Um diesen zu senken, laufen bereits Gespräche mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Wilhelm kann sich aber auch einen gehörigen Zuschuss aus dem SED-Parteivermögen vorstellen.

Um alle anstehenden Aufgaben in Vorbereitung und auch in der Zukunft angehen zu können, plädiert Pierre Wilhelm in seiner Studie für die Einrichtung eines Kulturbetriebsverbundes. Hier sollen Kommunen gemeinsam die Werbetrommel rühren, aber auch vom Plessaer Kulturhaus als eine Art "Zentrale" zum Beispiel in Sachen Marketing profitieren. Wilhelm denkt hier an Städte wie Elsterwerda, Mühlberg und Doberlug-Kirchhain. Eine erste Resonanz sei durchaus positiv. Konkrete Gespräche werden folgen. "Wir werden mit den Abgeordneten reden, aber auch versuchen, Unternehmen mit ins Boot zu holen", sagt Bernd Kadur.

Der Vorsitzende des Kulturvereins ist von der Qualität der Machbarkeitsstudie beeindruckt. Sehr freut er sich über die sehr gute Resonanz bei einer ersten internen Vorstellungsrunde vor Fachleuten, Vertretern von Land und Bund sowie der Kommunen. Für alle Mitstreiter, die sich seit Monaten in ihrer Freizeit für das Plessaer Kulturhaus tatkräftig engagieren, sei die Studie ein eindeutiges Signal zum Weitermachen, versichert Bernd Kadur.

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Zum ThemaPierre Wilhelm ist Generalauftragnehmer für die Machbarkeitsstudie zu den Perspektiven einer Revitalisierung des Kulturhauses Plessa. Er ist Volljurist, hat sich mit Risikoanalysen für Mehrzweckimmobilen beschäftigt und hat sich im Organisations- und Kulturmanagement engagiert. Nach einer Ausschreibung hat der Kulturverein ihn mit der Machbarkeitsstudie beauftragt. Diese hat er sich 3000 Euro kosten lassen, weitere 17 000 Euro flossen als Förderung.Auf der Internetseite www.kulturhaus-plessa.de werden Teile der Studie veröffentlicht.