Beim Festakt im neuen Instituto Cervantes nannte der Thronfolger, der zusammen mit seiner Frau Prinzessin Letizia gekommen war, am Montag Deutschland einen „großen Freund“. Der Kronprinz verwies auf das stetig steigende Interesse an der „Weltsprache Spanisch“ und hob die besondere Internationalität Frankfurts hervor.

Das neue Institut ist nach Berlin, München, Hamburg und Bremen das fünfte in Deutschland. Mit einer Fläche von rund 3000 Quadratmetern wird es das größte sein. Frankfurt sei nicht nur das Finanzzentrum Deutschlands, sondern auch kulturell von internationaler Bedeutung, sagte Cervantes-Präsidentin Carmen Caffarel.

Das neue Institut soll den kulturellen Dialog zwischen Deutschland und dem spanischen und lateinamerikanischen Sprachraum mit insgesamt 450 Millionen Menschen verbessern. Dafür wurden am Montag auch Kooperationsverträge von Cervantes mit der Universität Frankfurt und der Frankfurter Buchmesse unterzeichnet.

Das ehemalige Amerika Haus, in dem Cervantes in Frankfurt untergebracht ist, hat in der Stadt Symbolcharakter. Der im schnörkellos-schlichten Stil der 50er Jahre gehaltene Bau wurde in der Nachkriegszeit zum Sinnbild für die Ausrichtung der Stadt und der Bundesrepublik zur USA. Hier gab es nicht nur Jazz-Konzerte und Lesungen amerikanischer Autoren. Prominente Politiker und Intellektuelle wie Willy Brandt, Edward Kennedy oder Susan Sontag waren zu Gast. Während der Studentenbewegung war das Amerika Haus wiederholt Ziel von Protestaktionen. Im September 1967 stürmte eine Gruppe von Studenten gemeinsam mit dem legendären Berliner Studentenführer Rudi Dutschke eine Podiumsdiskussion.

Jetzt könne sich das Amerika Haus Frankfurt als „lebendiger Ort“ zur spanischsprachigen Kultur und nach Südamerika hin öffnen, sagte Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). Die Amerikaner hatten das Gebäude 2005 aufgegeben. Die Stadt ließ das Haus danach für rund drei Millionen Euro sanieren. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte, dass das Amerika Haus nicht nur „Gegenstand von Reibungen“, sondern vor allem eine „Quelle für Verständnis“ zwischen den USA und Deutschland gewesen sei. Eine solche Funktion sei auch Cervantes zu wünschen, meinte Koch, der das Institut als „weiteres kostbares Juwel“ in Frankfurts Kulturleben bezeichnete.

Spanien ist mit seinen Kulturinstituten am stärksten in Brasilien und Marokko präsent, in Deutschland gibt es nun fünf Institute. Dies sei Ausdruck der „exzellenten Beziehungen“ zwischen beiden Ländern, sagte Caffarel. Außerdem sei das Interesse der Deutschen an der spanischen Sprache sehr groß. In den kommenden drei Jahren werden allein rund 5000 Sprachschüler erwartet. Das Institut, nach dem spanischen Nationaldichter Miguel de Cervantes (1547-1616) benannt, hat auch eine eigene Bibliothek mit 5000 Medieneinheiten.

Cervantes will künftig zusammen mit der Uni Frankfurt spezielle Sprachkurse für Studenten anbieten. Außerdem ist eine Zusammenarbeit bei der Lehrerfortbildung geplant. Mit der Frankfurter Buchmesse will das Institut, das rund 50 Beschäftigte hat, zusammen beim Auftritt auf ausländischen Buchmessen kooperieren. Das spanische Prinzenpaar wurde bei seinem Besuch in Frankfurt von den politischen Ereignissen am Montag in der Heimat eingeholt. Der Kronprinz verurteilte scharf den Anschlag in Nordspanien, bei dem ein Soldat ums Leben kam und mehrere Menschen verletzt wurden. Beim Festakt wurde für die Opfer eine Schweigeminute eingelegt.

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