Winfried Böhmer hat eine Vision. Der langjährige Kraftwerker und heutiges Mitglied des Vorstandes der Grünen im Oberspreewald-Lausitz-Kreis kann sich für die Lausitzer Tagebauseen eine neue Nutzung vorstellen; allerdings weder im naturschutzfachlichen, noch im touristischen Bereich, sondern als Energiespeicher. Und zwar als eine Art Pumpspeicherkraftwerk. Während einer Podiumsdiskussion der Friedrich-Naumann-Stiftung in Senftenberg nannte der Politiker als konkretes Beispiel den Altdöberner See. Das Restloch des früheren Tagebaus Greifenhain weist eine Tiefe von bis zu 55 Metern aus, genug für einen kleinen Pumpspeicherbetrieb. Zum Vergleich: In Deutschlands größtem Pumpspeicherwerk im südthüringischen Goldisthal existiert laut Betreiber Vattenfall ein Höhenunterschied von gut 300 Metern.

"Im Wasser können wir regenerative Energie in Größenordnungen speichern", erklärte Winfried Böhmer. Diese Aussage bestätigte Prof.Katrin Lehmann, Dekanin der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik der Hochschule Lausitz (FH). Mit ihren Studenten habe sie die Vision schon mal durchgerechnet. Der Wirkungsgrad beeindruckt: "Er liegt bei 80 bis 85 Prozent", erklärte Lehmann.

Wenn da nicht ein größeres Problem wäre. Nämlich die Vorhaltung eines gewaltigen Speicherbeckens für die Wassermassen, die über Rohrleitungen in die Restlöcher stürzen würden. In Goldisthal umfasst dieses Oberbecken rund zwölf Millionen Kubikmeter. Das wäre etwa ein Drittel der kompletten Wassermenge des Dreiweiberner Sees südöstlich von Hoyerswerda. Die dafür erforderliche Fläche stünde in der Region kaum zur Verfügung. Schließlich müsste direkt neben dem ausgewählten Tagebaurestloch, das als Pumpspeicherwerk genutzt werden soll, ein See installiert werden. In Goldisthal wurde dafür eine ganze Bergspitze beseitigt.

Wenn auch nicht auf dem Feld der Wasserkraft ist Brandenburg dennoch deutschlandweit führend in der Erzeugung regenerativer Energien. Laut Kathrin Lehmann werden mittlerweile zwischen Elbe und Oder 6,4Gigawatt produziert. Die erforderliche Menge seien nur zwei Gigawatt. "Brandenburg ist schon so weit, wie die Bundesrepublik im Jahr 2035 sein will. Man könnte auch sagen, unser Bundesland ist ein Flächenkraftwerk", so die Expertin

Doch längst rege sich gegen regenerative Energien Widerstand. Martina Gregor-Ness, Umweltexpertin der SPD im Potsdamer Landtag, sagte, dass zwar lediglich 1,3 Prozent der Landesfläche als Windeignungsgebiet ausgewiesen sei, es aber insgesamt 48 Initiativen gegen die Windmühlen gebe. "Die Windakzeptanz in der Bevölkerung ist am Boden", so die Politikerin. Dagegen könnten nach Auffassung von Prof. Martin Neumann, forschungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, finanzielle Anreize Abhilfe schaffen. "Wenn die Leute vor Ort an den Einnahmen beteiligt werden, lässt es sich gut mit den Windrädern leben." Seine Partei setzte im Rahmen der Energiewende ohnehin auf mehr Markt. Nur so bleibe Energie bezahlbar. Sein Parteikollege, Landtagsmitglied Gregor Beyer, bezeichnete die vollzogene Energiewende als "mutig". Und zwar deswegen, weil niemand bisher den genauen Zeitplan zu deren Umsetzung kenne.

Diese Ansicht stieß im Publikum im Senftenberger Hörsaal auf Widerspruch: "Ich sehe die Energiewende als völlig kopfloses Unterfangen. Es fehlen komplette, bis zu Ende gedachte Pläne. Nicht zuletzt wissen viele Politiker gar nicht, wovon sie eigentlich reden. Der Strompreis steigt stattdessen immer weiter", schimpfte der Senftenberger Unternehmer René Markgraf. Er ist Geschäftsführer der IBAR Systemtechnik GmbH, die sich die Optimierung von Energieflüssen auf die Fahnen geschrieben hat.