Von Daniel Schauff

Es ist schon später Nachmittag, der Campus der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus-Sachsendorf ist nur übersichtlich gefüllt. Kaum Autos, kaum Studierende. Aus dem Gebäude sieben aber dringen sie noch, die Klavier-, die Bläserklänge, die Gesangsübungen. Keine Sinfonien, keine durchkomponierten Meisterwerke, nur Noten, immer und immer wieder, Tonleitern, Akkorde, Harmonien. Schön ist das fürs Ohr zunächst nicht, zeigt aber: Hier wird noch gearbeitet.

An nicht viel weniger als Karrieren. Vier Musiker haben seit Anfang Juni ein Zertifikat in der Tasche, das die Karriere befördern soll. Sie sind die ersten Absolventen des Studiums Künstlerische Ausbildung für Instrumente und Gesang. Vier Semester liegen hinter den vier Absolventen, allesamt Pianisten. Auch Gitarristen, Sänger und Violinisten werden an der BTU in dem Studium unterrichtet. „Großartige Prüfungen“, hätten die vier diesjährigen Absolventen abgelegt, sagt Wolfgang Glemser, Professor im Studiengang Instrumental- und Gesangspädagogik.

Als „Elite-Studium“ bewirbt die BTU das noch frische zweijährige Programm. Ziel sei, die Fähigkeiten der Studierenden auf bühnenreifes Niveau zu steigern, das den internationalen Wettbewerbsanforderungen entspreche.

Heißt, aus den Absolventen werden Stars? Nein, sagt Glemser. Das sei eine zu gewagte Prognose. Die Dichte an hervorragenden Musikern sei so hoch, dass nur ein Bruchteil der Absolventen hoch angebundener Studiengänge eine wirkliche Karriere machten.

Der Hauptaspekt des Studiums, sagt Glemser, sei, den Studierenden zwei Jahre lang Zeit zu geben, sich mit ihrem Instrument oder mit ihren Gesangsqualitäten intensiv auseinanderzusetzen. Zwar sei das Musizieren auch in den Bachelor-Studiengängen an der BTU Teil der Ausbildung. Das Üben aber falle oft hinter die Prüfungsvorbereitungen, die Theoriestunden, die strikte Ordnung, in der etwa an der BTU Studierende der Instrumental- und Gesangspädagogik ihren Studienalltag erlebten.

Beim Studium Künstlerische Ausbildung für Instrumente und Gesang zähle auch die Freiheit, sagt Glemser. Einen Master-Abschluss bekommen die Studierenden nicht, wohl aber ein Zertifikat, das gleichwertig sei.

Und dann? Viele Studierende wollten nach ihrem Abschluss selbst unterrichten, einige ziehe es auch in die Kammermusik. Die Türen dort seien nach den zwei intensiven Jahren an der BTU sicherlich ein Stück weit offener.

Davon geht auch Jannis Ufer aus. Er ist einer der vier Absolventen des Studiums. Nach den zwei Jahren sagt er: Ja, das hat sich gelohnt. Nach dem Musikpädagogik-Studium an der BTU habe er noch nicht das Gefühl gehabt, ausgelernt zu sein. „Das ist man als Künstler ja nie“, sagt der Pianist. Trotzdem konnte er sich vorstellen, noch einmal zwei Jahre Studienzeit dranzuhängen, sich intensiver mit seinem Hauptfach Klavier auseinanderzusetzen, sich nicht gleichzeitig um Pädagogik-Seminare und sein Nebenfach – bei ihm war das Gitarre – zu kümmern. Jannis Ufer wird in der Region bleiben und an Musikschulen unterrichten, sagt er. Die zwei Zusatzjahre an der BTU hätten ihm dabei geholfen. Die Zeit – gut genutzt. Das Geld – gut investiert.

Preiswert ist das noch neue Studium nicht – 1100 Euro werden pro Semester fällig. Derzeit suche die Fakultät einen Sponsor aus der Wirtschaft, der ein Stipendium ermögliche. Damit, sagt Wolfgang Glemser, wolle die Uni das Studium auch für sozial schwächer Gestellte öffnen.

Knapp 20 Studierende sind es derzeit, die in dem Studium Künstlerische Ausbildung für Instrumente und Gesang zwei Jahre an der BTU ganz ihrem Instrument oder ihrer Stimme widmen. Mehr als 25 sollten es nie werden, sagt Wolfgang Glemser. Nur so könne die Uni den Standard halten, den sie für das Elite-Studium verspricht. Jannis Ufer sieht die zwei Jahre kurz nach seinem Abschluss als Bereicherung. Und ja, es gehe auch darum, dass sich die Studierenden ein Stück weit selbst fänden, sagt Glemser.