. „Oh je, die sind ja viel zu groß !“ Was andere beim Anblick dicker Fische freut, treibt Fischer Karl Winkelgrund die Sorgenfalten in die Stirn. „Die Probefänge haben mich schon so etwas ahnen lassen. Das Abfischen des Ententeiches hat nun die Bestätigung gebracht“, erzählt Winkelgrund am Sortiertisch im abgelassenen Teich. Seine regelmäßigen Fütterungen hatte er auf die ursprüngliche Besatzzahl abgestimmt. Wenn nun aber weniger Fische sich die Futtermenge teilen, kommt es zu größeren Gewichtszunahmen. „Weniger Fische deshalb, weil überdurchschnittlich viele Karpfen den Beutezügen der Kormorane zum Opfer gefallen sind. Ein langjähriger Erfahrungswert der Teichfischer geht von bis zu 35 Prozent Stückverlust aus. Damit wird die Natur bedient, das wissen wir, die wir mit der Natur leben müssen“, erklärt Karl Winkelgrund.

Akribisch führt er Buch und kann deshalb für den Ententeich belegen, dass der Verlust an Fischen in diesem Jahr exakt 51 Prozent beträgt. „Nach wie vor sind es die Kormorane, die den größten Schaden zufügen, aber auch die Grau- und Silberreiher haben stark zugenommen und fügen den Fischen mit ihren spitzen Schnäbeln Schaden zu“, beklagt Fischer Winkelgrund. Er erwartet von der Politik mehr Unterstützung. „Beim Artenschutz wird übertrieben und wir zahlen die Zeche dafür.“

Er verweist auf den Umgang mit dem Wolf. „Gegenwärtig wird den Schäfern der Schaden ersetzt, wenn der Wolf Appetit auf Schaffleisch hat. Dagegen werden wir Teichwirte inzwischen mit den Schäden allein gelassen, die durch geschützte Vogelarten wie dem Kormoran in unseren Fischbeständen entstehen. Warum muss ich zusehen, wie mein Eigentum vernichtet wird?“, schiebt er noch nach. Selbst die Fische, die die Beißattacken überlebt haben, sind kaum verwertbar. „Niemand kauft verletzte oder vernarbte Karpfen“, ist er sich sicher. Die empfohlenen Schutzmaßnahmen wie Netzüberspannungen der Teiche hält Winkelgrund für aberwitzig. „Ich kann doch keine 15.000 Euro für ein Netz je Hektar bezahlen. Die Preiserhöhung für das Futtergetreide um 130 Prozent in diesem Jahr macht das Wirtschaften ohnehin schon schwierig“, beklagt der Fischer.

Der Landesregierung ist das Problem bekannt. Abgeordneter Werner-Siegwart Schippel (SPD) sieht es schon als Fortschritt, wenn darin fraktionsübergreifend eine hohe Dringlichkeit gesehen wird, die in einer Großen Anfrage endet. In „Deutschland oder gar europaweit wird es aber nur sehr schwer zu einer einheitlichen Regelung kommen können. Unsere Probleme müssen nicht die der anderen Bundesländer sein“, so Schippel. In der Antwort der Landesregierung wird bestätigt, dass sich der Kormoranbestand in Brandenburg in den vergangenen 20 Jahren verfünffacht hat, es aber außer den genehmigten Vergrämungsabschüssen kein wirksames Gegenmittel gibt. In einem gemeinsamen Entschließungsantrag aller Fraktionen wird daher der Brandenburger Landtag aufgefordert, zu beschließen, dass die Landesregierung Rahmenbedingungen schaffen soll, die den Fischern eine ökologische, soziale und ökonomische Bewirtschaftung ermöglicht. „Hoffentlich kommt es dann zu einer für uns Fischer befriedigenden Lösung, und hoffentlich noch rechtzeitig“, wünscht sich der Stradower.

Unterdessen haben die Kormorane am Kahnsdorfer See ihre Schlafplätze gefunden. „Die sind ja nicht blöd, dort haben die ihre Ruhe und können Kräfte sammeln für den nächsten Jagdzug – in meinen Teichen“, grollt Fischer Winkelgrund.