In Silke Gröschkes Büro stehen fertige Körbe in diversen Größen und Formen für ihre Kunden zur Auswahl bereit. An jedem hängt ein Etikett: "Deutsche Handarbeit" ist darauf zu lesen. Denn was die Cottbuserin in ihrer kleinen Werkstatt hinter dem Büro leistet, ist echte, reine Handarbeit. Aus Weiden und Rohr flicht sie Wäsche- und Einkaufkörbe, Lampenschirme, Stuhlbespannungen und vieles mehr.

"Ich mag meinen Beruf sehr. Ich kann mit meinen Händen etwas entstehen lassen. Am Abend kann ich das Resultat meiner Arbeit mit Händen fassen", sagt Silke Gröschke. Dabei war die Korbmacherei für sie zunächst eher die zweite Wahl. "Ich hatte davon geträumt, Medizin zu studieren. Doch als Rehabilitandin war ich bei der Berufswahl eingeschränkt", erinnert sie sich. Auf die Idee, Korbmacherin zu werden, sei sie durch eine Fernsehsendung gekommen, in der ein Handwerker seine Zunft vorgestellte. "Wir haben das Fernsehen angeschrieben, um nach einem Kontakt zu fragen. Daraufhin wurden wir an eine Strandkorbfabrik in Heringsdorf verwiesen. Die habe ich mir mit meinen Eltern in den Ferien angesehen."

Für Silke Gröschke stand daraufhin fest: Sie wollte Korbmacherin werden. Im Jahr 1984 hat sie als 17-Jährige ihre Lehre begonnen. "Die Arbeit war genau so, wie ich sie mir erhofft hatte", schwärmt die Handwerkerin, die zunächst bei einem Meister in Guben ausgebildet wurde, dann bei einem Korbmacher in Ziltendorf bei Eisenhüttenstadt, der vor allem für den Export produzierte. "Dort bekam ich den Feinschliff, denn es war ganz exaktes Arbeiten gefragt. Wir stellten unter anderem Tabletts, Kinderwagen und Lampenschirme her, die von westdeutschen Versandhäusern aber auch weltweit bis nach Japan verkauft wurden", erzählt Silke Gröschke.

Nach der Gesellenprüfung und einem Elternjahr hat die Cottbuserin ihren Meister gemacht. Die Jahre, in denen Silke Gröschke zwischen ihrem Betrieb in Ziltendorf und der Meisterschule in Dresden pendelte, fielen in die Wendezeit. "Als ich im Sommer 1991 meine Meisterprüfung gemacht habe, hatte sich auch für die Korbmacher schon viel verändert. Inzwischen ist unser Handwerk nicht mehr so geschützt. Jeder der Weiden flechten kann, darf sich heute Korbmacher nennen", bedauert die Cottbuserin.

Trotzdem hat sie im Jahr 1992 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und in Cottbus ihren eigenen Betrieb gegründet. "Anfangs bin ich mit meinen Waren auch über die Märkte gezogen, um mich bekannt zu machen. Doch bald hat die Mundpropaganda die Kunden in mein Geschäft geführt. Es gab und es gibt Leute, die echte Korbwaren zu schätzen wissen, weil sie sehr haltbar und leicht und auch mal zu reparieren sind", sagt Silke Gröschke.

Nachgefragt werden bei ihr Körbe in den verschiedensten Größen und Ausführungen, zum Beispiel für die Aufbewahrung von Wäsche, zum Einkaufen oder als Plätzchen für den Hund. Auch Sonderanfertigungen stellt Silke Gröschke her. "Ich habe sogar schon mal eine Nisthöhle für einen Nymphensittich geflochten", erzählt die Korbmacherin. Außerdem repariert sie das Korbgeflecht von antiken Stühlen, zum Beispiel für den Fundus des Cottbuser Staatstheaters.

Reich wird sie mit ihrer Arbeit allerdings nicht. "Zum Aufhören ist es zu viel und zum Weitermachen zu wenig", sagt Silke Gröschke. Was für sie zählt, ist der Spaß an ihrer Arbeit, und den hat Silke Gröschke sich bewahrt. Illusionen, dass ihr Geschäft weitergeführt wird, wenn sie einmal aufhört, macht sich die Handwerkerin nicht. "Meine Kinder werden andere Berufe ergreifen. Und einem Azubi könnte ich keine Perspektive bieten", bedauert die Cottbuserin, die inzwischen die letzte Korbmachermeisterin in der Stadt ist.