"Mein Helm passt nicht richtig", sagt Günter Heintze aus Guben. Irgendetwas habe sich in seinem blauen Helm verhakt. Einige der 16 RUNDSCHAU-Leser ziehen sich zur Sicherheit neben den Helmen zusätzlich orangene Warnwesten über, bevor die Tour durch das erst Ende Mai offiziell eingeweihte Ersatzbrennstoffkraftwerk der Spreerecycling, eine Tochterfirma der Hamburger Rieger Papierfabrik Spremberg, beginnt. Für 140 Millionen Euro wurde das Kraftwerk vor mehr als zwei Jahren errichtet und damit etwa 50 Arbeitsplätze erschaffen. Während sich Geschäftsführer Uwe Amann der einen Hälfte der Leser annimmt, bewegt sich die kleinere Gruppe mit Betriebsleiter Uwe Schmidt über das Gelände hinweg zum Anlieferbereich.

255 Tonnen Ersatzbrennstoffe

Lkw an Lkw reihen sich aneinander. Rückwärts wurden die Laster an die Luken herangefahren, eine Ampel gibt dem Fahrer dafür ein Zeichen. Vorher wurde die Ladung gewogen und den Lkw ein Tor zugewiesen. Sie laden tonnenweise aufbereiteten Gewerbeabfall ab. "Pro Jahr brauchen wir etwa 255 000 Tonnen Ersatzbrennstoffe", weiß Geschäftsführer Uwe Amann. Sie ersetzen fossile Brennstoffe. Die Lieferanten der Ersatzbrennstoffe kommen aus einem Umkreis von etwa 300 Kilometer, hauptsächlich aber aus dem Berliner Raum.

Die grob zerkleinerten angelieferten Stücke rutschen erst einmal in die Tiefe. Dort angekommen, verweilen sie nicht lang. Eine gelbe Kralle eines Krans schluckt kurzzeitig den Müll und transportiert ihn in einen größeren Bunker - ebenfalls nur eine Zwischenstation. Mit diesem Abfall produziert das Kraftwerk Energie für die nicht weit entfernt liegende Papierfabrik. "Die Mitarbeiter dort sagen Bescheid, was und wie viel sie produzieren möchten, und wir richten danach unseren Fahrplan aus", erklärt Betriebsleiter Uwe Schmidt. Doch auch selbst aus der Papierfabrik kommen Abfallstoffe, die wieder verwertet werden können.

In der Leitwarte steuert der Kranführer die Kralle. Mit zahlreichen Bildschirmen an den Wänden wird zudem der gesamte Energiegewinnungsprozess überwacht. "Vier Männer arbeiten hier im Schichtsystem", sagt Uwe Schmidt.

Die kleinere Gruppe drängt sich in den Fahrstuhl. Der RUNDSCHAU-Fotograf muss die Treppe benutzen. "Überlast" zeigte kurz vorher das Warnsignal im Fahrstuhl an. Das Ziel: der dritte Stock im Gebäude. Gleich neben dem Fahrstuhl ist eine kleine Raucherinsel für die Mitarbeiter. Eine Zigarette hat den Aschenbecher zum Qualmen gebracht. Jener muss erst einmal mit einem Eimer Wasser gelöscht werden. Die Gefahrenquelle ist beseitigt und die kleine Gruppe macht sich auf den Weg zur Probenahmestation, an der der Wasserdampfkreislauf überwacht wird.

Das erste Feuer im Kessel

Das erste Feuer im Kessel des EBS-Kraftwerkes wurde Ende vergangenen Jahres entzündet. Einen Monat später wurde auch bereits erstmals die Papierfabrik mit Energie beliefert. Die Ersatzbrennstoff-Anlage liefert etwa 135 Tonnen Dampf pro Stunde und der Kessel kann bis zu 400 Grad heiß werden. Letzterer funktioniere im Groben wie der Kachelofen in den eigenen vier Wänden. RUNDSCHAU-Leser sehen auf dieser Etage auch das Feuer durch eine Luke. Günter Heintze schaut gebannt hinein. Der Gubener hatte den weitesten Anfahrtsweg an diesem Dienstag.

Richtig laut ist es in der Turbinenhalle. Die Teilnehmer haben Schwierigkeiten, den Betriebsleiter überhaupt zu verstehen. Ein Gang vor die Tür schafft Abhilfe. "Dies ist einer der wenigen Lärmbereiche bei uns", erklärt Uwe Schmidt. Der Dampf trifft hierbei auf die Turbinen und die Energie wird schließlich an die Papierfabrik weitergeleitet. Beeindruckt beobachten die Teilnehmer die Anlieferung von Branntkalk durch einen Lkw. Das wird für einen Teil der Abgasreinigung benötigt.

Im Schulungsraum wieder angekommen, wird es ebenfalls ruhiger. Die Fragen der Leser wurden bereits im Vorfeld bei dem Vortrag von Geschäftsführer Uwe Amann oder spätestens beim Rundgang geklärt. Ehemalige Kraftwerksmitarbeiter stellten dem Chef sogar ganz spezielle Fachfragen, so dass während der Führung auch tiefer auf die Technik eingegangen werden konnte. Der Chef selbst wagte bei seinem Vortrag auch einen Rückblick ins Jahr 2010. Fotos von der Bauphase wurden gezeigt. "In diesem Jahr stand hier nichts auf dieser Fläche", sagt er, und ergänzt scherzhaft: "Man hätte daraus ein ganzes Fußballfeld machen können."