„Denjenigen Gemeinden, welchen in diesem Jahr auf Antrag Beihilfen für den Ausbau von Kommunikationswegen bewilligt worden sind, werden auch in diesem Jahre Vorschüsse aus Kreismitteln behilfs Beschaffung von Plastersteinen gewährt werden“, hieß es am 30. April des Jahres 1893 in der Beilage des Forster Tageblatts. Vier Jahre später machte davon unter anderen die Gemeinde Groß Tzschacksdorf (Groß Schacksdorf) Gebrauch, um die damals nur mit Schwierigkeiten zu passierende Straße nach Preschen bis nahe ans Ende des Dorfes zu pflastern.

Wiederum drei Jahre später wurde von Groß Schacksdorf aus der Ausbau nach Simmersdorf weiter vorangetrieben. „Möchten andere Gemeinden diesem Beispiele folgen. Das wäre namentlich wegen des mitunter kaum zu passierenden Weges nach Koyne (Keune) sehr zu wünschen“, hieß es vor exakt 111 Jahren.

In dieser Zeit könnte auch der Bau des mit einem Katzenkopfpflaster versehenen Teils der Dorfstraße in Groß Kölzig liegen, der kürzlich erneuert wurde. Die Gletscher der letzten Eiszeiten transportierten das dazu benötigte Baumaterial aus Skandinavien ins benachbarte Raden, wo sich die Findlinge in der Endmoräne ablagerten, die im Westen mit dem Preschener Weinberge beginnt und sich in östlicher Richtung einige Kilometer weit südlich von Raden hin.

Jahrhundertelang wurde diese einst sich über 159 Meter über Meeresspiegel erhebende eiszeitliche Aufstauchung mit Graniten aus Schweden, Sandsteine, Porphyre, aber auch Feuersteine in der Region als Steinbruch genutzt, um für die Dörfer billiges Baumaterial für die Straßen zu liefern.

„Durch das Graben zwecks Gewinnung von Pflastermaterial zum Straßenbau ist schon ein Gutteil der Steine abgetragen worden“, stellte Paul Decker im Jahre 1940 in der Beilage zum Forster Tageblatt heraus. Viele der Findlinge seien gesprengt worden. Unter ihnen habe sich auch ein Exemplar befunden, das in seiner Größe dem bekannten Teufelsstein bei Triebel (Trzebiel) nur wenig nachstand. Rund 30 Kubikmeter groß ist dieser aus Mittelfinnland stammenden Granitstein, der etwa einen Meter unter der Erdoberfläche liegt.

Der Radener Riese sei ein ausgezeichnetes Pflastermaterial gewesen, erfuhr der damalige Verfasser von einem Steinbrecher. Die Findlinge fanden jedoch nicht nur als Straßenpflaster, sondern auch beim Bau von Wohnhäusern, Stallungen und Scheunen Verwendung. Auch die Kirche in Raden besteht im unteren Teil aus ihnen, ebenso der alte Felsenkeller, eine ehemalige Gaststätte an der geraden Verbindung zwischen Forst und Muskau, der noch heute zu bewundern ist.