Eine Sturmwarnung hat vielen Narren an Rosenmontag erstmals seit 25 Jahren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aus Sorge vor orkanartigen Böen des Sturmtiefs "Ruzica" (Röschen) haben Hochburgen wie Düsseldorf und Mainz die traditionellen Umzüge schweren Herzens abgesagt. Dagegen setzte sich in Köln pünktlich um 10 Uhr der größte deutsche Karnevalszug in Bewegung, allerdings ohne die sonst üblichen 500 Pferde. Die Jecken wurden vom Wetter belohnt: Der Regen hörte zunächst auf, die Sonne kam durch.

Neben Düsseldorf und Mainz hatte auch eine Reihe weiterer Städte ihre Züge wegen des widrigen Wetters abgesagt. In der Mainzer Innenstadt zogen kleinere Gruppen mit verkleideten Fastnachtern umher, einige riefen "Helau!" In Kneipen war aber zunächst wenig los. Die schwäbischen Narren im Südwesten feierten vom Wetter weitgehend ungestört.

Die "zuglosen" Düsseldorfer konnten sich vor dem Rathaus die Wagen zumindest ansehen. Sie sind seit Jahren für ihre satirische Schärfe berühmt. Auch diesmal blieb Figurengestalter Jacques Tilly (52) seinem Ruf treu. So thematisierte ein Wagen die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht: Eine Frau hat zwei Männer an einer Silvesterrakete festgebunden und schießt sie geradewegs zum Mond. "So schön wird das nächste Silvester", heißt es dazu. Auf einem anderen Wagen wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem kleinen Boot von einer "Flüchtlingswelle" erfasst und umgeworfen. Die Kölner Organisatoren werteten den Rosenmontagszug am Abend als vollen Erfolg.

Aus mehreren Städten wurden Überlegungen zu Nachholterminen für die Umzüge laut. Vertreter des Bundes Deutscher Karneval (BDK) sehen das skeptisch. "Es gibt grundsätzlich die Regelung, dass außerhalb der Fastnachtszeit keine karnevalistischen Veranstaltungen stattfinden sollen", sagte der Vizepräsident des BDK, Peter Krawietz, in Mainz. Das Fest sei "eingebettet in den christlichen Jahreskreis" und finde - wie der Begriff "Fastnacht" zeige - unmittelbar vor der Fastenzeit statt. "So bitter es ist, man kann nicht sagen, aus irgendeinem Grund fällt Weihnachten aus, also holen wir das irgendwann nach."

Die abgesagten Umzüge drücken nicht nur auf die Stimmung, sondern womöglich auch auf den Geldbeutel. Der Präsident des BDK, Volker Wagner, sagte der "Rheinischen Post" (Dienstag): "Es geht um Sponsoren, die jetzt ihr Geld zurückverlangen könnten. Nicht alle Zugteilnehmer sind gegen Ausfall versichert."

Kritik gab es am Deutschen Wetterdienst (DWD), der für den Morgen vor Windstärke 8 bis 9 gewarnt hatte. Später seien Böen mit Windstärke 10 zu erwarten. "Absage #Düsseldorf - für mich ein Rätsel", twitterte ARD-Meteorologe Karsten Schwanke. Die stärksten Böen seien frühestens am Nachmittag zu erwarten gewesen.

Fast wie von den Experten vorausgesagt verdunkelte sich in Düsseldorf der Himmel am Nachmittag, starke Winde zogen auf und Sturzregen prasselte auf die wenigen verbliebenen Düsseldorfer Narren nieder.

Nach der Aufregung um eine Panzerattrappe mit der Aufschrift "Ilmtaler Asylabwehr" beim Faschingsumzug im oberbayerischen Reichertshausen ermittelt nun die Staatsanwaltschaft, wie ein Sprecher in Ingolstadt sagte. Die Staatsanwaltschaft muss herausfinden, ob es sich bei dem Wagen mit dem Schriftzug "Asylpaket III" um Volksverhetzung handelt. Der Veranstalter entschuldigte sich inzwischen. Auch ein Motivwagen mit den Aufschriften "Balkan-Express" und "Die Plage kommt" beim Karnevalsumzug im thüringischen Wasungen beschäftigt die Staatsanwaltschaft.

Die Polizeibehörden hatten in allen Karnevalshochburgen ihre Kräfte verstärkt. Sie reagierten damit auf Terrorgefahren und die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln.