Die Beine hat er von sich gestreckt, das Fell leuchtet makellos weiß. In einer Glasvitrine im Berliner Zoo wird der berühmte Eisbär Knut als Stofftier angeboten. Es gibt auch DVD's und Blechpostkarten von ihm. Obwohl das weltbekannte Zoo-Tier 2011 im Alter von vier Jahren starb, ist die Marke "Knut" immer noch lebendig - und heiß umkämpft. Denn nicht nur der Zoo möchte an dem Bären verdienen. Er musste sein Markenrecht an Knut gegen die britische Firma "Knut IP Management" verteidigen. Nun gab das EU-Gericht in Luxemburg dem Berliner Zoo recht.

Der Zoo hatte 2007 beim Deutschen Patent- und Markenamt die Marke "Knut der Eisbär" angemeldet. Doch kurz zuvor hatte bereits die Londoner Firma zugegriffen. Sie wollte den Namen des Bären für die Vermarktung von T-Shirts, Schuhen oder Sportartikeln nutzen. Dagegen legte der Zoo vor dem EU-Markenamt Widerspruch ein und begründete ihn mit der älteren Marke "Knud" mit "d". Sie war im Februar 2007 von einem Verlag aus Münster angemeldet worden, der Zoo hatte sich dafür die Lizenzrechte geholt. Der Zoo argumentierte unter anderem, dass die beiden Marken gleich klingen - und bekam recht. Die britische Firma zog vor das EU-Gericht.

Am Montag bestätigten die Richter in Luxemburg die Entscheidung des EU-Markenamtes. Die Londoner Firma darf die Marke "Knut - der Eisbär" nicht nutzen. Es bestehe Verwechslungsgefahr mit der Marke "Knud", die Namen seien zu ähnlich. Zudem sollten beide Marken vergleichbare Güter wie Sportartikel und Spielzeug bewerben. Der Berliner Zoo reagierte erleichtert auf die Entscheidung. "Wir sind froh", sagte Sprecherin Claudia Bienek.

Im Dezember 2006 war der knuddelige Knut im Berliner Zoo geboren worden. Mit seinen niedlichen Knopfaugen und dem strahlend weißen Fell hatte er Herzen in aller Welt erobert - und ließ auch die Augen von Geschäftstüchtigen leuchten. Allein 2007 bescherte Knut dem Zoo einen Gewinn von rund fünf Millionen Euro. Bis zu seinem Tod hatten mehr als elf Millionen Menschen den Publikumsliebling besucht. Auch als Werbeträger, Gummibärchen, Stofftier oder auf Briefmarken brachte Knut Millionen ein. Mit Hollywood-Star Leonardo DiCaprio zierte er sogar den Titel einer Zeitschrift.

"Die Idee eines "celebrity zoo animal" (dt. "berühmtes Zootier") und die damit verbundene kommerzielle Verwertung ist ein Zeichen unserer Zeit und nicht jeder findet das moralisch in Ordnung", meinte die britische Markenanwältin Birgit Clark. Sie beschäftigt sich seit Langem mit dem Hype um Knut. "Man sollte aber bedenken, wenn es der Zoo nicht tut, dann steht dieser Weg Dritten offen." Mit einem Widerspruchsverfahren gegen eine Markenanmeldung könne der Zoo Dritte davon abhalten, Güter und Waren unter der Marke Knut zu vertreiben, sagte Clark. "Das ist absolut gebräuchlich und ratsam, auch um das Image einer Marke zu kontrollieren."

Denn der Eisbär soll nicht nur die Kasse klingeln lassen. "Knut war immer auch Klimabotschafter", meinte Zoosprecherin Bienek. Und es gehe dem Zoo auch darum, sein Erbe zu erhalten.

Knut wurde älter, sein Fell schmutziger. 2011 starb er im Berliner Zoo. Ob die Marke Knut mittlerweile noch lukrativ ist, bleibt fraglich. Der Berliner Zoo zumindest plant keine neuen Knut-Produkte. Dennoch: "Es werden immer Menschen nach Knut fragen", sagte Zoosprecherin Bienek. Für sie gibt es im Zoo Blechpostkarten oder Plüschtiere - und die Bronzestatue "Knut - Der Träumer". Sie erinnert an der Eisbärenanlage an das berühmte Tier.